Interpellation

Aus für stationäre Abteilung: Regierung gibt der Solothurner Spitäler AG Rückendeckung

Die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik in Solothurn verliert die stationäre Abteilung.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik in Solothurn verliert die stationäre Abteilung.

Der Regierungsrat unterstützt die Solothurner Spitäler AG, welche die stationäre Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie verlagern will. Die Regierung verlangt im Bereich der Kinderpsychiatrie aber einen Ausbau der Tagesstrukturen.

Mitte Januar sorgte die Solothurner Spitäler AG (soH) für Wirbel im Solothurner Kantonsrat. Sie hatte angekündigt, dass sie die stationäre Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie nach Basel, Bern und Liestal auslagern wird. Die Fraktionspräsidentin der Grünen im Kantonsrat, Barbara Wyss Flück (Solothurn), reichte auf diese Ankündigung hin im Rat eine Interpellation ein.

Darin forderte sie Antworten des Regierungsrates - unter anderem wollte sie wissen, wie die Grundversorgung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kanton Solothurn in Zukunft garantiert werden kann und auf Grund welcher Überlegungen sich die soH dazu entschieden hat, die stationäre Abteilung in andere Kantone zu verlagern. Ihre Interpellation haben über 60 Kantonsrätinnen und Kantonsräte aus allen Fraktionen unterschrieben. Wegen der Interpellation hielt sich der Kanton mehrere Wochen mit Informationen zurück. Mit Verweis auf die Interpellation blieben Medienanfragen zum Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie unbeantwortet.

Kanton steht hinter dem Entscheid der soH

In der Antwort auf die Interpellation aus dem Kantonsrat wird klar: Die Solothurner Regierung stellt den Entscheid der soH nicht in Frage. Gleich zu Beginn der Stellungnahme betont der Regierungsrat: «Der Verwaltungsrat der soH kann in eigener Kompetenz über die stationären und ambulanten medizinischen Angebote der soH entscheiden, insbesondere auch im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie.» Die soH habe lediglich die Pflicht, den Kanton über wichtige Entscheide zu informieren. Dieser Pflicht ist die soH laut der Regierung nachgekommen. Kritik üben an der soH will der Regierungsrat keine: «Es besteht keine Veranlassung, daran zu zweifeln, dass die soH ihre Verantwortung gegenüber der Solothurner Bevölkerung gewissenhaft wahrnimmt», schreibt der Regierungsrat.

Weiter bestätigt die Regierung, dass Spitäler in Basel und Bern die Spitalliste im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie bald ergänzen werden. Weiter betont der Kanton: «Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie erwarten wir von der soH einen Ausbau des aktuellen Angebots, insbesondere bezüglich Tagesstrukturen.» Damit ein Umbau im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kanton möglich ist, möchte die Regierung die Finanzierung anpassen. «Da die ambulante Kinder- und Jugendpsychiatrie schweizweit nicht kostendeckend entschädigt wird, sind im neuen Globalbudget Gesundheitsversorgung 2021-2023 zusätzliche finanzielle Abgeltungen festzulegen», schreibt der Regierungsrat.

SoH gibt Einblick in die Entscheidungsprozesse

Neben dem Regierungsrat nahm in der Antwort auf die Interpellation auch zum ersten Mal die soH ausführlich Stellung zu dem Entscheid. «Die soH hat es sich mit diesem Entscheid nicht leicht gemacht und ihn intensiv vorbereitet», so die soH in der Stellungnahme. Die soH habe verschiedene Möglichkeiten geprüft, «im Zentrum stand und steht dabei das Wohl der psychisch kranken Kinder und Jugendlichen», so die soH. Seit März 2018 wurde innerhalb der soH laut der Stellungnahme geprüft, wie es mit der stationären Abteilung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie weitergehen soll.

An einer Sitzung im September 2019 hatte der Verwaltungsrat schliesslich die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten: Einerseits gab es die Möglichkeit, das stationäre Angebot für Kinder und Jugendliche an den Hauptstandort der Psychiatrischen Dienste in Solothurn zu verlegen. Damit hätte die soH Synergien mit der Erwachsenenpsychatrie besser nutzen können. Andererseits gab es die Möglichkeit, die stationäre Versorgung in andere Kantone zu verlagern und dafür das ambulante Angebot im Kanton Solothurn auszubauen.

Ende Juni soll ein Konzept vorliegen

Bekanntlich entschied sich die soH für die zweite Möglichkeit; der Grund dafür ist laut der soH, dass die jungen Patienten in den Kantonen Bern, Baselland und Basel-Stadt in einem angepassten und spezialisierten Therapiesetting behandelt werden können. Etwas, das im Kanton Solothurn nicht mehr möglich sei. Dafür soll es im Kanton Solothurn Tageskliniken und aufsuchende Angebote geben. Momentan wird ein Projekt dafür ausgearbeitet, wie das ambulante Angebot aussehen soll und welche Ressourcen dafür notwendig sind. Per Ende Juni soll ein Konzept für die ausgebaute ambulante Angebot vorliegen.

Während der Projektphase will die soH auch von der Erfahrung anderer Kantone profitieren. Laut der soH existieren in verschiedenen Kantonen bereits ähnliche Angebote, «so dass sowohl inhaltlich als auch für die Zusammensetzung des therapeutischen Teams auf eine breite Erfahrung zurückgegriffen werden kann».

Bei einem geglückten Ausbau des ambulanten Angebots im Kanton dürfte laut der soH auch der Bedarf nach stationären Plätzen im Kanton Solothurn abnehmen.

Autor

Rebekka Balzarini

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