Cargo Sous Terrain

«Die Antwort für die Zukunft»: Die Güter-U-Bahn gewinnt an Akzeptanz

Das Logistikzentrum der Schweiz: Im Gäu könnten gleich mehrere sogenannte «Hubs» als Ladestationen entstehen. Wo genau dies geschehen soll, ist bisher noch nicht bekannt.

Das Logistikzentrum der Schweiz: Im Gäu könnten gleich mehrere sogenannte «Hubs» als Ladestationen entstehen. Wo genau dies geschehen soll, ist bisher noch nicht bekannt.

Die Gäuer Gemeindepräsidenten sehen Cargo Sous Terrain mittlerweile als Lösung der Zukunft. Der Kanton ist teilweise noch skeptisch.

Ein utopisch wirkendes Vorhaben rückt ein Stück näher an die Realität: Unbemannte E-Container sollen künftig unterirdisch Waren von den Logistikzentren in die Städte transportieren. Das Projekt kommt bei Kantonen und Unternehmen überwiegend gut an. Deshalb hat sich der Bundesrat bereit erklärt, die rechtliche Grundlage für das futuristische Transportsystem zu schaffen.

Bei Logistikfragen stehen das Gäu und der Kanton Solothurn im Fokus. Die erste Etappe soll nämlich von Härkingen nach Zürich führen. Als Direktbetroffene haben sich die Gäuer Gemeinden an der Vernehmlassung über die Gemeindepräsidentenkonferenz (GPG) zur Güter-U-Bahn beteiligt. Egerkingens Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi stand dem 33-Milliarden-Tunnel vor zwei Jahren noch skeptisch gegenüber. Dieser Eindruck ist gewichen. «Grundsätzlich haben wir das Gefühl, dass Cargo Sous Terrain die Antwort für die Zukunft ist», sagt die Präsidentin der Präsidentenkonferenz. Sie seien der Auffassung, das Problem der Verkehrsbelastung könne nur noch gelöst werden, «wenn wir in den Untergrund gehen.»

Konzept lässt noch immer Fragen offen

Vorsichtiger positioniert sich der Kanton. Bernardo Albisetti, Departementssekretär beim Bau- und Justizdepartement sagt zwar: «Die Idee ist bestechend, die Vision ist gut.» Jedoch liege noch immer ein Konzept vor, das nicht fertiggedacht sei. «Die City-Logistik ist noch nicht gelöst», kommentiert Albisetti. Darunter fällt die Zustellung der Ware auf der letzten Meile. Auch sei nicht bekannt, wie Cargo Sous Terrain mit dem Grundwasserschutz umgehen will. «Die Grundwasservorkommen im Gäu dürfen nicht noch weiter gefährdet werden», sagt Albisetti. Dieselben Vorbehalte äusserte in der Vernehmlassung der Kanton Aargau. Wie der Kanton Solothurn ist er von Cargo Sous Terrain direkt betroffen.

Kanton sieht den Bund in der Verantwortung

Aus den Antworten zur Güter-U-Bahn Vorlage sticht weiter hervor, dass sich die beiden Kantone eine stärkere Rolle des Bundes wünschen. Durch das Plangenehmigungsverfahren würde das kantonsübergreifende Projekt unter einheitlichen Voraussetzungen entwickelt. Cargo Sous Terrain müsste somit nicht in jedem Kanton einzeln Bewilligungen einholen. Die Kompetenz, die oberirdischen Anschlussstellen (Hubs) und die Linienführung festzulegen, will der Bund aber den Kantonen überlassen. Die Kantone Aargau und Solothurn finden dies keinen guten Ansatz. «Es käme niemandem in den Sinn, die Planung des kantonalen Strassennetzes den Gemeinden zu überlassen», sagt Albisetti. Cargo Sous Terrain als nationales Vorhaben müsse daher ebenso auf allen Ebenen vom Bund geplant und bewilligt werden. Die Mehrzahl der anderen Kantone lehnt dies jedoch ab und will nicht zusätzlich Kompetenzen an den Bund abtreten. «Sie reagieren aus föderalem Reflex», sagt Albisetti. Bei diesem Projekt stehe dieser einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Staatsebenen im Weg. Breite Kreise der Transport- und Logistikbranche wünschen sich wie die Kantone Solothurn und Aargau, dass der Bund die unterirdische Linienführung definiert.

Auch die Gäuer Gemeindepräsidenten würden sich bei der Planung eine ähnliche Regelung wünschen, wie sie für das Autobahnnetz gilt. 2008 gaben die Kantone die Hoheit dem Bund zurück. Vonseiten der GPG bleibt die Frage offen, wie sich die Hubs auf den Verkehr auswirken. Bartholdi geht davon aus, dass die ersten Hubs im Gäu eine Sogwirkung auslösen könnten. «Wir befürchten, unsere Gegend könnte am Anfang eher leiden denn profitieren», sagt sie. In der Vernehmlassung stellte die Gemeindepräsidentenkonferenz daher die Forderung, für die Dienste als Logistikzentrum finanziell entschädigt zu werden. Bartholdi hat einen originellen Ansatz dazu: «Ich stelle mir eine Art ‹Hub-Steuer› vor.»

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