Lehrstellenmarkt 

Coronavirus fordert im Kanton Solothurn drei Lehrstellen – was kommt noch?

In der Coronakrise sieht die Lehrstellensuche ganz anders aus. Eine Schnupperlehre ist nicht möglich.

In der Coronakrise sieht die Lehrstellensuche ganz anders aus. Eine Schnupperlehre ist nicht möglich.

Drei Verträge mit Lernenden wurden während der Coronakrise im Kanton Solothurn aufgelöst. Noch sind 900 Stellen für nächste Lehrjahr unbesetzt. Beim Kanton will man kulant sei punkte Zeitpunkt der abgeschlossenne Verträge.

Die Krise trifft uns alle – manche richtig hart. Drei Lehrverhältnisse mussten im Verlauf der Coronakrise aufgelöst werden, erzählt Rudolf Zimmerli, Leiter Berufslehren im Amt für Berufsbildung. Aber auch wer jetzt vor dem Berufseinstieg steht, muss einen ohnehin schwierigen Schritt unter erschwerten Bedingungen tun. Ein Bewerbungsgespräch ohne Handshake? Das wäre vor dem Frühjahr 2020 kaum denkbar gewesen. Jetzt ist es das Gebot der Stunde. Und in vielen Branchen war an eine Schnupperlehre in den letzten Wochen nicht zu denken. Der Lockdown legte ganze Wirtschaftszweige lahm.

«Die Rekrutierung ist dieses Jahr sicherlich erschwert», sagt Zimmerli, der kantonale Lehrstellenexperte. Aber schlägt sich das auch auf die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge nieder? Laut Lehrstellennachweis sind noch rund 900 Lehrstellen unbesetzt. KV-Lehrstellen genauso wie solche im Gesundheitsbereich oder im Detailhandel. «Querbeet über alle 20 Berufsfelder gibt es noch Möglichkeiten», sagt Zimmerli. Dem gegenüberstehen rund 1550 abgeschlossene Lehrverträge. «Damit sind wir ungefähr auf demselben Kurs wie letztes Jahr», versichert Zimmerli. Damals waren es zum gleichen Zeitpunkt 1582 unterzeichnete Ausbildungspapiere.

Obwohl die Hindernisse bei der Berufssuche grösser sind, blickt man beim Kanton vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Man rechnet nicht mit einer erhöhten Nachfrage nach Brückenangeboten. «Wenn es trotzdem so käme, wären wir natürlich bereit, in unserem Berufsvorbereitungsjahr Lernende aufzunehmen», sagt Zimmerli. Wenn nötig, gebe es mehr Klassen. Die Herausforderung bestünde dann lediglich darin, genügend Praktikumsbetriebe zu finden. «Es wäre sicherlich anspruchsvoll, wenn wir einen sprunghaften Anstieg hätten», gesteht er.

Damit es nicht dazu kommt, zeigt sich der Kanton kulant. Rudolf Zimmerli sagt: «Wir werden auch Lehrverträge genehmigen, die im August oder vielleicht sogar erst im September abgeschlossen werden.» Üblicherweise beginnen neue Lehrverhältnisse am 1. August. Langfristig rechnet Zimmerli mit stabilen Verhältnissen bei den Lehrstellen. «Wir haben auch in vergangenen Krisen gesehen, dass die Firmen in Solothurn nicht mit dem Streichen von Lehrstellen auf erschwerte Bedingungen reagieren.» Das habe man auch im Anschluss an die Finanzkrise vor über zehn Jahren so erlebt.

Dass es auch dieses Mal so läuft, dafür gibt es allerdings keine Garantie. «Es ist matchentscheidend, dass die Wirtschaft jetzt wieder zügig hochgefahren werden kann», sagt Zimmerli. Sonst dürften weitere laufende Lehrverhältnisse der Krise zum Opfer fallen – und künftig weniger Lehrstellen angeboten werden. 

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