Solothurn
Das Erwachen in einem Besenschrank war sein erstes fotografisches Erlebnis

Der Fotograf Hugo Jaeggi erzählte in der Zentralbibliothek aus seinem Leben. Seinen Vortrag begann er mit einem kuriosen Ereignis, dass er als sein erstes fotografisches Erlebnis bezeichnet. Es folgten weitere überraschende Geschichten und Bilder.

Beatrice Kaufmann
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Hugo Jaeggi beim Vortrag vor seiner ersten Fotografie.

Hugo Jaeggi beim Vortrag vor seiner ersten Fotografie.

Hanspeter Bärtschi

Ein Affe reitet auf einem Hund. Das Erwachen in einem Besenschrank. Eine Katze, die Junge kriegt. Und Menschen. Jede Menge Menschen. Diese scheinbar unzusammenhängenden Dinge haben dazu beigetragen, dass der Fotograf Hugo Jaeggi heute ist, wer er ist.

«Hugo, es wird de Mönsch sy», habe ihm eine Stimme gesagt. Damals, am Dornacherplatz. Es wurde ein Mensch, Jaeggis erstes Bild zeigt einen Bauarbeiter, seinen muskulösen Körper, eine Zigarette im Mund. Viele weitere Menschen sollten es noch werden.

Besenschrank als Lochkamera

Jaeggi folgte am Montagabend dem Ruf des Vereins Archiv Olten. Dieser ist 2009 auf Bestreben des inzwischen verstorbenen Oltner Fotografen Franz Gloor gegründet worden. Seither verwaltet Archiv Olten dessen Lebenswerk und fördert die Fotografie am Jurasüdfuss. Unter der Leitung der früheren CVP-Nationalrätin Ruth Grossenbacher fand am Montag die Generalversammlung in der Zentralbibliothek statt.

Und der Vortrag von Hugo Jaeggi, den dieser mit der Erzählung eines skurrilen Ereignisses begann, das er als «mein erstes fotografisches Erlebnis» bezeichnet. Über einen Spaziergang, ein Mädchen, das keck seinen Rock hebt und einen Schlag auf den Kopf, schildert Jaeggi sein Erwachen in einem Besenschrank. «Ich sah das Bild der Küche. Es hatte Spälte in der Schranktür.» So machte der damals 6-Jährige Bekanntschaft mit dem Prinzip der Lochkamera.

Jahre später findet sich der jugendliche Jaeggi im Priesterseminar in Immensee wieder. «Es war furchtbar!» Da kam der Anruf seiner Mutter gerade recht: «Die Katze hat Junge gekriegt.» Grund genug, die Koffer zu packen und zu beschliessen: «I go nie meh nach Immesee!» Stattdessen folgte die Fotografen-Lehre. In seiner ungezwungenen Art erzählt Jaeggi «vieli chlini Sächeli», Geschichten, die hinter seinen Bildern stecken.

Vielseitig, oft überraschend und nicht selten skurril muten die Fotografien, wie auch ihre Ursprünge an. Er sei viel gereist, unter anderem nach Afrika, Indien und Sumatra. Dort war es auch, wo ihm ein Hund vor die Linse trat – auf seinem Rücken ein Affe. Der Menschenfreund zeigt sich unter anderem im Porträt eines leprakranken Mannes, den seine Krankheit stark gezeichnet hat. Was viele erschreckt, fasziniert Jaeggi: «Dieser Mann hat so etwas Liebes in seinem Blick.»

Stehen geblieben ist Jaeggi nie. Stattdessen finden sich zahlreiche Experimente in seinen Bildern, sei dies mit immer neuen Motiven, mit ungewöhnlichen Perspektiven und Fokussierungen. Inzwischen habe er die Natur entdeckt und die vielen fotografischen Möglichkeiten, die sie bietet. Das letzte Bild, das Hugo Jaeggi seinen Zuhörerinnen und Zuhörern zeigt, stimmt nachdenklich: Eine Komposition aus einem toten Buntspecht, der im Gras liegt. Teilweise nur durch einen Nebelschleier sichtbar. «Das ist mein Lieblingsbild.»

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