Attestlehre

Ausgebildet und Arbeitlos: Gibt es weniger Stellen für EBA-Lernende auf dem Solothurner Arbeitsmarkt?

Elektroinstallateur: In dieser Branche gibt es keinen Bedarf an EBA-Fachkräften – deshalb gibt es auch nur die EFZ-Ausbildung.

Kritik an der viel gerühmten zweijährigen EBA-Lehre in einem Bericht: Es gebe Schwierigkeiten, mit dem Attest eine Stelle zu finden. Dieses Problem existiere im Kanton so nicht – Bedenken gibt es aber: So gibt es weniger niederschwellige Jobs für die jungen Fachkräfte. Mit der Digitalisierung wird das auch nicht einfacher.

Die zweijährige Berufsattestlehre – die Ausbildung für praktisch veranlagte Schüler, die nicht oder noch nicht die Schulnoten für eine dreijährige EFZ-Lehre haben. Jedes Jahr gibt es im Kanton Solothurn einen Infotag, an dem verschiedene Berufsfelder vorgestellt werden. Auch mit dem zweijährigen Abschluss soll man den Traumjob erlernen können, so die Botschaft. Mittlerweile ist die EBA im Kanton so beliebt wie noch nie: 514 Lernende befanden sich vergangenes Jahr in einer EBA-Lehre. Mit 15.4 Prozent erreicht der Anteil EBA an den neuen Lehrverhältnissen 2019 gar den Höchstwert seit der Einführung der Attestlehre 2004. Zeit, Bilanz zu ziehen.

Dass die EBA so beliebt ist, wie noch nie, heisst es im «Schulblatt Aargau Solothurn». Im selben Artikel kommt das «Aber»: In der Arbeitswelt sei die Ausbildung nicht so weit etabliert. Absolventinnen und Absolventen hätten keine Garantie, mit dem Diplom einen Job zu finden. Der Leiter Berufsbildung beim Kanton, Rudolf Zimmerli, relativiert: «Ich würde hier nicht schwarz sehen.»

Mehr EFZ-Angebote – und teilweise Konkurrenz

Kritische Punkte über die EBA sind auch in einer schweizweiten Erhebung von «ecoconcept» aus dem Jahr 2016 zu finden: Die Indikatoren für den Einstieg in den Arbeitsmarkt seien bei EBA-Absolventinnen und Absolventen «klar schlechter» als bei EFZ-Lernenden. Zudem sei die Erwerbslosenquote bei EBA-ausgebildeten Personen dreimal so hoch wie bei EFZ-Lernenden.

Auf Anfrage heisst es beim Amt für Wirtschaft und Arbeit, von den rund 2000 Lehrabgängerinnen und -abgängern diesen Sommer hätten sich 97 auf dem RAV angemeldet. Davon haben 67 einen EFZ-, und 30 einen EBA-Abschluss. «Das EBA-System funktioniert», sagt Zimmerli. Der selbe «ecokonzept» Bericht gibt an, dass drei Viertel der Suchenden innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss eine Stelle finden. Bei EFZ-Lernenden sind es 83 Prozent.

Zimmerli erklärt, im Kanton würde die Nachfrage in der Wirtschaft das Angebot an EBA-Berufen regeln. Bei EBA-Berufen gehe es um niederschwelligere Berufe. Hier finden sich tatsächlich nicht in jeder Branche Jobs. Deshalb, so Zimmerli, regulierten die Berufsverbände das Angebot an EBA-Ausbildungen: Augenoptiker oder Elektroinstallateur kann man beispielsweise nur mit einer EFZ-Lehre werden. Für den praktisch veranlagten Reifenpraktiker gibt es dafür nur die Attestlehre. Das heisst, es gibt für EFZ-Lernende tatsächlich mehr Jobs auf dem Markt – deshalb werden aber auch weniger EBA-Ausbildungen angeboten.

Das Problem, dass das Attest nicht für einen Job reicht, gibt es dann, wenn es in einer Branche beides gibt: EBA und EFZ. So etwa beim Schreiner-Beruf. «Einige Betriebe haben schlicht keine Arbeit für EBA-Lernende und sind auf der Suche nach Ausgebildeten mit etwas mehr Kompetenzen», so Zimmerli.

Sorgenkind: was, wenn einfache Jobs wegfallen?

So heisst es auch von Seiten der Wirtschaft – bei Gewerbeverband und Handelskammer: Habe man die Wahl zwischen EFZ und EBA, stellten sich verschiedene Fragen, so Thomas Jenni, Projektleiter Berufsmarketing beim Gewerbeverband. Etwa wie «technologisch anspruchsvoll» Tätigkeiten seien – aber auch, wie weit fortgeschritten die Automatisierung im Unternehmen ist. Denn, so Jenni: Der Wirtschaft bereite die Tatsache Sorge, «dass es niederschwellige Berufsangebote zukünftig immer weniger geben wird». Viele dieser Jobs würden wegrationalisiert und automatisiert. Das würde bedeuten, dass die Nachfrage nach EBA-Fachkräften im Arbeitsmarkt sinkt. Obschon man mit «einer guten Portion Motivation und Arbeitsleistung» viel wettmachen könne.

Ansonsten beurteilen die Verbände den EBA-Weg als «sinnvoll und äusserst wichtig», die jungen Menschen als «arbeitsmarktfähig und praktisch gut veranlagt». Von der Wirtschaft erhält die Attestlehre also ein ähnlich gutes Zeugnis, wie vom Kanton. Dort verneint Zimmerli zwar nicht, dass ein EBA-Zeugnis keine Garantie für eine Anstellung ist. Aber: «Die hat man mit einer EFZ-Lehre ja auch nicht.»

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