Spezielle Förderung

Der Kanton soll Richtlinien definieren - die Schulen die Umsetzung

Die Spezielle Förderung setzt auf individualisierenden Unterricht. (Symbolbild)

Die Spezielle Förderung setzt auf individualisierenden Unterricht. (Symbolbild)

Im Kanton Solothurn gibt es mehrere Schulen, die schwächere Schülerinnen und Schüler unterstützen.Die spezielle Förderung befindet sich in einer «Versuchsphase» - die Gemeinden setzen sie noch unterschiedlich um. Bis 2018 soll das anders aussehen.

Die «Spezielle Förderung» – oder sagen wir besser, die integrative Schule – ist für viele ein Reizthema. Ganz besonders unter Politikern. Im Winter 2013 gingen im Kantonsrat die Wogen hoch. Eine Mehrheit des Parlaments hat die definitive Einführung der Speziellen Förderung per August 2014 abgelehnt. Stattdessen sollten weitere offene Fragen in einem – erneuten – Schulversuch, der bis Ende 2018 dauern wird, geklärt werden. Dann spätestens dürfte die politische Debatte erneut aufflammen. Zu den hartnäckigsten Kritikern der integrativen Schule gehören die kantonale SVP und mit Grenchen, Hägendorf sowie Wangen bei Olten auch drei Gemeinden, die für alle Schulstufen am separativen System festhalten.

Die meisten Solothurner Schulträger indes haben sich bereits auf den Weg der integrativen Schule begeben. Gestartet mit ersten Versuchsklassen ist der Kanton bereits vor zwölf Jahren. Einige Gemeinden haben auf der Primarstufe den Wechsel zur Speziellen Förderung vollzogen, nicht aber auf der Sekundarstufe I. Eine Sek K (Kleinklasse) führen weiterhin Grenchen, Wangen bei Olten, Dulliken sowie die Kreisschulen Mittelgösgen, unteres Niederamt, Thal und Untergäu. Andere Schulträger haben ihre Kleinklassen auslaufen lassen – und unterrichten ab August 2015 nur noch integrativ. Dies trifft für die Primarstufe in Bettlach zu; keine Sek K mehr führen ab August Olten, Trimbach sowie die Kreisschulen Biberist/Lohn-Ammannsegg, Gerlafingen/Obergerlafingen/Recherswil sowie die Kreisschule Thierstein West.

Grosser Gestaltungsfreiraum

Dass die grosse Mehrheit der Gemeinden mittlerweile auch in der Oberstufe auf Kleinklassen verzichtet, wertet der Chef im Volksschulamt (VSA), Andreas Walter, als Erfolg. Die Sek K wird im aktuellen Schulversuch dabei explizit als Alternative zur Integration genannt. Trotz grosser Leistungsunterschiede in der Sek B sehen viele Schulträger das Heil offenbar nicht in der Separation. Den Schulen stehen, so Walter, andere Möglichkeiten zur Verfügung. Sie können etwa – innerhalb der gesetzten Bandbreiten für die ganze Schule – die Klassengrössen variieren. «Zudem haben die Schulen alle Freiheiten, wie sie die ihnen zustehenden Förderlektionen einsetzen möchten», unterstreicht der VSA-Chef. Die Situation stelle sich in den einzelnen Gemeinden und Schulen immer wieder anders dar. Daher räume der neue Schulversuch den Gemeinden diverse Gestaltungsmöglichkeiten ein. Auf der Primar- genauso wie auf der Sekundarstufe I.

Um grössere Lerndefizite auszugleichen, steht es den Schulen etwa frei, die betreffenden Schüler ausserhalb der Regelklasse während einzelner Lektionen gezielt zu fördern. Bei Bedarf – und zeitlich befristet – kann sogar eine eigentliche Förderklasse eingerichtet werden. Unterschiedliche Alternativen im Rahmen der Speziellen Förderung haben die Schulen auch für ihre Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten. Im eher niederschwelligen Bereich können sie «Schulinseln» schaffen, die von einer Lektion pro Woche bis zu maximal zwölf Wochen dauern (Vollzeit). Ein hochschwelliges Angebot für Schüler ab der 3. Primarklasse stellen die Regionalen Kleinklassen dar, von denen es dereinst maximal zehn geben soll, verteilt über den ganzen Kanton. Derzeit besteht je eine solche Klasse in Olten, Dornach sowie Herbetswil – und im Februar wird auch eine für den Raum Solothurn/Grenchen eingerichtet.

Noch werden diese unterstützenden Instrumente eher zurückhaltend genutzt, beobachtet Andreas Walter. Aus diesem Grund sei es auch zu früh, erste Schlussfolgerungen zu ziehen, wie sich diese Gefässe im Alltag bewähren. Der Volksschulamts-Chef führt dies unter anderem darauf zurück, dass viele Schulträger den Umgang mit der neuen Freiheit erst erlernen müssen. «Wir müssen den Schulen Zeit lassen, die Möglichkeiten kennen zu lernen.»

Die neuen Freiheiten bedeuten für die Gemeinden und die Schulleitungen eine grössere Verantwortung. Ganz generell verlange die Spezielle Förderung der strategischen und der operativen Führung einiges ab, unterstreicht Andreas Walter. «Der Kanton definiert die Rahmenbedingungen und die Schulen bestimmen, wie die Spezielle Förderung umgesetzt werden soll.» Dies sei eine der zentralen Erkenntnisse aus dem Schulversuch 2011 bis 2014 – und eine entscheidende Bedingung für das Gelingen der integrativen Schule. In Zusammenarbeit mit dem Lehrerteam gelte es nun, so Walter, konkrete Umsetzungshilfen zu erarbeiten. «Es muss zum Beispiel für alle Beteiligten verständlich sein, wie die Ressourcen verteilt werden.» Zu klären sei etwa auch die Zusammenarbeit von Klassenlehrpersonen und Förderlehrkräften.

«Optimierungsbedarf» erkannt

«Bei solchen Umsetzungsfragen sind die Schulen unterschiedlich weit», beobachtet Andreas Walter. Auch die Verantwortlichen des Verbands der Solothurner Einwohnergemeinden (VSEG) werden den Gemeinden demnächst ein Schreiben zukommen lassen, in welchem diese an ihre Führungsverantwortung erinnert werden. Und der Verband der Solothurner Schulleiterinnen und Schulleiter (VSL SO) plant für den Herbst gar einen Workshop, an dem Schulen mit Beispielcharakter ihre Umsetzungskonzepte präsentieren.

«Wir hören wenig vonseiten der Schulen», sagt Andreas Walter – und wertet dies als grundsätzliche Unterstützung. Ein wichtiger Grund dafür sei die Zusammenarbeit des Volksschulamtes mit den Gemeinden, den Schulleitern und auch dem Verband der Solothurner Lehrerinnen und Lehrer (LSO). Der LSO etwa hat auf der Grundlage einer Umfrage «Forderungen zur Optimierung der Speziellen Förderung» formuliert. Die meisten kritisierten Punkte stossen dabei beim VSA auf Zustimmung. «Wir haben bereits an mehreren Sitzungen mit den Vertretern der Verbände Lösungsvorschläge diskutiert.» Für das Jahr 2017 stellt Walter eine Bilanz in Aussicht – als Grundlage für die Diskussion um die definitive Einführung.

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