Petition

Der Wunsch nach neuen Regeln: Familie kämpft für mildere Vorschriften beim Homeschooling

Schule zu Hause ist für Homeschooling Familien  Alltag.

Schule zu Hause ist für Homeschooling Familien Alltag.

Mit einer Petition will Familie Kummer aus Lommiswil für weniger strenge Vorschriften bezüglich Homeschooling kämpfen.

Viele Kinder lernten in diesem Frühling einige Wochen lang daheim, und nicht wie gewohnt im Schulzimmer. Schuld daran waren die Massnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus. Und viele Eltern waren froh, als sie ihre Kinder endlich wieder wie gewohnt in die Schule schicken konnten.

Anders Simone und Marco Kummer aus Lommiswil: Sie würden ihre Tochter gerne weiter daheim beim Lernen unterstützen. «Unsere Tochter ist in den letzten Wochen aufgeblüht», erzählt Marco Kummer. «Sie hat sich früher oft mit den anderen Kindern verglichen und sich selber unter Druck gesetzt. Dieser Druck fiel in den letzten Wochen vor ihr ab, und das Lernen fiel ihr leichter.»

Mit einer Petition für ein neues Gesetz

Kinder daheim zu unterrichten, ist im Kanton Solothurn aber nicht leicht. Um die eigenen Kinder daheim unterrichten zu können, muss ein Elternteil entweder selber über ein von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) anerkanntes Lehrdiplom auf der entsprechenden Stufe verfügen, oder eine Person anstellen, die über ein solches verfügt.

Diese Hürde will Marco Kummer Eltern, die ihre Kinder selber unterrichten wollen, gerne aus dem Weg räumen. Er hat erfolgreich eine Online-Petition gestartet (wir berichteten), die in diesen Tagen an Remo Ankli, den Vorsteher des Departements für Bildung und Kultur, übergeben wurde.

Gegenüber dieser Zeitung liess der Kanton bereits durchblicken, dass er eine Änderung der Regeln bezüglich Homeschooling nicht in Betracht zieht. Die Schule diene einer ganzheitlichen Ausbildung und sei auch dazu da, die Kinder beim Hineinwachsen in die Gesellschaft zu unterstützen, so Andreas Walter, der Leiter des kantonalen Volksschulamtes.

«Würde die intellektuelle Förderung in den Vordergrund gerückt, könnte anstelle der Schulpflicht technisch auch eine Unterrichtspflicht treten. Die gemeinschaftsbildende Klammer unserer Volksschule würde sich dadurch grundsätzlich verändern», schrieb Walter in der vergangenen Woche.


Dieses Argument können Marco und Simone Kummer nicht nachvollziehen. «Sozialisierung passiert ja nicht nur im Schulzimmer, sondern auch in der Freizeit», so Marco Kummer. «Ein Kind daheim zu unterrichten, bedeutet nicht zwangsläufig, es sozial zu isolieren». Und noch etwas stört ihn an der Gesetzgebung im Kanton: «Um ihre Kinder daheim unterrichten zu dürfen, müssen die Eltern über ein Lehrerdiplom verfügen. Aber an den Schulen dürfen Personen bis zu vier Jahre lang ohne Lehrdiplom unterrichten.»

Kummer bezieht sich mit dieser Aussage auf Paragraf 50 Abs. 3 des Volksschulgesetzes. Nach diesem können Lehrpersonen, deren Lehrdiplome nicht anerkannt sind, bis zum Erwerb des Diploms Stellvertretungen übernehmen oder befristet während maximal vier Jahren unterrichten. Damit soll einerseits Studenten der Pädagogischen Hochschule der Einstieg in den Beruf ermöglicht werden, andererseits ist dies ein Mittel, um dem Lehrermangel zu begegnen.


Die Familie Kummer setzt ihre Hoffnung auf die Revision des kantonalen Volksschulgesetzes. Sie hoffen, dass dieses in Bezug auf Homeschooling Lockerungen erlaubt. Dabei erhalten sie auch politische Unterstützung, so hat sich der EVP-Kantonsrat André Wyss bereits mehrfach für erleichterte Bedingungen für Homeschooling ausgesprochen. Bisher sind im Entwurf zum neuen Gesetz allerdings keine Lockerungen für diesen Bereich vorgesehen.


Bezüglich Homeschooling fällte das Bundesgericht im vergangenen Jahr übrigens ein wegweisendes Urteil: Die höchsten Richter des Landes hielten fest, dass es Sache der Kantone sei, die Regeln bezüglich Homeschooling festzulegen. Sogar ein Verbot sei mit dem Schutz des Privat- und Familienlebens vereinbar.

Autor

Rebekka Balzarini

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