Olten

Armeeanlage bietet Zwischenhalt für Syrer und Eritreer

Maximal 80 Männer aus Syrien und Eritrea werden ab Mitte September in Olten untergebracht.

Maximal 80 Männer aus Syrien und Eritrea werden ab Mitte September in Olten untergebracht.

Im Kanton wird der Platz für Asylsuchende knapp — nun wird eine Armeeanlage im Gheid in Betrieb genommen.

Der Flüchtlingsstrom in den Sommermonaten ist bedeutend grösser als im Winter. Wöchentlich treffen ungefähr 30 Asylsuchende im kantonalen Zentrum in Oberbuchsiten ein, von wo aus sie auf die weiteren Zentren verteilt werden. Aktuell gibt es im ganzen Kanton 347 Plätze für Asylsuchende, nahezu sämtliche davon sind zurzeit belegt. «Der Druck ist momentan sehr hoch», erklärt David Kummer, Abteilungsleiter des Amtes für Soziale Sicherheit.

So kommt es auch, dass Mitte September die Reserveunterkunft in der ALST im Oltner Gheid (ALST – Abteilung für Luftschutztruppen) in Betrieb genommen werden muss. Die Militäranlage konnte bis anhin von Vereinen gemietet und für Sportanlässe genutzt werden. Im September letzten Jahres vermietete die Stadt Olten die Anlage aber an das Amt für Soziale Sicherheit. Dieses würde im Notfall auf mittelfristiger Basis Asylsuchende darin unterbringen.

Da die unterirdische Militäranlage für Familien mit Kindern auf keinen Fall geeignet sei, wird die Gruppenunterkunft rund 80 allein reisende Männer, mehrheitlich aus Eritrea und Syrien, beherbergen, so Kummer. «Wir nehmen die unterirdischen Anlagen nur im Notfall in Betrieb, da ihr Unterhalt anspruchsvoller und viel personalintensiver ist als der einer oberirdischen.» Der Betrieb der Anlage wird von der ORS-Service AG übernommen. Die Schweizer Firma betreibt im ganzen Land 84 Bundes-, Kantons- und Gemeindezentren, sechs davon im Kanton Solothurn. Auch in Deutschland und Österreich ist die ORS-Service AG aktiv. Sie übernimmt dabei Betreuungs-, Beschäftigungs- und Bildungsaufgaben.

Anlage in gutem Zustand

«Die ALST-Militäranlage wurde stets in einem guten Zustand erhalten», sagt Franco Giori, Leiter Öffentliche Sicherheit der Stadt Olten. Es müsse jedoch noch vor dem Einzug der Asylsuchenden ein klar zugewiesener Zugangs- und Aufenthaltsbereich definiert und durch einen bauchhohen Zaun eingegrenzt werden. Ebenfalls eingezäunt werden soll die an das Gelände angrenzende Stadtgärtnerei.

Im Falle der Oltner Reserveunterkunft werden sieben Betreuer inklusive einer stehenden Nachtwache (nicht schlafend) eine Rundumbetreuung gewährleisten. Für den Unterhalt der Anlage werden die Bewohner im Rahmen des internen Beschäftigungsprogramms selbst sorgen, dazu gehören Putzen, Waschen und Kochen. Für die externen Arbeiten werden die Männer nach Absprache mit den Kommunen Gemeindearbeiten und Neophytenbekämpfung oder die Instandhaltung von Wanderwegen übernehmen können. Diese Arbeit soll Struktur in den Tagesablauf bringen und wird nicht direkt entschädigt.

Bei grösseren Anlagen wie der ALST-Militärunterkunft kommt stets eine Begleitgruppe bestehend aus Betreiberfirma, Gemeinde und Polizei zum Einsatz, welche sämtliche Vorgänge einsieht und somit die Akzeptanz in der Bevölkerung fördern soll. Konkrete Befürchtungen, dass der bevorstehende Einzug der Asylsuchenden bei der Oltner Bevölkerung Proteste auslösen könnte, hat David Kummer keine. «Die ALST befindet sich an einer sehr guten Lage, abseits der Wohnbevölkerung.»

Betrieb für vorerst ein Jahr

Die Anlage im Gheid wird vorerst für maximal ein Jahr in Betrieb genommen. Sobald Plätze in oberirdischen Zentren frei werden, würden die 80 Männer verteilt, so David Kummer. Man könne davon ausgehen, dass die Zahl der Asylsuchenden in den Wintermonaten zurückgeht, da die Reisebedingungen viel schwieriger sind. Die normale Aufenthaltszeit in einem Kantonalen Zentrum wie der ALST beträgt vier bis sechs Monate. Danach werden die Asylsuchenden bestmöglich in Gemeindestrukturen eingegliedert. «In den Zentren besuchen die Asylsuchenden vom ersten Tag an Deutschkurse und bekommen einen Einblick, wie es hier in der Schweiz abläuft», erklärt David Kummer. Nur etwa die Hälfte der in der Schweiz eingetroffenen Flüchtlinge würden schliesslich auf die Gemeinden verteilt. Personen mit Negativentscheid und Dublin-Fälle (Ersteinreiseland ist nicht die Schweiz) werden im Zentrum behalten und müssen von dort aus wieder ausreisen.

«Man kann nie genau vorhersagen, wie es mit dem Flüchtlingsstrom weitergeht und wie lange die Oltner Militäranlage genutzt werden muss», so Kummer. «Diese Unterkunft ist ganz klar eine Notlösung und wird, sobald sie nicht mehr gebraucht wird, wieder geschlossen.»

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