Häusliche Gewalt

Das Frauenhaus Aargau-Solothurn soll sparen: «Wir laufen recht am Limit»

Die Tagespauschale für Kinder im Frauenhaus wurde erhöht, diejenige für Frauen reduziert.

Die Tagespauschale für Kinder im Frauenhaus wurde erhöht, diejenige für Frauen reduziert.

Der Regierungsrat erhöht die Tagespauschalen des Kantons Solothurn an das Frauenhaus Aargau Solothurn für das Jahr 2020. Gleichzeitig fordert er Sparmassnahmen von der Stiftung. Diese ist mässig zufrieden.

Das Frauenhaus Aargau-Solothurn kämpft. Darüber wurde dieses Jahr mehrfach berichtet. Die Institution, welche Frauen und Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, aufnimmt, hadert konkret mit den Finanzen. Auch sonst hat sie turbulente Jahre hinter sich – nach dem Rekorddefizit von 724 673 Franken im Jahr 2017 wurde 2019 der Stiftungsrat neu aufgestellt.

Jetzt soll das Frauenhaus zeigen, dass es nach dieser Vergangenheit auch in Zukunft bestehen kann. Mit den bisherigen Tagespauschalen funktioniere dies aber nicht, gab die Stiftung dieses Jahr bekannt. Auch im letzten Jahr verzeichnete man noch ein Minus – immerhin von «nur» noch 150 002 Franken. Der Solothurner Regierungsrat hat nach dem Kanton Aargau deshalb beschlossen, die Tagespauschalen – das heisst die Beiträge des Kantons ans Frauenhaus – zu erhöhen.

Bisher wurden pro Tag 307 Franken für Frauen und 146 Franken pro Kind und Tag bezahlt. Nun gibt es eine einheitliche Tagespauschale von 290 Franken; dieselbe wie vom Kanton Aargau. Beide Kantone haben zudem die Leistungsvereinbarung mit der Stiftung befristet verlängert – bis Ende 2020.

Sparen in der Verwaltung und bei Liegenschaften

Die Stiftung erhält also etwas mehr Zeit, sich zu beweisen, nachdem die Kantone die Gnadenfrist bereits mehrmals verlängert haben. Und höhere Beiträge. Über die Erhöhung der Pauschalen sei man natürlich grundsätzlich froh, sagt Stiftungspräsidentin Janine Sommer auf Anfrage. «Ein kostendeckender Betrieb wird aber auch damit nicht möglich sein. Wir nehmen die Anpassungen aber nun einmal entgegen und schauen, wie wir damit zurechtkommen.»

Sommer sagt, die Subjektfinanzierung – diesem Prinzip entspricht die tägliche Pauschale pro aufgenommener Person – sei ohnehin schwierig: «So gesehen kann das Frauenhaus nur bestehen, wenn es eine ausreichende Anzahl Opfer gibt, die aufgenommen werden und über die Tagespauschale abgerechnet werden. Das ist aus unserer Sicht ein falscher Anreiz. Aber ein grösserer Systemwechsel braucht wohl Zeit – und auch der Wille dazu müsste zuerst da sein.»

Zuerst muss sich das Frauenhaus aber noch mit einem anderen Thema beschäftigen. Es muss sparen. Der Regierungsrat schreibt in seiner Mitteilung, in welcher er bekanntgab, die Tagespauschalen zu erhöhen: «Gleichzeitig verlangt er aber, dass die Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn konkrete Schritte zur Kostenreduktion vornimmt.» Von Einsparungen im Bereich der Geschäftsstelle der Stiftung und von einer «Reduktion des Liegenschaftsbestandes» ist die Rede.

Janine Sommer ist Stiftungsratspräsidentin des Frauenhaus Aargau-Solothurn.

Janine Sommer ist Stiftungsratspräsidentin des Frauenhaus Aargau-Solothurn.

Claudia Hänzi, Chefin des Amtes für soziale Sicherheit, erörtert: «Wir haben keine Pensen festgelegt, welche die Stiftung einsparen soll. Wir hatten aber nach Rücksprache mit dem Kanton Aargau den Eindruck, dass es beim Overhead noch Potenzial gibt, günstiger zu werden.» Und zu den Liegenschaften: «Die Stiftung hat vor einiger Zeit ihren Liegenschaftsbestand erweitert – auch hier sind wir der Meinung, dass die Stiftung überprüfen sollte, ob es alle Liegenschaften wirklich braucht.»

Wie die konkreten Sparmassnahmen aussehen, kann Stiftungspräsidentin Sommer noch nicht sagen. Klar ist aber jetzt schon: Es wird auch künftig nicht einfach für das Frauenhaus. «Die Kosten wurden bereits in vielen Bereichen auf ein Minimum reduziert. Dadurch laufen wir auf vielen Ebenen schon recht am Limit. Trotzdem wird weiterhin in allen Bereichen nach Sparmöglichkeiten gesucht.»

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