«Luxory»-Mord
Angeklagter Saban B.: «Das war krank, was ich da gemacht habe»

Das Solothurner Obergericht hat am Mittwoch den Mord am «Luxory»-Türsteher vom April 2011 in Grenchen verhandelt. Der angeklagte 25-jährige Kosovar fordert, dass das Gericht die Freiheitsstrafe reduziert und von einer Verwahrung absieht.

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Saban B. wird vor Gericht geführt.

Saban B. wird vor Gericht geführt.

Tele M1

Saban B.* war es, der am 3. April 2011 einen Türsteher vor dem Grenchner Club «Luxory» mit einem Messer getötet hat. Dafür war er vom Amtsgericht Solothurn-Lebern zu 16 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt worden. Dieses Urteil hat der heute 25-Jährige angefochten, weshalb sich am Mittwoch das Obergericht mit dem Fall beschäftigte.

Dabei suchten die Richter Hans-Peter Marti, Daniel Kiefer und Marcel Kamber im Wesentlichen Antworten auf drei Fragen: Ist der Angeklagte in vollem Umfang schuldfähig? Muss statt der heutigen Verwahrung eine stationäre Therapie angeordnet werden? Wie viele der total sieben Messerstiche gehen auf das Konto des Kosovaren?

Es gehe ihm schlecht, lautete Saban B.s. erste Aussage. Seine Mutter sei vor drei Monaten gestorben, die Verwahrung mache ihn depressiv und die Therapie in der JVA Lenzburg verlaufe nicht gut. Lobende Worte fand er derweil für die Psychologin, in deren Obhut er in der Strafanstalt Bostadel (ZG) gewesen war. Dank ihr habe er aufgehört zu kiffen. «Ich mochte sie, sie war wie meine Schwester.» Und von ihr sei er mit der Tat konfrontiert worden. Der jetzige Therapeut spreche nur über Alltägliches.

Daran, dass er vor zehn Monaten nach Lenzburg verlegt wurde, sei er allerdings selbst schuld. «Ich habe ziemlich viel Scheiss gebaut.» Ähnliche Einsichten zeigte B. auch erstmals bezüglich seiner Tat vom 3. April 2011. «Das war krank, was ich da gemacht habe. Ich schäme mich.» Er sei extrem gefühlskalt gewesen, habe seine Familie und seine Kollegen «bschisse». Nun wolle er ein anderer Mensch werden. Er habe in den letzten drei Jahren viel gelernt und konsumiere keine Drogen mehr. Nach seiner Haft wolle er in den Kosovo ziehen und eine Familie gründen.

Unklare Aussagen des Gutachters

Saban B. ist derzeit in Verwahrung, aber ist das überhaupt zulässig? Um dies zu klären, wurde Lutz-Peter Hiersemenzel befragt. Er hatte das psychiatrische Gutachten von Saban B. verfasst und war darin zum Schluss gekommen, der Beschuldigte leide unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung und sei daher leicht vermindert schuldfähig. Die Störung an sich sei «weitgehend unbehandelbar». Laut Gesetz gelte jemand aber erst als unbehandelbar - und darf damit verwahrt werden - «wenn eine seriöse Therapie gescheitert ist», wie Richter Daniel Kiefer ausführte.

Hat das Amtsgericht B. um sein Recht gebracht? Denn statt einer Verwahrung hätte dieses eine stationäre Therapie anordnen können. In der Verwahrung wird Saban B. zwar ebenfalls therapiert, dies aber weitaus weniger intensiv.

In der Befragung Hiersemenzels taten sich die Richter sichtlich schwer, da dieser auf die Frage, ob der Angeklagte untherapierbar ist, meist ausweichend antwortete. Saban B. schätze er als «grundsätzlich therapierbar» ein. Dass mit der stationären Therapie höhere Erfolgschancen für eine positive Veränderung beständen als mit der momentanen Therapie bezweifelte er aber. Die Tat habe B. nur zum Teil aufgrund seiner psychischen Störung verübt.

«Die Unsicherheit, die Ihre Aussagen bei mir auslösen, wächst», gab Richter Marcel Kamber schliesslich zu. Doch auch mit seiner letzten Aussage beantwortete der Gutachter die Frage, ob Saban B. untherapierbar sei, nicht.: «Eine stationäre Therapie ist sicher möglich, ich bezweifle aber, dass sie wirklich durchführbar ist.»

Der Angeklagte zumindest konnte sich gestern wieder an die Anzahl der von ihm ausgeführten Messerstiche erinnern: «drei bis vier maximal.» Da seit dem ersten Prozess jedoch keine neuen Beweise für die Mitwirkung durch Dritte gefunden werden konnten, war Staatsanwalt Toni Blaser der Meinung, es gäbe keinen ernsthaften Zweifel daran, dass B. selbst siebenmal zugestochen habe.

Er verblieb in seinem Plädoyer beim Antrag, den Kosovaren zu 16 Jahren und 3 Monaten Haft zu verurteilen und ihn zu verwahren.

B.s Anwalt Viktor Müller beantragte hingegen maximal acht Jahre Haft für seinen Mandanten. «Es ist nicht erwiesen, dass der Beschuldigte dem Opfer alle Stichwunden zugefügt hat.» Dem Gutachter warf er «eine gewisse Befangenheit» vor und beantragte eine Neubegutachtung, da bei Saban B. während der letzten drei Jahre deutlich positive Veränderungen eingetreten seien. Weiter seien stationäre Massnahmen anzuordnen. «B. wünscht sich eine intensivere Therapie.»

Das Urteil wird am Montagmorgen verkündet.

Name geändert

Toter nach Messerstecherei in Grenchner Disco
8 Bilder
Ein Türsteher wurde mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt.
Die Polizei sichert Spuren.

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