Auf einen Kaffee mit...

Biberister Raumausstatterin über ihren Job: «Es war schon Liebe auf den ersten Blick»

Vom Bodenbelag über Polster bis zum Vorhangsystem: Melanie Bannwart findet als Raumausstatterin das Vollprogramm.

Vom Bodenbelag über Polster bis zum Vorhangsystem: Melanie Bannwart findet als Raumausstatterin das Vollprogramm.

Auf einen Kaffee mit ... Melanie Bannwart. Im ersten Lehrgang der neuen Berufsgattung Raumausstatterin hat die Biberisterin ihren Traumjob gefunden.

Hin und weg sei sie gewesen. Das erzählt Melanie Bannwart, 15, über einen Schulausflug, den sie vor rund zwei Jahren in der Oberstufe mit der Klasse gemacht hat. Damals ging’s an die Swiss Skills – an den landesweiten Wettbewerb, an dem sich die besten Lernenden verschiedener Branchen messen und ihre Berufe Besucherinnen und Besuchern vorstellen. «Zuvor wusste ich noch nicht wirklich, was ich später einmal machen will», sagt die Biberisterin.

Dann sei sie zum Stand der Innendekorateurinnen und Innendekorateure gelangt. «Das war dann schon so etwas wie Liebe auf den ersten Blick», erklärt die 15-Jährige. Die Polster, die Kissen, die Farben – sie sei fasziniert gewesen. Sie habe die Namen der Firmen, die am Stand ausstellten, fotografiert, und später begonnen, dort anzurufen, Schnupperlehren zu vereinbaren. Doch der Weg zum Traumberuf war nicht einfach.

«Warum soll gerade ich es schaffen?»

«Ich wusste, dass es ein nicht weitverbreiteter Beruf ist», so Bannwart. Lehrstellen sind rar – und beliebt. Auch nach Schnupperlehren fand die Biberisterin keine Anstellung. Bis sie in Solothurn am Geschäft von Oliver Ziegler vorbeikam, der an der Kronengasse seine Ziegler Teppich und Boden AG führt. Bannwart rief an, führte direkte Gespräche mit Ziegler – und hatte am Schluss den Lehrvertrag in den Finger.

«Dabei war ich so unsicher – wie man das in meinem Alter halt manchmal ist. Wenn es schon so wenige Ausbildungsplätze gibt, so fragte ich mich, warum soll gerade ich es schaffen?» Bannwart hat es aber geschafft. Seit diesem Sommer macht sie die Ausbildung zu ihrem Traumjob. Seit diesem Sommer wird dieser auch in einem ganz neuen Lehrgang unterrichtet.

Der Beruf stand auf der Kippe – nun der Neustart

Der Hintergrund: Der Beruf der Innendekorateurinnen und Innendekorateure stand jahrelang auf der Kippe. Eine Reform für die Ausbildung zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis wäre nötig gewesen – die Verbände konnten sich damals aber nicht einigen. Bis zwei Männer aus der Region das Ruder übernahmen, schlichtende Gespräche und schliesslich die nötige Reform durchführten. So startete diesen Sommer der erste Lehrgang des neuen Berufs – der Raumausstatterinnen und Raumausstatter.

Im Unterschied zur früheren Ausbildung lernen die Teilnehmenden alles – vom Bodenbelag, über Polster, bis hin zu Vorhangsystemen. Früher konnten Lernende noch eine Fachrichtung wählen. Wobei sich Bannwarts Ausdauer auch diesbezüglich ausbezahlt hat: Sie habe sich damals, als sie Absage um Absage erhielt, als «Plan B» auch als Bodenlegerin beworben. «Das hätte mir aber nicht annähernd so gut gefallen wie die Lehre zur Raumausstatterin», blickt sie heute zurück. Ihr gefalle vor allem der Bereich Polsterei. Und schliesslich hat sie nicht nur die Lehrstelle erhalten.

Denn: Ziegler führt nicht nur ein Geschäft für Teppiche und Böden, sondern in der Altstadt auch Boutique und Atelier für Polsterei. Dort arbeitet Bannwart heute. So wird sie zwar in allen Bereichen ausgebildet – kann sich aber im Geschäft auch ganz ihrem Lieblingsgebiet widmen. «Ich gehe unheimlich gerne arbeiten», sagt die Lernende.

Diese Faszination habe sie wohl von ihrer Mutter geerbt, erklärt Bannwart. Diese ist Werklehrerin und hat die Ausbildung zur Damenschneiderin absolviert. «Ich und meine Schwester wurden überhaupt nie in eine Richtung gedrängt oder so», sagt sie zu ihrer Berufswahl. Aber ein gewisses Flair für Farben und Stoffe hat sie wohl mitgenommen.

Unterricht und überbetriebliche Kurse

Auch in der theoretischen Ausbildung wird klar, dass der Beruf rar ist: Es gibt nur eine Klasse des Lehrgangs zu den Raumausstattenden, der diesen Sommer zum ersten Mal gestartet hat. Bannwart hat 24 Mitschülerinnen und -schüler. Aus der ganzen Schweiz. Eine der Lernenden spreche Französisch, erzählt Bannwart. Zwei Fächer habe man gemeinsam, in dem eine zweisprachige Lehrperson unterrichte. «In den restlichen Fächern wird die Kollegin separat unterrichtet.»

Die erwähnte Lernende hat laut Angaben der Berufsschule inzwischen abgebrochen; so wird der Lehrgang derzeit nur auf Deutsch unterrichtet. Weil man aber auch Französisch sprechende Lehrpersonen angestellt habe, könne der Unterricht tatsächlich auch in Französisch geführt werden. Und nächstes Jahr rechne man damit, zusätzlich eine ganze Französisch sprechende Klasse füllen zu können.

Der Unterricht findet an der Solothurner Gewerbeschule statt. Doch auch für überbetriebliche Kurse muss Bannwart nicht weit pendeln; diese werden in Selzach durchgeführt. «Von daher habe ich schon Glück gehabt», so die angehende Raumausstatterin.

Ihr nächstes Ziel sei es, die vierjährige Berufslehre erfolgreich abzuschliessen. Und dann? «Ich habe mir auch schon überlegt, dass ich später selbst Lernende unterrichten möchte.» Kommt noch dazu: Melanie Bannwart will an den Swiss Skills teilnehmen – «um vielleicht auch andere für diesen Beruf zu inspirieren.»

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