Grenchen Süd

Baustellenknatsch mit SBB findet ein halb versöhnliches Ende

Der Bahnhof Grenchen Süd wird doch nicht ganz vom Fernverkehr abgeschnitten.

Der Bahnhof Grenchen Süd wird doch nicht ganz vom Fernverkehr abgeschnitten.

Ab dem 21.Juni eine Baustelle zwischen Solothurn und Grenchen, die zum Ausfall der Fernverkehrsanbindung von Grenchen Süd führt? Der Druck von Kanton und Stadt Grenchen gegen dieses Vorhaben hat gewirkt: Bahn-CEO Vincent Ducrot entschuldigt sich und bessert die Anbindung nach.

Das war ziemlich dicke Post für den neuen SBB-Chef Vincent Ducrot: In einem Brief verlangte der Solothurner Baudirektor Roland Fürst im vergangenen Monat, dass Grenchen während des kommenden Gleisersatzes nicht vom Fernverkehr abgeschnitten werden dürfe. Genau dies wollen die SBB-Planer der Uhrenstadt nämlich in den kommenden Wochen zumuten: Der Totalersatz eines der beiden Gleise zwischen der Station Solothurn West und dem ehemaligen Bahnhof Bellach müsse dringend ersetzt werden, machte das Unternehmen geltend.

Auch wenn das niemand bestreitet: An der Forderung von Fürst änderte das nichts – selbstredend auch nicht bei Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger: «Von Ihrem Vorhaben, infolge Bauarbeiten ab 21. Juni während fünf Wochen keine IC Züge mehr in Grenchen Süd halten zu lassen, haben wir mit Konsternation Kenntnis genommen», schrieb er dem SBB-CEO. Und machte zusätzlich Dampf bei den Bahnen.

«Bitten in aller Form um Entschuldigung»

Mit Erfolg, wie sich nun zeigt: Ducrot antwortete Fürst und Scheidegger mit Schreiben vom 8. Juni. «Ihren Unmut in Bezug auf das Baustellenkonzept zwischen Solothurn und Selzach können wir nachvollziehen und bitten für die Fehler und die Umstände in aller Form um Entschuldigung», heisst es im Schreiben. Demnach kam es bei der Erstellung des Ersatzkonzepts im Netznutzungsplan zu einem Planungsfehler.

Guter Rat war teuer – und deshalb schauten die SBB die ganze Sache noch einmal an.
Mit folgendem Ergebnis: Erstens kommt eine zeitliche Verschiebung der Baustelle aufgrund des Anlagezustands nicht in Frage, weil der Unterbau der Gleise dringend saniert werden muss. Werden die Arbeiten nicht jetzt ausgeführt, droht die eingeschränkte Nutzung der Fahrbahn. Zweitens ist auch die Erarbeitung eines neuen Ersatzkonzepts für das fragliche Zeitfenster nicht möglich. Dies, weil die Verfügbarkeit von Trassen, Rollmaterial sowie Personal schlicht nicht gegeben ist. Drittens aber ist es gelungen, Verbesserungen mit dem Einsatz von Shuttle-Zügen in Richtung Solothurn zu realisieren.

Im Einzelnen bedeutet das:

Die Shuttles (RE-Züge) verkehren von Montag bis Freitag von 6 bis 9 Uhr ohne Halt zwischen Grenchen und Solothurn; bloss am Montag verkehrt um 9 Uhr nicht der Zug, sondern der Bus (9.05 Uhr ab Grenchen Süd und 9.30 Uhr in Gegenrichtung ab Solothurn wie in den übrigen Stunden) sowie von 16 bis 18 Uhr mit Anschluss vom und an den Fernverkehr in Solothurn.

Am Samstag und Sonntag verkehren die Shuttles integral, das heisst zu jeder Stunde.

Es verkehren täglich zwei IC5-Züge vor 6 Uhr und drei nach 22.30 Uhr in Richtung Osten (Olten–Zürich) sowie zwei IC5-Züge nach 23 Uhr in Richtung Westen (Biel) und bedienen Grenchen Süd wie üblich.
Es gibt je einen regulären Regionalzug, einen Regionalbus (mit Halt in Solothurn West beziehungsweise am Amthausplatz, in der Allmend, in Bellach, Selzach und Bettlach) sowie einen Direktbus zu allen anderen Stunden zwischen 5 und knapp vor 1 Uhr.

Solche Situationen in Zukunft verhindern

Eine Lösung, mit der die Beteiligten in Solothurn und Grenchen im Sinn eines Kompromisses um wohl oder übel leben können. Dies insbesondere in Anbetracht der schwierigen Ausgangslage für die SBB. Das sieht auch Kjell Kolden so, Abteilungsleiter Öffentlicher Verkehr im Solothurner Amt für Verkehr und Tiefbau, das den Kompromiss mitverhandelt hat. Im schlechteren Fall wäre es zum Beispiel auch möglich gewesen, dass nur die Regionalzug- beziehungsweise Regionalbuslösung hätte erreicht werden können. Das wäre dann in der Tat eine schwer erträgliche Situation gewesen.

Und das muss auch den SBB gedämmert haben: «Wir sind überzeugt, dass das Festhalten am geplanten Baufenster diesen Sommer und die nun erarbeiteten Zusatzleistungen für Grenchen Süd nach Abwägen aller Vor- und Nachteile die beste Lösung darstellt», heisst es im Ducrot-Schreiben. «Solche Situationen» sollen laut CEO in Zukunft denn auch verhindert werden: «Wir werden folglich die Lehren aus dem Fall Solothurn-Selzach sorgsam aufbereiten», schreibt er.

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Balz Bruder

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