Solothurn
Der Kanton bietet neu eine Teilzeit-Lehre für Alleinerziehende an

Der Kanton will in einem Pilotprojekt testen, was auch in der Wirtschaft zur Armutsbekämpfung Schule machen soll.

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Bei Alleinerziehenden reicht das Geld häufig nicht für das Notwendigste. Sie müssen in Armut leben. (Symbolbild)

Bei Alleinerziehenden reicht das Geld häufig nicht für das Notwendigste. Sie müssen in Armut leben. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Eine Berufslehre im Teilzeitpensum? Geht denn das? Antworten auf genau diese Frage verspricht sich der Kanton Solothurn aus einem Pilotprojekt, das sich speziell an alleinerziehende Mütter oder Väter richtet: eine Lehrstelle als Kauffrau/Kaufmann EFZ oder Büroassistentin/Büroassistent EBA in einem Teilzeitpensum. Die Lehre kann ab August 2021 beim Amt für soziale Sicherheit absolviert werden.

Dass eine Vollzeitlehre für Alleinerziehende oftmals nicht möglich ist, weil Erziehungs-, Betreuungs- und Haushaltaufgaben mit der Belastung einer Berufsausbildung kaum zu vereinbaren sind, ist eine Binsenwahrheit. Und die Konsequenzen daraus sind oft genug Bildungsmangel, Arbeitslosigkeit und nicht zuletzt Armut. «Probleme, die häufig von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Betroffen sind meist junge Erwachsene», so die Erkenntnis sozialer Institutionen.

Verschiedenste Studien und Erfahrungen würden zeigen, dass «Alleinerziehende am häufigsten von Armut betroffen sind», erklärt Anne Birk dazu. In diesem Sinne sei das Projekt Teil des politischen Auftrags zur Armutsbekämpfung, so die Abteilungsleiterin Sozialleistungen und Existenzsicherung im Amt für Soziale Sicherheit (ASO).

Mit einer Lehre in Teilzeit, die speziell auf die Bedürfnisse von Alleinerziehenden ausgerichtet ist, will das Departement des Innern (DdI) in Zusammenarbeit mit dem Departement für Bildung und Kultur (DBK) Alleinerziehende fördern und mit gutem Beispiel vorangehen.

«Wir wollen das Konzept zuerst selber testen und Erfahrungen sammeln, bevor wir an die Wirtschaft herantreten und es auch ihnen zur Nachahmung empfehlen», so Birk. Ganz neu sei die Idee aber nicht, würden doch auch schon andere Kantone – darunter Zürich – ähnliche Angebote kennen.

Zusätzliche externe Beratung und Begleitung

Zur bestmöglichen Unterstützung der Alleinerziehenden sieht das Konzept vor, dass sie neben dem Lehrbetrieb und der Berufsfachschule zusätzlich von einem professionellen externen Coaching begleitet werden. «Der Fokus des Coachings liegt auf der Vereinbarkeit von Familie und Berufsausbildung», heisst es in den Unterlagen. Während der Lehrbetrieb und die Berufsschule für die Ausbildungsfragen zuständig seien, begleite das Coaching «zusätzlich bei ausserschulischen und ausserbetrieblichen Fragen, die sich aufgrund der Lebenssituation von Alleinerziehenden ergeben».

Die Lehre als Kauffrau/Kaufmann oder Büroassistentin/Büroassistent für Alleinerziehende in einem Teilzeitpensum ist ähnlich aufgebaut wie die entsprechende Vollzeitlehre. Sie kann in einem 60-Prozent- oder 80-Prozent-Pensum mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder mit einem eidgenössischen Berufsattest (EBA) abgeschlossen werden. Beim 80-Prozent-Pensum wird die betriebliche Ausbildung um einen Tag pro Woche verkürzt, während beim 60-Prozent-Pensum die betriebliche Ausbildung um zwei Tage pro Woche verringert wird.

Die Berufsfachschule und die überbetrieblichen Kurse sind obligatorisch und werden in der dafür vorgesehenen Zeitspanne besucht. Wird die Lehre in einem 80-Prozent-Pensum absolviert, bleibt die Ausbildungsdauer von zwei (EBA) respektive drei Jahren (EFZ) dieselbe. In einem 60-Prozent-Pensum verlängert sich die betriebliche Ausbildung um ein Jahr. (ums.)

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