Brandserie Wasseramt
Die Nerven liegen blank – Polizei und Gemeinden appellieren an die Bevölkerung: «Bilden Sie keine Bürgerwehren und setzen Sie keine Gewalt ein»

Aus Furcht, dass die Bevölkerung im Wasseramt selbst Jagd auf den Feuerteufel machen könnte, appellieren Gemeindebehörden und Polizei an die Bevölkerung. Und sie versichern, alles zu unternehmen, um den Serienbrandstifter dingfest zu machen.

Raphael Karpf
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Der bisher letzte Brand: ein Pferdestall in Utzenstorf.

Der bisher letzte Brand: ein Pferdestall in Utzenstorf.

Corinne Glanzmann

Im Wasseramt liegen die Nerven blank. Menschen berichten von schlaflosen Nächten, in denen sie aus dem Fenster heraus ihr Gartenhaus oder ihren Stall im Blick behalten. Gerüchte über Bürgerwehren machen die Runde. Je länger der Brandstifter auf freiem Fuss bleibt und weitere Feuer legt, desto grösser wohl die Gefahr, dass irgendwann Selbstjustiz geübt wird.

Doch genau das soll verhindert werden. Und so wandten sich am Freitagmorgen die Kantonspolizei Solothurn sowie die Behörden der betroffenen Gemeinden nochmals in aller Deutlichkeit an die Öffentlichkeit: «Bilden Sie keine Bürgerwehren und setzen Sie keine Gewalt ein. Es ist und bleibt Aufgabe der Polizei, die Täterschaft zu ermitteln.»

Lesen Sie hier alles zur Brandserie im Wasseramt:

Am Abend zuvor hatten sich Vertreter der Polizei und die Präsidenten von zehn Gemeinden aus der Region zu einem Austausch getroffen. Im Anschluss liess sich Thomas Zuber, Kommandant der Kantonspolizei, der ansonsten nur zurückhaltend in der Öffentlichkeit auftritt, vernehmen:

«Die Polizei ist sich bewusst, dass die Verunsicherung in der Bevölkerung der betroffenen Gemeinden, aber auch in der Region gross ist. Daher setzen wir alles dran, die Brandserie aufzuklären.»

Es sind Floskeln. Dass die Polizei alles daran setzt, den Täter zu finden, dürfte selbstverständlich sein. So darf die Aussage wohl auch als Versuch verstanden werden, die Bevölkerung zu beruhigen.

Gleichzeitig ist die Polizei, zumindest in kommunikativer Hinsicht, aber auch ein Stück weit hilflos. Sie kann aktuell gar nicht mehr sagen. Der mutmassliche Täter soll nicht erfahren, wie versucht wird, ihm auf die Schliche zu kommen. Die Ermittlungen sollen nicht gefährdet werden.

Aus diesem Grund äussert sich auch die Staatsanwaltschaft nicht zu den Ermittlungen. Aber auch von dieser Seite wird betont, dass man mit Hochdruck an der Aufklärung der Brandserie arbeite und man in diesem Zusammenhang ausreichend personelle Ressourcen zur Verfügung stelle.

Auch die betroffenen Gemeindepräsidenten äussern sich nicht weiter zu der Sache. Es wurde Schweigen vereinbart.

Auf Bürgerwehren zu verzichten, war nicht der einzige Aufruf, den die Polizei und Gemeindebehörden nach dem Treffen gemacht haben.

Weiter wird die Bevölkerung aufgefordert:

  • Melden Sie verdächtige Beobachtungen umgehend der Polizei, entweder über 032 627 71 11 oder die Notrufnummern 112 bzw. 117.
  • Halten Sie sich nicht unnötig in der betroffenen Gegend auf, insbesondere in der Nacht und in den frühen Morgenstunden. Ein Umherwandern behindert die Polizeiarbeit unter Umständen mehr, als es sie unterstützt.
  • Unterstützen Sie sich wo möglich gegenseitig im Sinne der Nachbarschaftshilfe und entlasten Sie so auch Personen, die in Sorge sind um ihre Liegenschaften.

Zwölf Mal hat es mittlerweile seit Anfang April in der Region gebrannt: Waldhütten, Ställe, aber auch Bauernhäuser:

Ob es sich bei allen Bränden um Brandstiftung handelt, ist unbekannt. Doch dass es zumindest bei mehreren Bränden Absicht war, daran zweifelt kaum mehr jemand. Menschen wurden bisher keine verletzt. Bei einem Stallbrand Anfang April starben mehrere Schafe. Der gesamte Sachschaden beläuft sich mittlerweile auf mehrere Millionen Franken, teilt die Kantonspolizei Solothurn mit.

Erhebliche Waldbrandgefahr

Aufgrund der Hitze hat der Kanton am Donnerstag die Waldbrandgefahr im ganzen Kantonsgebiet auf Stufe 3 «erheblich» erhöht. Bereits brennende Streichhölzer oder Funkenflug können einen Brand verursachen, wird mitgeteilt. Aufgrund der Trockenheit kann sich das Feuer zudem rasch ausbreiten, insbesondere bei Wind oder am Hang. In befestigten Feuerstellen darf grundsätzlich noch gebrätelt werden – aber nur mit sehr grosser Zurückhaltung. Bei Wind ist zudem von Feuern im Wald und in Waldesnähe abzuraten. Auch Zigaretten und Raucherwaren dürfen nicht im Freien entsorgt werden. Für nächste Woche rechnet der Kanton aufgrund der sinkenden Temperaturen und der höheren Niederschlagswahrscheinlichkeit mit einer leichten Entspannung.

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