Einbürgerungen

Die dritte Generation will den Pass – Solothurn liegt bei Gesuchen weit vorne

m Jahr nach Inkrafttreten der neuen Regel wurden im Kanton Solothurn überdurchschnittlich viele Einbürgerungsgesuche eingereicht.

m Jahr nach Inkrafttreten der neuen Regel wurden im Kanton Solothurn überdurchschnittlich viele Einbürgerungsgesuche eingereicht.

Seit rund einem Jahr können Ausländer der dritten Generation die erleichterte Einbürgerung beantragen. Im Kanton tun sie dies überdurchschnittlich oft.

Der Kanton Solothurn sprengt schon fast den Rahmen: Hier wollen besonders viele junge Ausländer den roten Pass. Seit etwa einem Jahr können junge Ausländer der dritten Generation die erleichterte Einbürgerung beantragen.

Zahlen zeigen nun: Im Jahr nach Inkrafttreten der neuen Regel wurden im Kanton Solothurn überdurchschnittlich viele Einbürgerungsgesuche eingereicht. Es sind nämlich 10 Prozent der gesamtschweizerischen 1065 Gesuche, während die ausländische Wohnbevölkerung im Kanton nur einen Anteil von 2,85 Prozent an der gesamtschweizerischen ausländischen Bevölkerung aufweist.

Es gibt im Kanton also im Vergleich besonders viele Junge der dritten Generation, welche Schweizer werden wollen. Nur die Kantone Aargau und St. Gallen liegen vor Solothurn. In 39 Fällen wurde dem Gesuch bereits positiv entsprochen und das Bürgerrecht wurde erteilt. Auch hier liegt Solothurn unter den Kantonen weit vorne, nämlich auf Platz 2 hinter dem Aargau mit 120 erteilten Bürgerrechten.

Dabei gelten auch für die dritte Generation strenge Bedingungen. So wird die Geburt in der Schweiz vorausgesetzt. Die Person muss mindestens fünf Jahre die obligatorische Schule in der Schweiz besucht und das Gesuch vor dem vollendeten 25. Altersjahr eingereicht haben. Allerdings muss die Person, anders als die übrigen Einbürgerungswilligen, nicht zehn Jahre hier gelebt haben.

Mehr Gesuche wegen strenger Gesetze

Warum es im Kanton Solothurn überdurchschnittlich viele Gesuche gibt, darüber spekuliert eine Studie der eidgenössischen Migrationskommission. Es wird vermutet, dass die Jungen wegen der restriktiveren Gesetzgebung den Weg über die erleichterte Einbürgerung wählen. Auch die Kantone Thurgau, St. Gallen, Baselland und vor allem der Aargau haben strengere Regeln und dementsprechend ebenfalls höhere Gesuchzahlen.

Die Probleme bei der erleichterten Einbürgerung der dritten Generation, welche die Studie auch beleuchtet, stelle man bei uns ebenso fest, erklärt Dominik Fluri, der beim Kanton für das Dossier Einbürgerungen zuständig ist.

Viele Gesuchsteller hätten Mühe zu belegen, dass ein Elternteil mindestens fünf Jahre die obligatorische Schule in der Schweiz besucht habe. «Damals galten noch strengere Familiennachzugsregeln. Die Grosseltern arbeiteten hier meist als Saisonnier, ihre Kinder besuchten die Schulen im Heimatland und folgten erst als Erwachsene in die Schweiz.»

Es kann teuer werden

Die meisten der in der Schweiz erteilten Bürgerrechte der dritten Generation wurden übrigens Italienern zuerkannt (60 Prozent), darauf folgen die Herkunftsländer Türkei (14 Prozent), Spanien (7 Prozent), Kosovo (4,5 Prozent), Mazedonien (3 Prozent). Über alle Einbürgerungsarten hinweg gesehen, kamen die im Kanton Solothurn Eingebürgerten letztes Jahr vor allem aus dem Kosovo (124 Fälle), aus Italien (122 Fälle), Deutschland (106 Fälle), der Türkei (60 Fälle), Serbien (41 Fälle), Mazedonien (36 Fälle) und Sri Lanka (33 Fälle).

Total wurden im Kanton Solothurn gemäss Statistik des Staatssekretariats für Migration im letzten Jahr 755 Personen eingebürgert, 2017 waren es noch 906, im Jahr 2016 976. Gesamtschweizerisch waren es letztes Jahr 42 630. Es lassen sich jeweils etwas mehr Frauen als Männer einbürgern. Die Kosten für eine ordentliche Einbürgerung sind beträchtlich.

Zwar führe man keine detaillierte Statistik, wie viel die Bürgergemeinden jeweils verlangten, aber: «Die Kosten ergeben sich aus dem Aufwand. Sie bewegen sich zwischen 500 und 4000 Franken. Dazu kommen noch kantonale Gebühren von 1500 bis 2000 Franken», sagt Dominik Fluri. Wenn man ferner ein Sprachzertifikat berappen muss, kann das insgesamt also 7000 Franken betragen.

Generell sind auf Anfang 2018 hin die zu erfüllenden Anforderungen für den Schweizer Pass verschärft worden (vgl. Box unten). Es scheint jedoch, dass deswegen nicht weniger Gesuche erfolgten. Dominik Fluri: «Bei der ordentlichen Einbürgerung haben wir eigentlich keine Veränderungen zu spüren bekommen, obwohl es strenger geworden ist.»

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