Landwirtschaft

Der Solothurner Bauernverband wappnet sich für Abstimmungskämpfe

Schweizer Landwirtschaft soll umweltfreundlicher werden, findet der Bundesrat. Neue Technologien sollen das möglich machen.

Schweizer Landwirtschaft soll umweltfreundlicher werden, findet der Bundesrat. Neue Technologien sollen das möglich machen.

An der Delegiertenversammlung des Solothurner Bauernverbandes stand die Diskussion um Pestizide im Zentrum. Gleich zwei Volksinitiativen zum Thema sind momentan im Parlament hängig. Zum einen die Trinkwasser-Initiative, zum anderen die Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide.

Die Bauern in der Schweiz werden in diesem Jahr gefordert: Mit der Trinkwasserinitiative und der Pestizidverbots-Initiative stehen zwei Abstimmungen vor der Tür, die den Arbeitsalltag auf den Bauernhöfen tiefgreifend verändern könnten. Entsprechend präsent war die Thematik der Pflanzenschutzmittel an der diesjährigen Delegiertenversammlung des Solothurner Bauernverbandes (SOBV) im Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz.

Die Forderungen der beiden Initiativen, so Bauernsekretär Peter Brügger in seinem Agrarpolitischen Ausblick, seien unverhältnismässig. Aber gegen den Wunsch nach sauberem Trinkwasser stellt sich natürlich auch der SOBV nicht. «Die Landwirtschaft muss die Bedürfnisse der Konsumenten ernst nehmen. Im Bereich der Pflanzenschutzmittel heisst das, dass der Einsatz wo immer möglich reduziert werden muss. Dazu sind aber neue Verfahren und neue, weniger toxische Mittel nötig», so Brügger.

Mit Robotern und Drohnen gegen Schädlinge

Das Zauberwort, das den Bauern den Weg zu knackigem, makellosem Gemüse mit weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ermöglichen soll, heisst Digitalisierung. Oder anders: Smart Farming. So wird der moderne Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Landwirtschaft bezeichnet. Momentan testet der SOBV den Einsatz von Drohnen. Die Drohnen könnten in Zukunft über das Feld fliegen und anhand von Aufnahmen zeigen, wo dort Dünger oder Pflanzenschutzmittel nötig sind.

Ein Fachmann für die Herausforderungen im Pflanzenbau und mögliche Lösungen dafür ist Andreas Keiser. Er unterrichtet als Professor an der Berner Fachhochschule für Agrarwissenschaften in Zollikofen zum Thema Ackerbau und Pflanzenzüchtung und war an der Delegiertenversammlung des SOBV als Referent zu Gast. Auch er sieht in der Digitalisierung grosse Chancen. So könnten autonome Roboter dank Kamera gestützter Pflanzenerkennung, Unkräuter gezielt spritzen oder mechanisch ausreissen. Dadurch kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark reduziert oder vollständig ersetzt werden.

«Noch sind dazu nicht alle Fragen geklärt», gibt er in seinem Referat zu bedenken. «Die Zuverlässigkeit bei der Pflanzenerkennung und die Treffsicherheit muss noch optimiert werden.» Keiser ist überzeugt, dass die Roboter die Landwirtschaft erobern werden. Bis diese genügend anwenderfreundlich und für Schweizer Landwirtschaftsbetriebe wirtschaftlich sind, dürfte es aber noch ein paar Jahre dauern.

Kooperationen zwischen den Betrieben

Neben Robotern sieht Keiser noch andere Möglichkeiten für eine Landwirtschaft mit weniger Pestiziden. Etwa die Züchtung von robusteren Pflanzensorten. Im Seeland bauen die Bauern in diesem Jahr Zuckerrüben der Sorte Tesla an. Diese Sorte wurde zwei Jahre getestet und soll weniger Pflanzenschutzmittel benötigen als andere Sorten.

Genauso wichtig wie die neuen Technologien ist es laut Keiser, Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter durch einen jährlichen Wechsel der Kulturen auf einer Parzelle vorbeugend zu kontrollieren, wie dies heute in der Schweiz üblich ist. Damit kann verhindert werden, dass sich Krankheiten im Boden festsetzen und die Pflanzen angreifen, oder dass sich Schädlinge dauerhaft in der Umgebung eines Feldes etablieren. Damit die Betriebe eine möglichst vielseitige Fruchtfolge garantieren können, könnten die einzelnen Bauernbetriebe zusammenarbeiten.

Von den Bauern wünscht sich Andreas Keiser in Zukunft Mut für solche Kooperationen, und eine Portion Eigeninitiative: «Es nützt nichts zu warten, bis ein Mittel verboten wird. Die Bauern sollten aktiv werden und zeigen, dass sie nach Alternativen suchen.»

Mehr Unterstützung für die Bemühungen der Landwirtschaft wünscht sich Andreas Keiser vom Detailhandel und den Konsumenten. «Nur wenn in Zukunft alle am gleichen Strick ziehen, ist eine bessere Ressourceneffizienz und eine nachhaltige Ernährungswirtschaft möglich.»

Autor

Rebekka Balzarini

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