Über 500 Gäste besuchten auf Einladung der AEK Onyx AG die Veranstaltung «FokusEnergie» im Solothurner Landhaus. In deren Mittelpunkt stand ein Podiumsgespräch zum Thema «Ein Jahr nach dem Ja zur Energiestrategie 2050». «Ist man inzwischen weiter gekommen?», wollte Moderator Iwan Rickenbacher wissen. Die Meinungen waren geteilt – die alten Fronten sind auch die neuen Fronten.

«Jede Kilowattstunde Strom, die wir sparen, müssen wir nicht produzieren und nicht transportieren»: So warb Regierungsrätin Brigit Wyss gleich zu Beginn des Podiumsgesprächs für die Energieeffizienz und einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen: Für Wyss hat sich im Jahr seit der Abstimmung viel zum Guten entwickelt, zumal nun die Stossrichtung geklärt sei.

Der Einsatz für eine «klimaschonende, umweltfreundliche Energieversorgung» ist auch aus Sicht von Jürg Liechti ein Gebot der Stunde. Das Problembewusstsein in der Bevölkerung sei hoch, befand der CEO der Firma Neosys AG. Er kenne jedenfalls «niemanden, der gegen Massnahmen sei, die sich letztlich auszahlen». «Aber», fügte er allerdings auch gleich an: «Hüten wir uns davor, die Kreativität mit überbordenden gesetzlichen Vorschriften einzuschränken».

Das «Trilemma» ist nicht gelöst

Einen konsequenten Gegenpart zu Wyss markierte SVP-Nationalrat Christian Imark: Für ihn scheint der Volksentscheid vor einem Jahr immer noch so etwas wie ein Betriebsunfall zu sein. Dieser Ausgang vermöge das «zentrale Trilemma» – Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltfreundlichkeit der Energieversorgung unter einen Hut zu bringen – nicht zu lösen.

Walter Wirth, CEO der gastgebenden AEK Onyx AG, bestätigte diese dreifache Herausforderung. Er machte aber auch klar, dass sich sein Unternehmen in der Grundversorgung bewusst auf die Strategie «Erneuerbare Energie aus der Schweiz» eingestellt habe.

Wirth: «Das ist die Zukunft – und das zahlt sich längerfristig auch für die Kunden aus.»
Auf die Frage des Moderators, welche Rolle die Energiefrage bei ihrer Kundschaft spiele, gab Béatrice Lüthi, CEO der Lüthi Aufzüge AG, eine einigermassen ernüchternde Antwort: «Das ist für die meisten Kunden kein Thema. Wenn schon, kommt der Ansporn von uns.»

Nagelprobe mit Energiegesetz

Im Kanton Solothurn steht schon bald eine energiepolitische Nagelprobe an: Am kommenden 10. Juni, wenn die Teilrevision des kantonalen Energiegesetzes zur Abstimmung kommt. Laut Brigit Wyss, als zuständiger Regierungsrätin, ist «eine schlanke Vorlage» aufgegleist worden, welche die Vorgaben der nationalen Energiestrategie aufnehme und nicht zuletzt auf die Motivation der Bauherrschaft setze. Die Revision baut laut der Grünen-Politikerin darauf auf, dass «wer heute baut, gut und nach Stand der heutigen Technik baut». Im Bereich Erneuerung/Renovation gehe es darum, soweit wie  zu nehmen. Bei alledem sei die Aus- und Weiterbildung von Architekten und Baufachleuten wichtig, denn diesen komme bei der Umsetzung der Vorgaben eine Schlüsselrolle zu.

Von einer schlanken Regelung könne keine Rede sein, konterte Nationalrat Imark: Zwar sei das eigentliche Gesetz «dünn», doch in dessen Schlepptau folge eine 100 Seiten dicke Verordnung «mit Vorschriften ohne Ende». Und diese würden die Bauherren in den Ruin treiben. Er werde diese «nordkoreanisch»-diktatorisch anmutende Gesetzesrevision auf jeden Fall bekämpfen, kündigte er an.

Auch Jürg Liechti befand, dass der Staat vermehrt auf Anreizsysteme und auf Überzeugungsarbeit setzen sollte und weniger auf Zwang und Vorschriften. Dass so mehr erreicht werden könne, zeige sich erfolgreich in Sachen CO , wo die KMU auf freiwilliger Basis mitgezogen hätten.

«Nach der Abstimmung über die Energiestrategie erwartet das Volk, dass die Politik handelt», hielt dem Regierungsrätin Wyss entgegen. Der Auftrag laute, im Bereich Bausanierung zu handeln, zumal dort ein Energie-Einsparpotenzial von gut 50 Prozent bestehe. Die Verordnung zum Gesetz, die «weit weniger als 100 Seiten dick ist», enthalte nicht zuletzt die aktuellen, anerkannten SIA-Normen.

Nur Risiken und keine Chancen – eine solche Einschätzung greife zu kurz, hielt Walter Wirth an die Adresse von Nationalrat Imark fest. Immerhin, so der CEO der AEK Onyx AG, «wollen 90 Prozent unserer Kunden ökologische Produkte, für sie ist nicht nur die Kostenseite entscheidend.»

Handeln, statt Fledermäuse zählen

Die Nutzung einheimischer und erneuerbarer Energien erlebt laut Regierungsrätin Wyss «ein riesiges Wachstum – allerdings auf einem tiefen Startniveau», wie sie einräumen musste. «Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, aber wir schaffen es, davon bin ich überzeugt.» Sowohl Brigit Wyss als auch Walter Wirth sehen in der Energiestrategie 2050 des Bundes keine Gefahr für die Versorgungssicherheit. Wyss: «Wir haben in der Schweiz genug Energie. Wir müssen diese nur richtig und gut nützen.» Die Frage sei, so Wirth, wer die notwendigen Investitionen tätige und wer dafür bezahle.

«Es gibt weltweit übriggenug Energie», steht für Jürg Liechti fest: «Das Problem ist, dass man sich endlich auf einen Weg einigt.» Am Beispiel der Windkraft brachte er die Probleme auf den Punkt: «Unsere Firma muss im Zusammenhang mit einem Windpark-Projekt ein Jahr lang die Fledermäuse zählen, die möglicherweise gefährdet werden könnten. Das kanns doch nicht sein – so kommen wir nicht weiter.»

Die Sicherung der Energieversorgung sei ausgerechnet der verteufelten Atomkraft zu verdanken, bemerkte SVP-Mann Imark dazu sarkastisch. Seine Vision für die Zukunft: Über massive Tiefenbohrungen die Erdwärme anzuzapfen – «dann hätten wir rund um die Uhr Bandenergie in rauen Mengen».

100 neue Jobs in Luterbach

Einer von drei Logistik-Hubs der BKW entsteht in Luterbach, wo in der Nachbarschaft der Firma Biogen 100 neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Dies gab im Rahmen des «FokusEnergie» Ronald Trächsel bekannt. Laut dem Verwaltungsratspräsidenten der AEK Onyx AG sind im letzten Jahr in der Region 24 Millionen Franken investiert und die Betriebsorganisationen der Firmen AEK und Onyx mit Sitz in Solothurn erfolgreich zusammengeführt worden. Von der Einbettung in den Mutterkonzern BKW könne nicht zuletzt im Rahmen eines umfassenden Zugangs zu Systemen und Kompetenzen profitiert werden.