Corona-Selbsttests
Lang ersehnt und heiss begehrt: So lief die Vergabe von Corona-Selbsttests bei den Apotheken im Kanton Solothurn an

Corona-Selbsttests für Zuhause kamen am Mittwoch auf den Markt. Jetzt liegt die Testvergabe bei den Apotheken. Gerade weil die Lieferzeitpunkte der Tests sehr kurzfristig war, kam es bei den Solothurner Apotheken zu Stress über Ostern.

Cyrill Pürro
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 Selbsttests sind nun auch in Hägendorf verfügbar.

Selbsttests sind nun auch in Hägendorf verfügbar.

Bruno Kissling

In Hägendorf tut sich was. In der einzigen Dorfapotheke sind die neuen Corona-Selbsttests seit Mittwoch verfügbar, Interessierte strömen an die Theke. Apothekerinnen und Apotheker erklären mit Geduld die Handhabung der Stäbchen. Innerhalb von 30 Tagen können 5 Selbsttests bezogen werden. Die Kosten dafür übernimmt der Bund, wie aus dessen Teststrategie zu entnehmen ist. In den Apotheken herrscht Hektik. Zum vorausgeahnten Ansturm kam ein weiterer Stressfaktor: der ungünstige Lieferzeitpunkt.

Ungünstiger Lieferzeitpunkt

Mitten in der Hektik des Berufsverkehrs in Hägendorf steht die TopPharm Apotheke. Sie ist eine der rund 300 Apotheken, in denen am Mittwoch mit der Abgabe der Corona-Selbsttests begonnen wurde. Die Corona-Selbsttests kamen letzten Freitag in Hägendorf an. Das führte zu Stress über das Osterwochenende. Bis zum Mittwoch mussten alle Selbsttests neu verpackt und beklebt werden, wie die Inhaberin Tuyen Vo sagt. Es sei alles sehr kurzfristig gewesen.

«Trotz wenig Zeit ist es uns ein Anliegen, den Leuten zu zeigen, wie die Selbsttests funktionieren.»

Das Prozedere in Hägendorf ist immer das gleiche: Kontrollieren der Krankenversicherungsdaten, Aushändigen der Selbsttests mit Beilage eines Informationsblattes, auf dem die Handhabung genauer erklärt ist. Dazu folgt eine kurze Instruktion der Apothekerinnen. Die stressigste Phase der Selbsttest-Aktion hat die TopPharm Apotheke bereits hinter sich.

Apotheken im Osterstress

Gerade in der Apotheke in Hägendorf kam es zu Personalengpässen. Vo erklärt, das Team sei zurzeit nicht komplett, Mitarbeitende seien aufgrund von Krankheit und Quarantäne nicht anwesend. Auch die Weissenstein-Apotheke in Langendorf SO bekommt den Personalmangel derzeit zu spüren. Sie verzeichnete am Mittwoch über 300 Kundinnen und Kunden, an welche ungefähr 1500 Selbsttest vergeben wurden. Somit gebe es für alle sehr viel zu tun, wie Inhaber André Viatte-Brunner auf Anfrage bestätigt. Hinzu kämen die Ostertage, die direkt auf die Lieferung folgten. «Zwei, drei Mitarbeitende waren das ganze Osterwochenende über beschäftigt, die Menge der Selbsttests zu bewältigen», sagt Brunner.

Nicht alle Apotheken werden von selbsttestwilliger Kundschaft überrannt. Florian Staub, Mitglied der Geschäftsleitung der Saner Apotheke AG in Olten, beobachtete zwar eine grosse Nachfrage. Trotzdem sei die Menge der Kundschaft zu bewältigen. Auch in der Saner Apotheke musste am Wochenende gearbeitet werden. Nun seien die Mitarbeitenden aber froh, die Selbsttests im Haus zu haben.

Der Selbsttest als Erleichterung

Eine der Packungen mit fünf Selbsttests wurde von Roland Baumgartner (55) am Mittwoch in der TopPharm Apotheke in Hägendorf abgeholt. Der aus Kappel stammende Mann ist froh über die Möglichkeit, sich jetzt auch selbst über eine allfällige Infektion mit dem Coronavirus informieren und gegebenenfalls handeln zu können.

Eher skeptische Einschätzung

Aus anderem Blickwinkel sieht es Yvette Portmann aus Härkingen. Die 44-jährige Kauffrau hat zwar ebenfalls Selbsttests abgeholt, sieht deren Wirkung aber skeptischer.

«Ich habe das Gefühl, dass man sich nach dem Testen in falscher Sicherheit wiegt und dass deswegen die Fälle wieder ansteigen werden»,

so Portmann. Ähnlich sieht es Mechaniker André Thiel. Er denkt, dass die Fallzahlen vor allem aufgrund der Virusmutationen wieder nach oben schnellen. Trotzdem fühle er sich mit Selbsttests im Schrank sicherer.

Stefan Fassbind nimmt die begehrte Ware von Pharma-Assistentin Tamara Blaser entgegen.

Stefan Fassbind nimmt die begehrte Ware von Pharma-Assistentin Tamara Blaser entgegen.

Bruno Kissling

Die Frage ist nur: Reichen die verschiedenen Anweisungen aus? Das erhofft sich die 72-jährige Madeleine Bachmann aus Hägendorf. Da die Selbsttests in Eigenregie und im Privaten gemacht würden, hätte man etwas weniger Kontrolle. «Ich hoffe, dass viele den Test richtig machen», so Bachmann. Im Grossen und Ganzen fühle sie sich aber sicherer dadurch. Auch der 60-jährige Stefan Fassbind fühlt sich mit den Selbsttests wohler. Nach Fassbind könne man bei Treffen mit Bekannten etwas entspannter sein, wenn alle Anwesenden voneinander wissen, dass sie negativ getestet sind.

Umfrage in Hägendorfer Apotheke

Nachfrage wird gross bleiben

Melanie Grütter, Präsidentin des Apothekervereins des Kantons Solothurn, zieht ein positives Fazit von diesem Tag. Die Apotheken hätten sich professionell und effizient vorbereitet und seien so dem Ansturm gewachsen gewesen. Aus ihrer Sicht seien die Apotheken optimal für den Tag gerüstet gewesen. Ihre Prognose für die zukünftige Verfügbarkeit der Tests: «Die Nachfrage wird weiterhin gross bleiben, aber es werden genügend Tests im Kanton verfügbar sein.»

Wie TeleM1 berichtete, wurden im Kanton Solothurn am ersten Tag über 30'000 Selbsttest verteilt. Und auch im Nachbarkanton Aargau ist die Testvergabe durch Apotheken im vollen Gange.

Auch im Nachbarkanton Aargau werden fleissig Tests in den Apotheken verteilt.

TeleM1