Das ist also das nächste Kapitel im Fall von Andres Z., der als St.-Ursen-Brandstifter im ganzen Land bekannt geworden ist. Am Zug sind nun nicht mehr die Strafverfolger, sondern die Erwachsenenschützer der Kesb: Der Mann wird doch noch nicht in Freiheit entlassen. Und das, obwohl das Bundesgericht in der vergangenen Woche letztinstanzlich beschlossen hat, dass Andres Z. auf freien Fuss gesetzt werden muss. Seine Verwahrung ist laut den Lausanner Richtern nicht zulässig.

Spätestens sieben Tage nach Erhalt des Urteils sei der Mann aus dem Gefängnis zu entlassen, befand das Bundesgericht in der vergangenen Woche. In diesen Tagen wäre es so weit gewesen. Doch die Staatsanwaltschaft hat eine Gefährdungsmeldung bei der Kesb eingereicht.

Wegen dieser ist jetzt ein zivilrechtliches Verfahren eingeleitet worden. Die Kesb will zuerst prüfen, welche Betreuung der Mann «zum Schutz von Dritten und zum eigenen Schutz» künftig benötige. Bis diese Abklärungen abgeschlossen seien, müsse der bald 67-Jährige «in einer Institution» bleiben. Das kantonale Amt für soziale Sicherheit bestätigte eine entsprechende Meldung des «Regionaljournals» von Radio SRF.

Auf Anfrage wollte sich Amtschefin Claudia Hänzi nicht näher dazu äussern, wo genau sich Andres Z. derzeit befindet. Zumindest am Dienstag war er noch im Oltner Untersuchungsgefängnis inhaftiert. Laut «TeleM1» wollte Andres Z. nach Olten zu seiner Frau ziehen und sich dort ans Leben in der Freiheit gewöhnen.

Claudia Hänzi vom Amt für Soziale Sicherheit erklärt das Vorgehen

Die Abklärungen der Kesb sollen laut Hänzi schnell abgeschlossen werden. Dies vor allem auch im Interesse des Betroffenen.

Für Strafrechtsexperten ist klar, dass es nicht rechtens ist, Andres Z. weiter in Haft zu behalten. «Das ist ein Machtmissbrauch», sagt Strafrechtsprofessor Stefan Trechsel gegenüber «TeleM1». «Jemand, der freigelassen werden soll, muss freigelassen werden.» 

«Teure Alibi-Therapien»

Andres Z. wandte sich derweil in einem Brief an diese Zeitung. Darin wiederholt er frühere vor Gericht gemachte Aussagen und schreibt unter anderem von einer «Hetzjagd» gegen ihn. So treffe es nicht zu, dass er sich partout auf keinen Therapeuten eingelassen habe. Vielmehr hätten ihn die meisten nicht verstanden. Und «teuren Alibi-Therapien» verwehre er sich. Seine psychische Gesundheit, beteuert Andres Z. weiter, lasse er aber gerne überprüfen.

Weil stationäre Therapie-Massnahmen nicht auf Anklang stiessen, beantragten die Vollzugsbehörden im Juli 2015 für ihn eine nachträgliche Verwahrung. Das Solothurner Obergericht und zuletzt das Bundesgericht sahen die Voraussetzungen für eine Verwahrung jedoch nicht erfüllt. Denn der Mann habe keine Menschen verletzt oder gefährdet, als er straffällig wurde.

Vor Gericht wurde Andres Z. vom bekannten Rechtsanwalt Valentin Landmann verteidigt. Der Zürcher Strafverteidiger will sich weiterhin für ihn einsetzen, betonte er kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung: «Ich finde es gut, wenn ihm die Gelegenheit gegeben wird, endlich wieder in Freiheit zu leben.»

Er kritisiert das Vorgehen aber sehr, wie er gegenüber «TeleM1» verlauten lässt:

Valentin Landmann zur Kesb

(sva/ldu)