Corona
Physio für die Lunge: So werden Long-Covid-Symptome im Bürgerspital Solothurn behandelt

Gabriela Burkhardt, stv. leitende Physiotherapeutin des Bürgerspitals Solothurn, erklärt, wie sie Patienten bei Atemnot, Muskelschwäche und Reizhusten hilft.

Sophie Deck
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Ein Teil der Physio bei Long-Covid sind Kraftübungen: Gabriela Burkhardt mit einem Patienten.

Ein Teil der Physio bei Long-Covid sind Kraftübungen: Gabriela Burkhardt mit einem Patienten.

Hanspeter Bärtschi

Seit Beginn der Pandemie wurden im Kanton Solothurn insgesamt 18'106 Corona-Infektionen bestätigt (Stand 21.7.2021). Von den infizierten Personen verstarben 272. Im Moment befindet sich in Solothurn eine coronapositive Person im Spital, jedoch nicht auf der Intensivstation.

Unter den Infizierten gibt es auch einige, die noch Wochen nach Abklingen des Virus mit Symptomen zu kämpfen haben. Auch manche, bei denen die Infektion nur einen leichten Verlauf hatte. Sie haben Long-Covid, auch Post-Covid genannt.

Hat eine Person Long-Covid, kann es sein, dass sie zwei Wochen lang nur einen leichten Schnupfen hatte – sie war mit Corona infiziert. Nach diesen zwei Wochen bekommt sie aber ständig keine Luft, kann kaum zwei Treppen hinaufgehen ohne Beinschmerzen und wird immer schon um die Mittagszeit so müde, dass sie nicht mehr normal arbeiten kann.

Gabriela Burkhardt, stv. leitende Physiotherapeutin des Bürgerspitals Solothurn, unterstützt Long-Covid-Patienten mit Physiotherapie bei ihrer Genesung. Einige von ihnen waren schon vorher im Spital, andere werden von ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt in die Physio überwiesen.

Denn Physio kann bei einigen Symptomen von Long-Covid helfen. So bei Atemnot, Muskelschwäche und -schmerzen und auch bei Reizhusten.

Der physiotherapeutischen Behandlung geht immer ein Gespräch voran, in dem die Patientinnen und Patienten genau erklären, wie sie durch ihre Symptome im Alltag eingeschränkt sind.

«Wir schauen mit der Patientin oder dem Patienten zuerst, was ihre Ziele sind, was sie wieder können möchten – zum Beispiel eine Treppe hinaufgehen, ohne ausser Atem zu geraten»,

erklärt Burkhardt. Zudem werden noch Tests durchgeführt.

Für die Atmung machen die Patienten in der Therapie Ausdauertraining, zum Beispiel auf dem Velo. Und sie lernen Atemtechniken, mit denen sie sich schneller von ihrer Atemnot erholen können.

Für die Muskeln machen sie Kraftübungen an verschiedenen Geräten und üben Körperhaltungen, in denen ihre Schmerzen weniger stark sind.

Weitere Symptome werden dann in anderen Abteilungen der Solothurner Spitäler AG (soH) behandelt: Bei schweren Lungenproblemen schickt man die Patientinnen in die Pneumologie.

Für Schwindel und Konzentrations- und Gedächtnisprobleme ist die Neurologie zuständig. Und Erschöpfung und Müdigkeit kann durch Ergotherapie entgegengewirkt werden.

Eine genaue Strategie für jedes Symptom hätten sie allerdings noch nicht, weil Long-Covid noch kaum erforscht ist.

«Wir sagen immer: Wir bauen das Flugzeug, während wir fliegen»,

sagt Burkhardt. Dies bedeutet, dass neue Erkenntnisse in der Behandlung laufend integriert werden müssen. Damit seien sie bisher gut gefahren, zumindest in der Physio.

«Wir passen das Training ganz den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten an.», erklärt sie.

Bei anderen Lungenerkrankungen gebe es klarere Vorgaben bezüglich Trainingsintensität je nach Sauerstoffsättigung. Solche Richtwerte fehlen bei Long-Covid noch.

Den Patienten hilft der Austausch

Neben der Einzeltherapie gibt es für Long-Covid-Patienten auch Gruppenphysio. Sie machen dort gemeinsam Ausdauer- und Krafttraining und können dann ergänzend dazu noch in Einzelsitzungen an ihren individuellen Problemen arbeiten.

«Wir merken, dass die Patientinnen und Patienten den Austausch untereinander brauchen. Es hilft ihnen viel, wenn sie sich verstanden fühlen und sehen: Aha, das war bei anderen auch so wie bei mir»,

erklärt Burkhardt. So sitzen die Gruppenmitglieder nach dem Training immer noch zusammen, hören einander zu und geben sich gegenseitig Tipps. Das könne ganz simpel sein, zum Beispiel, dass jemand, der immer bergauf spaziert ist und nun ausser Atem gerät, vielleicht in einem flacheren Gelände spazieren gehen sollte.

So, wie die Symptome und Einschränkungen durch Long-Covid von Person zu Person stark variieren, dauert auch die Genesung bei jedem ganz unterschiedlich lang.

Viele brauchen nicht bis zur vollen Genesung Physio und machen ihre Übungen noch zu Hause selbstständig weiter. Grundsätzlich, sagt Burkhardt aber, machen alle ihre Patientinnen rasche und gute Fortschritte. Und manchmal helfe ihnen auch nur schon die Sicherheit, dass sie unterstützt werden.

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