Kanton Solothurn
Auch der Samichlaus muss zu Hause bleiben – so sieht sein Plan B aus

Er kann am 5. und 6. Dezember nicht wie gewohnt um die Häuser ziehen und Kinder besuchen: Der Samichlaus. In manchen Gemeinden gibt es einzelne Besuche auf Abstand; in anderen Videobotschaften. Wir haben einen Samichlaus getroffen, der in dieser aussergewöhnlichen Lage Whatsapp nutzt, um Kinder und Erwachsene zu überraschen.

Noëlle Karpf
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Grüssen die Kinder dieses Jahr per Videobotschaft aus dem Wald: Samichlaus, Schmutzli und Eseli.

Grüssen die Kinder dieses Jahr per Videobotschaft aus dem Wald: Samichlaus, Schmutzli und Eseli.

Zur Verfügung gestellt

Der Samichlaus wohnt im Wald, zusammen mit Eseli und Schmutzli. Das ist bekannt. Was Sie aber mit Sicherheit nicht wussten: Der Samichlaus hatte als Kind, als er selbst noch Besuch vom Chlaus erhielt, Angst vor eben diesem. Hinter dem Klavier versteckte er sich dann jeweils. Und: Schon der Vater war Samichlaus und auch sein Bruder besucht Anfang Dezember Familien mit Kindern. Zumindest im Fall dieses einen Chlauses aus Biberist.

«Es gibt viele Samichläuse», erklärt er. «Einer allein kann die ganze Arbeit ja nicht erledigen.» Was den alten Mann mit Bart dieses Jahr zudem beschäftigt: «Der Samichlaus ist etwas einsam.» Denn: Er muss dieses Jahr im Wald bleiben.

Der Samichlaus sammelt trotzdem Värsli – digital

Trübsal blasen sei aber nicht angesagt. «Der Samichlaus ist schliesslich modern», und so hat er einen Plan B erarbeitet. Die Chläuse in Biberist haben zwar keine Autos – dafür eine Drohne und Kameras. So entstand ein Video, das Einblick ins Leben von Schmutzli und Samichlaus verschafft. Darin richten sich die beiden zudem an die Kinder, die sie dieses Jahr nicht besuchen können. 214 waren es 2019, insgesamt 84 Familien besuchten die Biberister Chläuse damals.

«Und dann spähen wir natürlich auch durchs Jahr hindurch immer wieder durch die Fenster – manchmal stehen die sogar offen und wir hören, was im Haus passiert», so der Samichlaus. Um zu schauen, ob das, was man besprochen hat, auch eingehalten wird: Öfter den Geschirrspüler ausräumen, die Ufzgi nicht so lange aufschieben, sich besser mit den Geschwistern vertragen.

Ja, manchmal muss der Samichlaus die Kinder tadeln. «Manchmal braucht es den alten Mann im Bischofskostüm, der mit Kindern über Dinge spricht, die sie ansonsten nur mit den Eltern ‹dürechätsche›», erklärt der Chlaus. «Das macht schon Eindruck. Vor allem, weil der Samichlaus dank seinem goldenen Buch, das er stets dabei hat, nie vergisst.»

Gross würden die Kinderaugen, wenn der Chlaus etwas anspreche, das «doch schon letztes Jahr nicht gut gelaufen ist». Aktuell beschäftige es den Samichlaus, dass viele Kinder viel Zeit vor dem Handy oder Tablet verbringen und nicht mehr so oft nach draussen spielen gehen.

Was der Samichlaus, der schon seit Jahren in Biberist unterwegs ist – nach seiner Einstiegskarriere als Schmutzli und anschliessenden Weiterbildung zum Chlaus – aber viel lieber macht: Loben. Wenn Kinder im Haushalt mithelfen, die Ufzgi gleich nach der Schule machen, lieb zu Eltern und Geschwistern sind. Und worüber sich der bärtige alte Mann auch freut: Värsli. Lieder. Musikstücke, die Kinder vorspielen.

«Der Chlaus zieht Jahr für Jahr um die Häuser und besucht Familien, weil er gerne Menschen hat und gerne Freude verbreitet.» Damit ihm dies heuer nicht ganz entgeht, hat der Samichlaus Whatsapp installiert. So können ihm Kinder Värsli oder Liedli zukommen lassen. Als Dankeschön antwortet der Samichlaus höchstpersönlich mit einer weiteren Nachricht.

Auch die Eltern beobachtet der Samichlaus

Der Samichlaus bleibt dieses Jahr in vielen Gemeinden des Kantons im Wald. In einigen Zünften hat man ebenfalls an Videobotschaften gearbeitet; andere bieten Besuche auf Abstand an.

«Es ist schade, dass wir dieses Jahr nicht von Haus zu Haus ziehen können», so der Biberister Samichlaus. Das habe man bereits im Oktober entschieden. Im Oktober? Ja, natürlich, der Samichlaus habe das ganze Jahr über zu tun. Er mache Notizen im goldenen Buch, spähe durch unzählige Fenster in die gute Stube hinein und bereite Päckli vor. «Es gab Jahre, da war der 6. Dezember quasi ein zweites Weihnachtsfest.» Einmal gab es so viele Geschenke, dass der Schmutzli sie gar nicht alle in den Jutesack brachte. «Mittlerweile hat sich das aber wieder gelegt», erzählt der Biberister schmunzelnd.

Denn manchmal kann der Samichlaus durchaus ein ernstes Wörtchen mit den Eltern reden. Diese schätzt er aber natürlich, wie die Kinder. Weshalb der 5. und 6. Dezember – dann sind die Chläuse in Biberist normalerweise auf Tour – seine liebsten Tage im ganzen Jahr sind. So freue sich der Samichlaus extrem auf 2021; wenn er hoffentlich wieder Familien besuchen darf, nachdem er länger als gewohnt im Wald bei Schmutzli und Eseli geblieben ist.

Nicht nur der Samichlaus freut sich über Värsli: Schicken Sie uns per Whatsapp ein Video – möglichst in Querformat – mit Sprüchli an 079 858 34 12. Wir überlassen es Ihnen, ob diese vom Nachwuchs, von Ihnen oder gemeinsam aufgesagt werden. Am 7. Dezember werden wir die gesammelten Werke online veröffentlichen.