Exklusive Wahlumfrage

Bei den Ständeratswahlen ist ein Trio in Front – und dann kommt lange keiner mehr

Die Umfrage ergab dieses Ergebnis für die Ständeratskandidaten.

Die Umfrage ergab dieses Ergebnis für die Ständeratskandidaten.

Die Wahlumfrage dieser Zeitung zeigt, dass bei den Ständeratswahlen CVP-Mann Pirmin Bischof und SP-Mann Roberto Zanetti das Fünferfeld zwar anführen, aber ein Stück vom absoluten Mehr entfernt sind. Zudem folgt ihnen SVP-Mann Christian Imark auf dem Fuss.

Das wird spannend – spannender jedenfalls, als der Wahlkampf um die beiden Ständeratssitze vermuten lässt. Zwar ist es keine Überraschung, dass die beiden Amtsträger Pirmin Bischof (CVP) und Roberto Zanetti (SP) das Fünferfeld anführen. Sie kommen in der Online-Wahlumfrage, welche die Forschungsstelle sotomo im Auftrag dieser Zeitung durchgeführt hat, auf 41 bzw. 40 Prozent der Stimmen.

Dichter auf den Fersen als gedacht ist dem Ständeratsduo aber SVP-Nationalrat Christian Imark, der auf 37 Prozent kommt. Das findet auch Michael Hermann, Leiter der Forschungsstelle. Das Nationalratsmandat von Imark helfe diesem gegenüber der neukandierenden Konkurrenz ebenso wie die Geschlossenheit der Partei bei der Unterstützung ihres Kandidaten.

Das ist die eine interessante Erkenntnis knapp zwei Wochen vor der Wahl. Die andere: Es könnte durchaus sein, dass die Wahl nicht schon im ersten Umgang entschieden wird. Dies mit Blick auf das absolute Mehr, das Bischof und Zanetti deutlicher unterschreiten als erwartet. Mit anderen Worten: Die Wahrscheinlichkeit, dass kein Kandidat im ersten Wahlgang vom 20. Oktober das absolute Mehr schafft, ist gross.

Was angesichts des Kandidatenfelds keine grosse Überraschung wäre. Und mit Blick auf den Wahlausgang beziehungsweise auf den Einlauf der Kandidaten interessante Strategieüberlegungen in den politischen Lagern auslösen könnte. Ganz anders als vor vier Jahren: Damals machte Bischof das Rennen schon im ersten, Zanetti wurde knapp in den zweiten Wahlgang verwiesen, wo er sich klar durchsetzte.

Eine eigentliche Überraschung stellt das schlechte Umfrageergebnis von FDP-Kandidat Stefan Nünlist dar, der sich aufgemacht hat, den früher traditionell freisinnigen Sitz zurückzuholen. Er kommt auf bescheidene 21 Prozent. Zwar war ein Abstand zum Spitzen-Trio zu erwarten – dass die Distanz so kurz vor dem Wahlgang so gross ist, hat aber etwas Frappierendes. Weniger überraschend ist hingegen, dass auch Felix Wettstein (Grüne) am Ende nichts mit der der Besetzung der beiden Sitze zu tun haben dürfte. Immerhin liegt er aber mit seinem freisinnigen Konkurrenten und exakt dem gleichen Wähleranteil auf Platz vier.

Aufschlussreich ist der Blick auf die Auswertung, woher die Stimmen für die einzelnen Kandidaten kommen. Es fällt beispielsweise auf, dass sowohl Bischof als auch Zanetti erstens die eigenen Parteigänger stark mobilisieren und zweitens weit über die eigene Partei hinaus Zuspruch erfahren. Ist den Wahlabsichten der Umfrageteilnehmer zu entnehmen, dass Bischof insbesondere von der FDP, aber auch von Grünliberalen und Sozialdemokraten gewählt wird, ist Zanetti vor allem bei den Grünen und bei den Grünliberalen hoch im Kurs. Aber auch bei der CVP ist er wohlgelitten.

Ein diametral anderes Bild zeigt sich bei Imark: Er holt seine Wählerschaft insbesondere in der eigenen Partei ab – ausserhalb findet er wenig Resonanz, am meisten noch bei der FDP. Was bei Imark in Bezug auf die eigene Partei funktioniert, trifft zwar auch bei Nünlist zu, allerdings in weit geringerem Umfang.

Und weil der Freisinnige sonst bloss noch bei den Grünliberalen und bei der SVP etwas Boden findet, kommt Nünlist nicht auf das erhoffte Rendement. Bei Wettstein schliesslich fällt auf, dass er zwar keinen Spitzenwert, aber eine respektable Marke in der eignen Partei erreicht, bei der SP aber weniger punkten kann, als er sich dies wohl erhoffte, derweil die Resonanz bei den Grünliberalen deutlich grösser ist.

Das Parteiübergreifende ist der Schlüssel

Auch wenn schwer vorhersehbar ist, was sich in den kommenden Tagen noch bewegen wird: Angesichts der Spitzenwerte in den eigenen Reihen, liegt das Potenzial für das in Front liegende Trio ausserhalb der «Homebase». Das gilt insbesondere für Imark, der sich fast ausschliesslich auf seine SVP verlassen muss.

Umgekehrt: Die parteiübergreifende Unterstützung, die Bischof und Zanetti zuteil wird, scheint nicht nur für jeden einzelnen der beiden zu funktionieren, sondern kann auch als Zeichen dafür gelesen werden, dass viele Wähler das Duo neuerlich nach Bundesbern schicken wollen.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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