Cuno Amiet
Der Solothurner Malerfürst feiert seinen 150.Geburtstag

Am vergangenen Mittwoch, 28. März, konnte Cuno Amiets 150. Geburtstag gefeiert werden. Die Bilder des Malers mit der grossen Schaffenskraft sind noch heute begehrt und erzielen Höchstpreise.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Cuno Amiets Apfelbaum
12 Bilder
Cuno Amiets «Die gelben Mädchen», 1935 (Kopie der Urfassung 1901).
Cuno Amiet gewann 1900 die Silbermedaille an der Weltausstellung in Paris mit diesen fünf Trachtenfrauen. Sie symbolisieren «Richesse du soir».
Der «gelbe Hügel» 1904
Werke von Cuno Amiet
Der violette Hut», 1907. Amiet porträtierte Gertrud Dübi-Müller
Cuno Amiets «Chrysanthemen» 1909
Cuno Amiet: Drei Frauen am Meer, 1919 Ausstellung in der Fondation Saner Studen
Cuno Amiet, Blumenstilleben (Nelken auf Gelbem Tisch), 1943
«Dorflandschaft mit blühendem Baum» von Cuno Amiet (1905)
Cuno Amiet im Atelier vor zwei Entwürfen zur «Kunst».
Cuno Amiet malte seinen Freund, den Komponisten Richard Flury

Cuno Amiets Apfelbaum

Cuno Amiet wurde am 28. März 1868 in Solothurn geboren und starb 93-jährig, am 6. Juli 1961 in seinem Wohnort Oschwand, einem Weiler von Seeberg. Er war der Sohn des Solothurner Staatsschreibers Josef Ignaz Amiet. Als Fünfzehnjähriger malte Amiet sein erstes Selbstporträt. 1884 wurde er Schüler von Maler Frank Buchser, der ein Freund seines Vaters war und der das Talent des Jungen bald erkannte. 1886–88 besuchte Amiet die Akademie der Bildenden Künste in München und von 1888–92 die Académie Julian in Paris. In München schloss er 1887 eine lebenslange und enge Freundschaft mit Giovanni Giacometti. Amiet wurde Pate des erstgeborenen Sohnes von Giacometti, Alberto.

1892 verbrachte Amiet ein Jahr in der Bretagne, in der Künstlerkolonie Pont-Aven. Hier malte er und entdeckte Gauguin und van Gogh. Dieser relativ kurze Aufenthalt war sehr prägend, denn er legte dort die Grundlagen für seinen Kolorismus. Bei seiner Rückkehr in die Schweiz stiess seine Verwendung der reinen Farbe jedoch (noch) auf Ablehnung. Unter dem Einfluss Ferdinand Hodlers, zu dem er bis 1905 eine enge Beziehung pflegte, setzte sich der Solothurner auch mit dem Jugendstil auseinander.

Cuno-Amiet-Ausstellungen

Seit 28. März ist in der Bromer Art Collection in Roggwil eine Retrospektive mit Werken aus allen Schaffensperioden des Solothurner Künstlers zu sehen. Bis 1. Juli.

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt ab 22. September die Ausstellung «Freundschaft und Verwurzelung: Cuno Amiet zwischen Solothurn und der Oschwand. Zum 150. Geburtstag des Künstlers.» Thematisiert wird in dieser Schau auch die langfristige Zusammenarbeit zwischen den Nachlass-Erben und dem Kunstmuseum Solothurn. Eine repräsentative Werkgruppe des lange auf der Oschwand aufbewahrten Nachlasses wird nämlich künftig als Dauerleihgabe ins Kunstmuseum Solothurn gelangen. Bis 6. Januar 2019.

Durch eine Ausstellung seiner Arbeiten in Dresden, besonders mit «Der gelbe Hügel» wurde die Expressionisten-Vereinigung «Die Brücke» auf Amiet aufmerksam und gewann ihn als einziges schweizerisches Mitglied (1906–13). Amiet experimentierte erneut mit einem reinen Kolorismus und es entstand ein eigenständiges, reichhaltiges Werk, in dem vier Themen besonders hervortraten: der Garten, die Obsternte, die Winterlandschaft und das Selbstporträt.

Einflussreich ab 1911

Die Oschwand, wo er sich 1898 ein Haus baute und sich mit seiner Frau niederliess, wurde ab 1908 zu einem Zentrum künstlerischen Schaffens und einem Treffpunkt von Kunstinteressierten. Amiet war inzwischen hochgeachtet und konnte hervorragend von seiner Kunst leben. Er sass, nebst anderen Gremien, während zweier Perioden in der Eidgenössischen Kunstkommission (1911–15 und 1931–32).

Das Ehepaar Amiet blieb kinderlos, erzog aber Pflegekinder, unter anderem Bruno Hesse, den ältesten der drei Söhne des Dichters Hermann Hesse. Bedingt durch seine lange Lebenszeit, aber auch durch seinen straff strukturierten Maleralltag schuf Amiet mehr als 4000 Gemälde, zahlreiche Aquarelle und ein umfangreiches druckgrafisches Werk. Daneben entstanden auch einige bildhauerische Arbeiten, vor allem Büsten.

Amiets Geist und Geld

Die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn weist insgesamt 130 Einträge zu Arbeiten von Amiet aus, davon sind 75 Gemälde. «In unserem Haus befinden sich die absoluten Schlüsselwerke des Künstlers, darunter viele aus den 1890er-Jahren», sagt Museumsdirektor Christoph Vögele stolz. Diese stammen meist aus der Sammlung von Gertrud Dübi-Müller, die als junge Frau gar Malunterricht bei Amiet genoss. «Diese Bilder stellen heute Millionewerte dar», beantwortet Vögele die Frage nach dem Geldwert der Bilder, entsprechend hoch seien sie auch versichert. «Die Amiet-Bilder haben für unser Haus einen enormen Stellenwert und beweisen die enge Verbindung Amiets und seiner Nachlass-Erben mit dem Kunstmuseum», so Vögele weiter.

Wer Auktionskataloge konsultiert, sieht, dass im allgemeinen Kunsthandel heute immer wieder Arbeiten von Amiet erhältlich sind. Auffallend ist: So unterschiedlich seine Arbeiten – so breit ist auch die Preispalette. Ab 900 Franken ist schon eine Druckgrafik von Amiet zu bekommen. Doch es gibt auch Bilder, welche die Millionengrenze übersteigen. «Die Amiet-Preise steigen», schätzt Vögele. «Auch die Arbeiten aus den mittleren Jahren, die noch vor einiger Zeit für um die 20'000 bis 40'000 Franken zu haben waren, kosten heute gegen 100'000 Franken.»

Antiquitäten- und Kunsthändler André Kurmann bietet in seinem Laden in Solothurn immer wieder Arbeiten von Amiet zum Verkauf an. «Entweder stammen sie aus privaten Nachlässen oder wir kaufen selbst auf dem Auktionsmarkt», erklärt Kurmann. Die Nachfrage nach Amiet sei immer etwa im gleichen Rahmen, so der Kunsthändler. «Und dies nicht etwa nur in der Region Solothurn, sondern in der ganzen Schweiz und im Ausland.» Das sei insbesondere auf die Zugehörigkeit von Amiet zur Künstlervereinigung «Die Brücke» zurückzuführen, ist Kurmann sicher. Und er bestätigt Vögeles Einschätzung: «Begehrt sind die früheren Arbeiten.»

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