Auf ein Kaffee mit...
Der Meister mit «eigener» Kegelbahn

Olivier Brodard aus Derendingen ist Schweizer Meister im Kegeln in der Kategorie B. Wir haben uns mit ihm auf einen Kaffee getroffen.

Urs Byland
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Olivier Brodard kann seine Schale «daheim» im Restaurant Saalbau Bad geniessen.

Olivier Brodard kann seine Schale «daheim» im Restaurant Saalbau Bad geniessen.

Etwas bevorteilt ist Olivier Brodard schon. Fürs Training muss er nur die Treppe runtersteigen. Im Keller, im «Saalbau Bad», finden sich zwei Kegelbahnen. Dort spielen normalerweise
KK Wild und KK Sultex. KK steht nicht für königlich-kaiserlich, sondern ebenso traditionsbewusst für Kegel-Klub. Olivier Brodard ist Mitglied des KK Sultex.

Der Name verrät die Herkunft des Klubs aus dem Firmensport. Die Arbeiterschaft des Textilmaschinen-Herstellers Sultex, die ehemalige Sulzer Textil, gründete Brodards heutigen Kegel-Klub. Jetzt ist Olivier Brodard seit drei Jahren Pächter im Restaurant Saalbau Bad. «Zum Ausgleich», steige er zwischendurch, beispielsweise in seinen Koch-Pausen, in den Keller und übe.

«Das gibt es ab und zu.» Das Training auf der Heimbahn hat sich gelohnt. Olivier Brodard ist Schweizer Meister im Kegeln geworden. Im bernischen Heimberg obsiegte er gegen 800 Mitkegler.

Das muss natürlich sofort relativiert werden, denn den Titel holte er in der Kategorie B. In drei Kategorien A, B und C wird um den Sieg gekämpft. Die Kategorien sind nicht etwa Alterskategorien, sondern Stärkeklassen. Brodard holte sich also quasi in der Nationalliga B den Titel.

Einen Vergleich liefert der gelernte Koch, Konditor und Confiseur, der vor seinem Engagement im Sporting Derendingen wirtete, gleich nach. «Ich habe mit meinen 100 Würfen total 796 Kegeln geholzt und damit einen Schnitt von 7,96 erreicht. Der Sieger der Kategorie A erreichte 8,2.

Im A wäre ich unter den ersten 30 gelandet.» Die besten etwa zehn Kegler in der regionalen Jahresmeisterschaft können aufsteigen. Andere steigen ab. Mit ihm werden in der Region etwa sechs Kegler in die Kategorie A aufsteigen.

Zwei Löcher und ein Schlitz

Dazu brauchts etwas Theorie: Im Kegeln werden neun Figuren aufgestellt, im amerikanischen Bowling deren zehn. «Im Bowling wird mehr mit Kraft und Geschwindigkeit geworfen.» Man spürt, dass Brodard dies weniger behagt. «Das Kegeln ist feiner. Ich mache nur einen Ausfallschritt und werfe die Kugel nicht so kraftvoll, das würde einzig die Kegel kaputtmachen oder die Mechanik.»

Die Kegeln werden mit Seilzügen wieder aufgestellt. Beim Bowling werden andere Techniken angewandt. Die Bowlingkugel hat drei Löcher für die Finger, die Kugel der Kegler weist zwei Löcher sowie einen grossen Schlitz auf, was ihr zu einer stärkeren Kurvenbahn verhilft.

«Kegeln ist der ideale Ausgleich zur Arbeit in der Küche.» Die Leidenschaft fürs Kegeln pflegt Brodard seit seiner Kochlehre, denn in seinem Lehrbetrieb im Restaurant Neuhaus in Riedholz gabs eine Kegelbahn.

Danach arbeitete er in Betrieben ohne Kegelbahn. Die Leidenschaft entflammte neu, als er vor drei Jahren den «Saalbau» pachtete. Aber gerade die Kegelbahn im Saalbau-Keller wird unter den Kegelfreundinnen und -freunden «verflucht».

«Wir hatten einmal einen Wasserunfall. Mit der Reparatur ist die linke Bahn an deren Ende nicht mehr im Lot. Wer anfangs zu stark nach links wirft, dem geht die Kugel verloren.» Deshalb müsse man die Bahn genau kegeln, um ein Resultat zu erzielen.

Der Titeljäger

Der Titel im Kegeln ist nicht Brodards erster. Mit Grenchen wurde er viermal Schweizer Meister im Strassenhockey und war dort auch zwölf Jahre lang Spielertrainer. Trainer war er auch in der anderen Hochburg des Strassenhockeys, in Bettlach. Er wurde gar der erste Nationaltrainer in dieser Randsportart.

«Ich bin nach wie vor im Strassenhockey engagiert. Ich mache das einfach gerne.» Brodard, der zudem mit seiner Frau Melitta einen Partyservice betreibt, schöpft den Ertrag nicht im Pekuniären. «Ich verdiente nicht so viel wie der Fussball-Natitrainer», sagt er und schmunzelt. Aber einen Trainingsanzug mit Schweizer Kreuz durfte er sein eigen nennen.

Wenig Glanz

Die Treppe hinunter zu den Kegelbahnen führt in eine andere Welt. Dort wurden früher unzählige Stumpen geraucht und Biere getrunken. Die Pokale in den Vitrinen zeugen von vielen Erfolgen. An den Wänden hängen Fotos der Erfolgreichen, immer eingerahmt von zwei Ehrendamen. Eine Ehre, die auch Brodard widerfuhr.

Die Stumpen sind Vergangenheit, aber die Enge der Kegelbahn lässt sich nicht wegleugnen. Da ist wenig vom Glanz einer Bowlinghalle zu sehen, wohin es heute die Jungen zieht. Die Kegel-Klubs sind überaltert. Kegelbahnen werden aufgegeben.

Olivier Brodard war immer der Jüngste und ist noch immer fast der jüngste Kegler schweizweit (!) in seiner Kategorie. «Dabei wäre es ein toller und günstiger Sport für die Jugendlichen. Es braucht kein grosses Equipment und wenig Trainings.»

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