Gastkolumne

Der Freihandel bringt Wohlstand für alle

Betrachtet man die EU nicht als Land, ist die Schweiz vor Norwegen und Island das Land mit den meisten Freihandelsabkommen überhaupt.

Betrachtet man die EU nicht als Land, ist die Schweiz vor Norwegen und Island das Land mit den meisten Freihandelsabkommen überhaupt.

Gastkolumne von Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer.

Gemäss der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich ist die Schweiz vor Holland und Belgien das am stärksten globalisierte Land der Welt. Unsere Unternehmen behaupten sich mit innovativen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich auf dem Weltmarkt.

Angetrieben wird die hiesige Wirtschaft vor allem durch den Freihandel. Die Schweiz verfügt über ein weltweites Netz von 31 Freihandelsabkommen und deckt damit 60 Prozent des Weltmarktes ab. Darin eingeschlossen sind die Europäische Freihandelsassoziation Efta und das Freihandelsabkommen mit der EU.

Betrachtet man die EU nicht als Land, ist die Schweiz vor Norwegen und Island das Land mit den meisten Freihandelsabkommen überhaupt.

Die Freihandelsabkommen sind ein wichtiges Instrument zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft. Mit ihnen soll den Schweizer Unternehmen gegenüber ihren Konkurrenten im Ausland ein möglichst stabiler, hindernis- und diskriminierungsfreier Zugang zu wichtigen internationalen Märkten verschafft werden.

Der Freihandel erhöht den Wettbewerb und spornt unsere Unternehmen und deren Mitarbeitende zu Höchstleistungen an. Für die Bevölkerung führt der Handel zu einem grösseren Angebot an Produkten und Dienstleistungen, tieferen Preisen und einer steigenden Zahl von Arbeitsplätzen. Am meisten vom internationalen Handel profitieren die einkommensschwachen Haushalte, da sie vergleichsweise zu einem grösseren Teil gehandelte Güter konsumieren.

Der Beitrag des internationalen Handels an die Wirtschaftsleistung der Schweiz ist eindrücklich. Im Jahr 2018 wurden wertmässig rund zwei Drittel aller in der Schweiz produzierten Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkauft. Selbst unter Berücksichtigung der importierten Wertschöpfung tragen die Ausfuhren immer noch 40 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei.

Der Handel stärkt jedoch nicht nur die Unternehmen im Exportsektor. Damit die exportierenden Firmen auf dem Weltmarkt bestehen können, sind sie auf inländische Zulieferer und Gewerbebetriebe auf Weltklasseniveau angewiesen. Durch die Digitalisierung können unsere KMU künftig vom Freihandel sogar noch mehr profitieren, indem sie ihre Produkte und Dienstleistungen auf elektronischen Plattformen auch ohne aufwendige und teure physische Präsenzen grenzüberschreitend verkaufen können.

Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, müssen wir weiter daran arbeiten, die bestehenden internationalen Verflechtungen zu halten und zu erweitern sowie neue Marktzugänge zu schaffen. Dazu gehört in erster Linie die Festigung der bilateralen Beziehung zu unserer mit Abstand wichtigsten Handelspartnerin, der Europäischen Union.

Bereits im Sommer 2019 einigte sich die Schweiz als Mitglied der Efta auf ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay, einem Markt mit 260 Millionen Menschen. Auf der Traktandenliste steht zudem ein Freihandelsabkommen mit den USA. Mit einem Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika könnte die Schweiz ihre weltweite Abdeckung mit einem Schlag um 15 Prozent steigern.

Im Jahr 2020 stehen zahlreiche protektionistische Abstimmungen bevor. Für den Wohlstand der Schweiz sind gute internationale Beziehungen und neue Freihandelsabkommen unverzichtbar. Ich wünsche mir, dass wir zum Wohle aller Menschen in unserem Land auch künftig ein wirtschaftlich offenes und weltweit bestens vernetztes Land bleiben.

Der Autor ist Direktor der Solothurner Handelskammer.

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