Verzicht auf CVP-Präsidium

Bischof möchte Anwaltstätigkeit nicht für Präsidium opfern

Pirmin Bischof wird nicht CVP-Präsident.

Pirmin Bischof wird nicht CVP-Präsident.

Der Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof will das nationale Präsidium nicht übernehmen. Er habe sich eine Kandidatur reiflich überlegt, erklärt er. Der 57-Jährige will seine Anwaltstätigkeit aber nicht aufgeben.

Ständerat Pirmin Bischof verzichtet aufs Präsidium der CVP Schweiz: Dies hat der 57-jährige Solothurner am Mittwochmorgen offiziell mitgeteilt. Zu diesem Entschluss sei er «nach reiflichen Überlegungen gekommen», schreibt er in einer Medienmitteilung.

Von verschiedenen Seiten sei er dazu ermuntert worden, sich um die Nachfolge des zurücktretenden Christophe Darbellay zu bewerben. «Auch mit einer Umorganisation könnte ich im jetzigen Zeitpunkt eine zusätzliche Amtsführung als Parteipräsident zeitlich nur ungenügend bewerkstelligen», hält er mit Blick auf Ständeratsmandat, Aufgaben als neuer Chef der CVP-Gruppe im Ständerat als auch auf seine Anwaltstätigkeit fest.

Bischof gehört seit 2011 dem Ständerat an, zuvor war er während vier Jahren Nationalrat. Er wird auch immer als möglicher Nachfolger von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard gehandelt. Wir fragten nach.

Sie wollen nicht CVP-Präsident werden, Pirmin Bischof. Das wäre doch ein attraktives Amt ...

Pirmin Bischof: Tatsächlich. Und ich habe mir eine Kandidatur über die Festtage auch reiflich überlegt. Aber das Präsidium hätte bedeutet, dass ich meine Anwaltstätigkeit hätte aufgeben müssen – und das kommt für mich nicht infrage. Ich will Milizparlamentarier bleiben.

Aber das Präsidium wäre ein weiterer Schritt auf der politischen Karriereleiter gewesen ...

Und ich habe mich dagegen entschieden. Die gleiche Frage hat sich mir bereits im letzten Jahr gestellt, als es um das Fraktionspräsidium ging. Ich bin kein Ämtli-Sammler.

In Ihrer Medienmitteilung zählen Sie diverse sachliche Gründe auf: Ihre junge Familie erwähnen Sie dabei nicht ...

Natürlich ist meine Familie, mein kleines Töchterlein, ein wichtiges Argument. Ich brauche Zeit für sie. Ich will nicht einmal – wie viele meiner Bekannten – sagen müssen, dass ich verpasst habe, mein Kind aufwachsen zu sehen.

Hat Ihr jetziger Verzicht nicht eher damit zu tun, dass Sie bei nächster Gelegenheit lieber Bundesrat werden wollen?

Es ist vielleicht auch möglich, dass ich Papst werde: Denn Bischof bin ich ja schon. Spass beiseite. Im Moment gibt es keine Vakanz im Bundesrat und wenn es eine geben sollte, dann ist nach Doris Leuthard, einer Vertreterin aus der Nordwestschweiz, möglicherweise nicht schon wieder einer aus der gleichen Region an der Reihe. Auf ein Bundesratsmandat sollte man nicht aspirieren und spekulieren. Die letzten Wahlen haben gezeigt, dass alles ganz anders rauskommen kann.

Pirmin Bischof sagt, weshalb er nicht Präsident der CVP Schweiz werden will

Pirmin Bischof sagt, weshalb er nicht Präsident der CVP Schweiz werden will

Sie waren der Hoffnungsträger der sozialliberalen CVP-Mitte, die einen Rechtsrutsch unter Gerhard Pfister befürchten. Nun lassen Sie möglicherweise einen solchen kampflos zu ...

Es ist ja noch nicht klar, wer alles tatsächlich kandidieren wird. Sowieso darf man die Rolle des Parteipräsidenten nicht überschätzen. Das Parteipräsidium – dem auch ich angehöre – und die Bundeshausfraktion steuern mit und können allenfalls korrigierend eingreifen.

Die Solothurner CVP gehört in ihrer Tradition ja auch eher zum sozialliberalen Flügel der CVP Schweiz ...

Die CVP ist in der Schweiz und im Kanton Solothurn die Brückenpartei der Mitte, die Lösungen vermittelt und durchgebracht hat und auch weiterhin durchbringen kann. Neben dem wirtschaftsliberalen Element, der freien Marktwirtschaft, für die ich mich auch einsetze, muss man auch der sozialen Verantwortung gerecht werden. Dass man auch zu den Schwachen schaut, ist eine der Stärken der heutigen Gesellschaft. Doch diese geht leider immer mehr verloren.

Wie schätzen Sie die Aussicht ein, dass die CVP unter einem Präsident Gerhard Pfister den bisherigen Kurs wechseln und zum Beispiel von der Energiewende abrücken könnte?

Die Person des Parteipräsidenten ändert am Sachgeschäft Energiewende gar nichts. Im Ständerat – wo wir die grösste Fraktion stellen – ist das Geschäft bereits über die Bühne und zwar mit namhafter Mitwirkung unserer Fraktion. Bei der Differenzbereinigung mit dem Nationalrat wird es – angesichts der dortigen neuen Mehrheit nach den letzten Wahlen – bei der Energiewende wohl gewisse Abstriche geben.

Sie sind ja auch Verwaltungsrat der Kernkraftwerk Gösgen AG. Kämen Ihnen Korrekturen am Energiekurs denn nicht sogar entgegen?

Ich bin überzeugt, dass das Werk Gösgen von allen Schweizer AKW am besten aufgestellt ist. Darum setze ich mich klar dafür ein, dass Gösgen am Netz bleibt, solange die Sicherheit gewährleistet ist. Aber klar ist für mich auch: In der Schweiz soll kein neues Kernkraftwerk gebaut werden – insbesondere auch Gösgen II oder andere Alternativen nicht. Die Katastrophe von Fukushima hat gezeigt, dass man nicht uneingeschränkt auf die Kernkraft setzen kann.

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