Olten/Hägendorf

Der Apotheker Thong Vo darf den Schnelltest durchführen — doch wie läuft dieser genau ab?

Schutzkleidung gehört neu zum Alltag von Thong Vo.

Schutzkleidung gehört neu zum Alltag von Thong Vo.

Seit rund einer Woche darf Apotheker Thong Vo Personen mit einem Schnelltest auf Covid-19 testen.

Wer sich im Kanton Solothurn auf Covid-19 testen lassen will, muss nicht mehr unbedingt zum Arzt oder ins Spital fahren. Auch Apotheken dürfen seit dem 9. November Antigen-Schnelltests durchführen.

Auf seiner Webseite hat der Kanton bisher vier Apotheken aufgelistet, in denen man sich mit einem Schnelltest testen lassen kann. Diese werden für Personen empfohlen, die keiner Risikogruppe angehören, nicht im Gesundheitswesen tätig sind und seit weniger als vier Tagen unter Symptomen leiden.

Rund 50 Personen haben sich in den beiden Apotheken von Thong Vo in Olten und Hägendorf in der vergangenen Woche auf Covid-19 testen lassen. Fünf der Tests seien positiv gewesen, berichtet Vo in seinem Büro in einem Hinterzimmer seiner Filiale in Hägendorf.

Ein Blick in Vos Terminkalender zeigt, wie gefragt das Angebot ist: Von 10.30 bis 16.00 waren am Montag alle Test-Termine in seiner Apotheke ausgebucht. Testen ist in den Apotheken nur auf Voranmeldung möglich.

Massnahmen einhalten und Angst nehmen

Sich auf Covid-19 testen zu lassen, ist kein angenehmes Erlebnis. Das weiss jeder, der die Prozedur einmal über sich ergehen lassen musste. Im Zimmer in Hägendorf liegt deshalb eine Karte parat, auf der die Anatomie der Nase aufgezeichnet ist.

«Viele Leute haben wirklich Angst vor dem Test», erzählt Vo, der extra eine vom Kanton organisierte Ausbildung absolviert hat, um Schnelltests durchführen zu dürfen. «Deshalb will ich ihnen zeigen, wo wir mit dem Stäbchen in der Nase hinfahren».

In Vos Apotheken führen vorerst nur er und ein weiterer Apotheker die Schnelltests durch. Zwar haben auch Pharmaassistentinnen die Ausbildung absolviert, momentan schauen sie den beiden Apothekern aber nur bei der Arbeit über die Schulter.

Neben Fingerspitzengefühl braucht es in den Apotheken auch Schutzkonzepte, damit das Personal und die anderen Kundinnen und Kunden sich nicht plötzlich ebenfalls anstecken. Vor dem Eingang der Apotheke stehen deshalb ein Schild und ein Wegweiser, die auf den Hintereingang verweisen.

Dort werden die Personen mit Symptomen von Vo, der für das Testen Schutzkleidung trägt, abgeholt und in ein kleines Zimmer geführt. Bis der Test vorbei ist und die Getesteten wieder auf dem Parkplatz stehen, dauert es nur rund drei Minuten, erzählt Vo. «Das ist kein böser Wille, aber wir wollen Personen, die vielleicht krank sind, wirklich nur so kurz wie möglich bei uns haben», so der Apotheker.

Vom Test bis zum Resultat dauert es 15 Minuten.

Vom Test bis zum Resultat dauert es 15 Minuten.

Entsprechend mehr Zeit investiere man in die Vor- und Nachbetreuung der Kunden: «Wenn wir einen Termin vereinbart haben, dann bestätigen wir diesen schriftlich und schicken den Betroffenen auch gleich noch Informationsmaterial des BAG mit», so Vo.

Nach dem Test fotografiert Vo das Testresultat gemeinsam mit dem unterschriebenen Anmeldeformular für den Test, auf dem auch der genaue Testzeitpunkt festgehalten ist. Das Bild schickt er den Getesteten per SMS zu.

Ist ein Test positiv, übermittelt Vo die Daten an das BAG und weist die betroffene Person an, sich in Isolation zu begeben. Danach übernimmt das Contact Tracing Team des Kantons die weitere Arbeit. In seiner SMS weist Vo die Betroffenen aber darauf hin, dass sie sich bei Fragen auch an ihn wenden dürfen. «Wir wollen niemanden mit seinen Fragen alleine lassen, das wäre für viele wirklich schlimm», betont Vo. «Das machen wir einfach nicht.»

Die Testerei in seiner Apotheke sei schon eine Mehrbelastung, erzählt er abschliessend. Als er vom Apothekerverein des Kantons Solothurn AVSO als möglicher Standort für Schnelltests angefragt worden war, sei für ihn aber trotzdem schnell klar gewesen, dass er bei sich Schnelltests durchführen möchte.

«Ich bin froh, wenn ich in der aktuellen Situation einen Beitrag leisten kann», erklärt er. Dass Apotheken für Schnelltests weniger gut geeignet seien als Arztpraxen verneint er. «Es gibt auch Apotheken, die impfen dürfen und dafür vom Kantonsapotheker extra überprüft wurden. Wieso sollten wir keine Schnelltests durchführen dürfen?», fragt er rhetorisch. «Ich finde eher, dass die Apotheken einen niederschwelliges Angebot sind, und Arztpraxen und Spitäler gut ergänzen.»

Autor

Rebekka Balzarini

Meistgesehen

Artboard 1