Das Wetter für die Feierlichkeiten war perfekt. Eingeladen hatten Einwohner- und Bürgergemeinde sowie die SP Dornach. Jugendmusikschüler spielten munter auf vier Keyboards. Bis zur eigentlichen Enthüllung der Skulptur und eines noch nicht definierbaren Gestänges war am vergangenen Samstag eine Stunde Geduld angesagt.

Neben der Rednerprominenz waren auch Angelika und Matthias Stich, die Solothurner SP-Nationalrätin Bea Heim sowie alt Nationalrätin Ursula Ulrich-Vögtlin anwesend. Gemessen an der Bedeutung Stichs hätte man von der Bevölkerung noch mehr Präsenz erwartet. Vor einer Phalanx von zwei Landsknechten, einem Gerüsteten und fünf Fahnenträgern begrüsste Moderator Florian Schaulin die Anwesenden.

Die Bank mit Symbolen, die typisch sind für Otto Stich: Eine Pfeife und eine Tasche aus Bronze.

Die Bank mit Symbolen, die typisch sind für Otto Stich: Eine Pfeife und eine Tasche aus Bronze.

Aufsteiger, aber kein Karrierist

Bernhard Meister, Präsident der Bürgergemeinde, skizzierte das Zustandekommen des Platzes. Die Kleinplastik, die aus einer Pfeife und einem Pfeifentäschchen aus Bronze besteht, wurde als Auftragsarbeit der Firma Kunstbetrieb in Münchenstein angefertigt. Die Bürgergemeinde übernahm die Kosten. SP-Regierungsrat Peter Gomm betonte, die Erinnerungsstätte entspreche der Einfachheit des Geehrten. «Otto Stich war kein Freund langer Reden und von Pathos», sagte er. Der im September 2012 verstorbene Stich habe – wie die anderen fünf solothurnischen Bundesräte vor ihm – Fundamentales geschaffen, etwa die Einführung der Mehrwertsteuer. Er habe viel für die Region getan, obwohl er im Bundesrat keine lokalen Präferenzen habe zeigen dürfen.

Am emotionalsten wirkte die Rede von SP-Ständerat Roberto Zanetti. «Wenn einer im Alter so zufrieden mit sich und der Welt wirkt, ist das ungewöhnlich», sagte er. Stich sei eben kein Karrierist gewesen, sondern habe eine lebenslange Vision von einer gerechteren Gesellschaft gehabt. «Stich kümmerte sich nie um Beifall», so Zanetti. Diese Eigenschaften hätten ihm auch die Beliebtheit im Schweizer Volk eingetragen. «Er war berechenbar, verlässlich, stur – der schweizerischste Bundesrat, den man sich vorstellen kann.»

Am Rand des Geländes waren Plakate der durchaus kritischen Ausstellung «125 Jahre SP Solothurn» aufgestellt. Wer sie genau studierte, konnte feststellen, dass es um einen Beitrag zur Schweizer Geschichte ging und nicht um Wahlkampf. Dass Martin Schaffner, der Organisator der Ausstellung, diese ausserplanmässig kommentierte, wurde von einigen Anwesenden mit Unmut quittiert. Sie missdeuteten den Hinweis als Wahlpropaganda.

Christian Schlatter, Gemeindepräsident von Dornach, erinnerte sich persönlich an seinen Nachbarn Otto Stich. Er sei als Stiftungsratspräsident des Forschungsinstituts für biologischen Landbau auch ein Mann der Natur gewesen. Danach wurde das rote Band durchschnitten und die Kleinplastik sowie ein Wegweiser mit der Inschrift «Otto Stich-Platz» enthüllt. Die Magdalenenzunft Dornach und vier Vereine entrichteten den Fahnengruss.

Skulptur entspricht ihm

Zwischen dem Tod des alt Bundesrats und der Einweihung seines Platzes liegen fast drei Jahre. Die Summe von 130 000 Franken wurde vom Stimmvolk als zu hoch erachtet, sodass im Juni 2014 ein Kostendach von 85 000 Franken bewilligt wurde. Der Platz mit seiner alten Föhre und dem frisch gepflanzten Kirschbaum lädt zum Verweilen ein. Der ehemalige Kantonsrat Hansjörg Staub, der Stich gut kannte, kommentierte: «Die Skulptur könnte nicht treffender sein.» Auch Stichs Weggefährtin Ursula Ulrich-Vögtlin, alt Nationalrätin aus Olten, war begeistert: «Man sah Otto nie ohne diese Utensilien. Die Skulptur entspricht ihm vollkommen.»