Corona-Lockdown

Der Kanton Solothurn hat Richtlinien für den Fernunterricht erarbeitet

Die Volksschule braucht Regeln für den Fernunterricht. (Archiv)

Die Volksschule braucht Regeln für den Fernunterricht. (Archiv)

Seit einigen Tagen lernen Kinder und Jugendliche im Kanton Solothurn daheim. Damit die Kinder im Kanton nicht allzu unterschiedlich lernen, hat der Kanton Richtlinien für den Fernunterricht erarbeitet.

Am 13. März um 16.00 schickte Mathias Stricker, der Präsident des Verbandes Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO), seine 5.-Klässlerinnen und 5.-Klässler nach Hause. Er ahnte bereits, dass er sie so schnell nicht mehr wiedersehen würde. Schuld daran ist das Coronavirus: Um die Ansteckungskurve möglichst flach zu halten, wurden sämtliche Schulen geschlossen.

Voraussichtlich sollen die Schülerinnen und Schüler nach den Frühlingsferien wieder in den Schulzimmern unterrichtet werden, aber bis dahin sind die Lehrer gefordert: Sie versuchen per Fernunterricht, ihren Schulkindern Wissen zu vermitteln.

An einer Medienkonferenz am Freitagvormittag zog der Kanton eine Zwischenbilanz dazu, wie der Fernunterricht im Kanton auf den verschiedenen Stufen angelaufen ist. Bildungsdirektor Remo Ankli zeigte sich zufrieden. «Die Schulen leisten ausserordentlich gute Arbeit», so Ankli. «Alle Beteiligten ziehen am gleichen Strick, und wollen das Beste für die Schülerinnen und Schüler.»

Bildungsdirektor Remo Ankli: «Ich bin stolz, dass die Heimschulung so innovativ und kreativ umgesetzt wurde»

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Der Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli spricht im Interview über die Einführung der Heimschulung und was in dieser Situation für die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrer am wichtigsten ist.

Kreative Lösungen und Hilfe in Krisensituationen

Wie sehr sich die Lehrpersonen für ihre Schülerinnen und Schüler einsetzen, sehen Mathias Stricker, Präsident des LSO, und Adrian van der Floe, Präsident der Solothurner Schulleiter, täglich. «Die Schulleitungen mussten die Lehrpersonen teilweise fast bremsen», sagte van der Floe an der Medienkonferenz. Die grösste Herausforderung für die Lehrpersonen sei es zu Beginn gewesen, ihren Schulklassen Zugang zu den Unterrichtsunterlagen zu verschaffen.

Der Zugang funktioniert heute analog, indem sie die Unterlagen per Post erhalten oder abholen, oder digital, indem die Lehrpersonen das Material auf verschiedenen Plattformen zu Verfügung stellen. Vor allem in den höheren Klassen wird hauptsächlich digital gearbeitet. «Es gibt im Moment sehr viele Plattformen, für die Lehrpersonen ist es eine Herausforderung, die besten davon herauszufiltern», erklärte Mathias Stricker.

Mittlerweile haben sich die Schulen aber für eine Strategie entschieden, spätestens seit Anfang dieser Woche lernen die Kinder und Jugendlichen daheim. «Die Schüler arbeiten mit Arbeitsdossiers und Wochenplänen», so Stricker. «Sie üben, festigen und vertiefen den Schulstoff.»

Damit zwischen den einzelnen Klassen im Kanton keine zu grossen Unterschiede entstehen, hat das Volksschulamt Richtlinien für den Fernunterricht ausgearbeitet. Darin enthalten sind etwa Musterlektionstafeln für die verschiedenen Schulstufen. Die Richtlinien sollen für Lehrpersonen, Schulleitungen und Eltern als Orientierungshilfe dienen und sind seit Freitag in Kraft.

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Obwohl die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich dazu in der Lage sein sollten, den Schulstoff selber zu bewältigen, sind auch die Eltern gefordert. Sie müssen darauf achtgeben, dass die Schüler ihre Aufgaben auch tatsächlich erledigen. Das könnte in einigen Familien zu Problemen führen, befürchtet der Kanton.

Für Familien, die mit der aktuellen Situation überfordert sind, steht deshalb der Schulpsychologische Dienst des Kantons zu Verfügung. Dort können sich Familien bei Fragen zu Tagesstrukturen, zu Freizeitgestaltung und zu Lernen daheim beraten lassen.

Trotz all dieser Bemühungen ist aber klar: Die Schulbildung einiger Kinder und Jugendlicher wird unter dem aktuellen System leiden. Vor allem dann, wenn sie aus bildungsfernen Familien stammen. Wie ihnen geholfen werden kann, ist momentan noch nicht klar, so Bildungsdirektor Remo Ankli. «Das Problem ist uns aber bewusst, und zu einem späteren Zeitpunkt werden wir dafür Lösungen finden»

Zeugnisse sollen termingerecht verteilt werden

Im Mittelschulbereich setzt die Schweizerische Mittelschulämterkonferenz (SMAK) alles daran, dass die Schülerinnen und Schüler der Abschlussjahrgänge ihre Maturazeugnisse termingerecht erhalten und sich fristgemäss an den Institutionen der Tertiärstufe einschreiben können.

Trotz Heimschulung wegen Coronavirus: «Alle, die im Abschlussjahr sind, sollen den Abschluss im Sommer auch erhalten»

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Stefan Ruchti, Vorsteher Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen, gibt Auskunft zur Lage mit der Heimschulung und wie es mit den Prüfungen/Abschlüssen steht. 

Berufsbildung und Qualifikationsverfahren

Im Berufsbildungswesen haben sich die Verbundpartner das Ziel gesetzt, dass alle Lernenden der beruflichen Grundbildung im Sommer 2020 die Möglichkeit eines Abschlusses haben, was die Berufsmaturitäten I und II miteinschliesst. Die Arbeiten für ein national abgestimmtes und auf die gegebenen Umstände angepasstes Verfahren laufen überall auf Hochtouren. Sobald die nationalen Empfehlungen vorliegen, werden alle Involvierten informiert.

Aufnahmeprüfungen Gym/FMS/BM

Die kantonalen Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium, die Fachmittelschule und die Berufsmaturität vom 16./17. März 2020 mussten verschoben werden. Sofern der Schulbetrieb am 20. April 2020 wieder in normaler Form aufgenommen werden kann, sind diese Prüfungen am Montag und Dienstag, 4./5. Mai 2020 geplant.

Weitere Alternativen sind in Prüfung.

Weitere informationen: https://corona.so.ch/bildung-kultur/

Autor

Rebekka Balzarini

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