Jagdgesellschaft Balmflue

Der Luchs ist diese Saison erfolgreicher als die Jäger

Bewegt sich da etwas am Waldrand? Es ist doch nur ein Treiber mit seinem Hund.

Bewegt sich da etwas am Waldrand? Es ist doch nur ein Treiber mit seinem Hund.

Unterwegs mit der Jagdgesellschaft Balmflue - die Konkurrenz der Jäger kommt oft auf vier Pfoten: Wenn der Luchs Rehe reisst, bleiben weniger Tiere für die Jagdgesellschaft.

Das aufgeregte Bellen kommt näher. Darauf hat Walter Frei zwei Stunden gewartet. Jetzt wirds spannend. Da bewegt sich etwas im Gebüsch – aber es ist nur einer der Hunde, die im Wald oberhalb Günsberg das Wild aus seinen Verstecken treiben sollen. Dann wird das Gebell schon wieder leiser.

Das war er also, dieser kurze Moment der erwartungsvollen Anspannung, der den Höhepunkt des vierstündigen Wartens bildete. «Es gibt keine Garantie dafür, dass man ein Tier zu sehen bekommt», sagt Walter Frei, der Präsident der Jagdgesellschaft Balmflue, der 11 Jäger angehören. «Meistens wartet man vergebens. Das gehört zur Jagd.»

Die Hunde tragen knallig orange leuchtende Halsbänder und die Jäger ebensolche Jacken, damit man sie von weitem sieht und keiner schiesst, wenn sie sich einer im Hintergrund befindet. Aber warnt diese Signalfarbe nicht die Rehe? «Nein, die sind fast farbenblind und sehen das Orange in einem ähnlichen Grauton wie die grünen Blätter», erklärt der erfahrene Jäger. «Blau ist dagegen schlecht, das fällt den Rehen sofort auf.»

Dann ein Knall. Einer hatte also mehr Glück als der Chef. Das Hornsignal teilt den anderen Jägern mit: Es war ein Fuchs. Wenn nur ein einziger Schuss fällt, ist das meistens ein gutes Zeichen, denn dann ist das Tier rasch erlegt worden.

«Die Jagd mit den Hunden ist effizienter als die Einzeljagd. So beunruhigen wir die Tiere in diesem Gebiet nur einmal, und dann haben sie wieder Ruhe vor uns», erklärt Jagdleiter Christoph Schmidhauser das Spektakel im Wald.

Der Jagdhund singt mit...

Der Jagdhund singt mit...

...wenn Christoph Schmidhauser (vorne) auf dem Horn zur Jagd bläst.

...wenn Christoph Schmidhauser (vorne) auf dem Horn zur Jagd bläst.

Wie viele Rehe es im Jagdgebiet der Jagdgesellschaft Balmflue gibt, das von der Röti bis zur Solothurner Kantonsgrenze auf der Schmiedenmatt geht, weiss auch Schmidhauser nicht so genau. In den Wäldern oberhalb Günsberg schätzt er die Zahl auf etwa 25. «Sechs davon dürfen wir schiessen, damit der Bestand im Gleichgewicht bleibt», erklärt er.

So weit kam es aber diesmal nicht. Der Luchs war in letzter Zeit sogar erfolgreicher. Vor kurzem hat einer im Wald bei Riedholz ein Reh gerissen. Da bleiben weniger Tiere für die Jäger. «Wir sind Naturmenschen und müssen das akzeptieren», meint Jagdleiter Schmidhauser zum streng geschützten Konkurrenten auf vier Pfoten.

«Für das Schwarzwild wäre die Kugel, für Rehe oder Füchse der Schrot», erklärt Frei seine dreiläufige Flinte. Mit Schwarzwild bezeichnet der Jäger die Wildschweine, und die Augen des Jägers glänzen: «Sie sind schlau und schwer zu erlegen. Es heisst, dass man im Durchschnitt 60 bis 70 Stunden ansitzen muss, bis man ein Wildschwein erlegt. Dafür schmecken sie auch am besten.»

Aber heute muss Frei seine Flinte wieder entladen, ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Der wahre Glückspilz an diesem Tag war einer der Treiber: «Ich habe acht Rehe und einen Fuchs gesehen», rapportiert er dem Jagdleiter.

«Ich schiesse nicht immer, nur weil die Gelegenheit gut ist», erklärt Frei. «Es kommt vor, dass ich einen schönen Bock vor mir sehe und ihn leben lasse, damit er sich vererben kann.» Im letzten Winter seien bei ihm in einer Vollmondnacht drei Füchse vorbeigekommen. «Die Stimmung war so schön, dass ich nicht schiessen wollte.»

Die eigentliche Jagd mache sowieso nur etwa fünf Prozent der Arbeit, erklärt Walter Frei. «Wir platzieren Salzlecken, während der Erntezeit machen wir die Rehkitzrettung, wir pflegen die Waldränder, wir holen den Zivilisationsmüll heraus. Und auch wenn ein Reh angefahren wird, dann ruft man uns. Wir Jäger stehen der Obrigkeit 24 Stunden pro Tag zur Verfügung und müssen sogar noch dafür zahlen.»

Warum überlässt man dann die Natur nicht sich selber? «Zu viele Rehe können dem Wald schaden, weil sie die Jungtriebe fressen. Das Schwarzwild kann ganze Maisfelder vernichten. Dann werden wir Jäger sogar für den Schaden haftbar gemacht. So lange es zu wenige natürliche Feinde hat, macht es Sinn, wenn das Wild bejagt wird.»

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