Coronakrise

Ärzteschaft in der Region setzt auf Telefon und Trennwände

Die «Corona-Wartezone» in der Hausarztpraxis in Langendorf. Hier müssen Patientinnen und Patienten mit Corona-Symptomen warten.

Die «Corona-Wartezone» in der Hausarztpraxis in Langendorf. Hier müssen Patientinnen und Patienten mit Corona-Symptomen warten.

Das Coronavirus führt auch für Hausärztinnen und -ärzte zu Umstellungen. Überfüllte Praxen gibt es derzeit nicht - im Gegenteil. So werden Patientinnen und Patienten in der Krise versorgt und Mitarbeitende vor einer Ansteckung geschützt.

So mancher Berufsalltag wurde durch das Coronavirus auf den Kopf gestellt. Auch derjenige der Hausärztinnen und Hausärzte im Kanton. In der Hausarztpraxis Weissenstein in Langendorf etwa wurde eine Nische neben dem Treppenhaus mit Plastik abgetrennt. Die Nische ist in rot mit «Wartezone Husten/Fieber» angeschrieben, hier sollen Leute mit Coronasymptomen waren. Am Empfang werden die Leute direkt in diese rote, oder in die grüne Zone – das bisherige Wartezimmer – triagiert, wie Hausarzt Andreas Betschart erklärt. Von der roten Zone geht es direkt in ein spezielles, separates Sprechzimmer.

Auch in der Gruppenpraxis in Zuchwil gibt es sichtbare Umstellungen wegen der Krise. Am Empfangsschalter wurde eine Glasscheibe aufgestellt, die Mitarbeitende am Empfang und Eintretende voneinander trennt. Auch hier gibt es zudem verschiedene Sprechzimmer für Corona- oder Verdachtsfälle und die restliche Kundschaft. Auch zeitlich gesehen finden die Sprechstunden getrennt statt. Laut Hausärztin Simon Eugster hat diese Trennung Priorität – in allen Praxen im Kanton. Eugster ist nämlich auch Co-Präsidentin der kantonalen Vereinigung der Hausärztinnen und Hausärzte.

Einerseits geht es nun darum, Neuansteckungen zu verhindern, und andererseits soll die gesundheitliche Versorgung, der Betrieb in den Praxen im Kanton, gerade in Anbetracht der erwarteten Welle an Patientinnen und Patienten, aufrechterhalten werden.

Mehr telefonische Beratungen, mehr Hausbesuche

In Langendorf und in Zuchwil trägt das Team Schutzmasken. Was Kontakt mit Patientinnen und Patienten zudem eindämmt: «Wann immer möglich werden auch Konsultationen telefonisch durchgeführt», berichtet Eugster. Diese Telefonate stellten aktuell gar den grössten Mehraufwand in den Arztpraxen dar. Einerseits rufen Viele an, die auf Grund von Coronasymptomen nicht wissen, wie sie vorgehen sollen. Gleichzeitig erhalten Hausärztinnen und -ärzte derzeit auch vermehrt Anfragen wegen Erkältungen, die nun ebenfalls abgeklärt werden müssen. Ähnliches erzählt auch Betschart aus Langendorf: «Die schwierigste Arbeit bewältigen unsere Praxisassistentinnen, denn diese beraten von früh bis spät Patienten im Telefon und können so viele Menschen beruhigen und sicherstellen dass Patienten mit Symptomen, denen es ordentlich geht, zu Hause in Selbstisolation bleiben.»

Um Neuansteckungen möglichst zu verhindern, werden laut Eugster aus Zuchwil zudem vermehrt chronisch Kranke – die das Virus nicht haben, aber zur Risikogruppe zählen – zu Hause behandelt. «Oder wir versuchen die Medikamentenlieferung nach Hause mithilfe von Angehörigen, der Spitex oder auch durch die Praxis zu organisieren.»

Nicht nur Coronabetroffene müssen behandelt werden

Das dürfe man ohnehin nicht vergessen: «Auch während einer Pandemie soll der Blutdruck eingestellt sein, eine rheumatologische Erkrankung diagnostiziert und begleitet und ein akuter Herzinfarkt rasch erkannt und behandelt werden», so Eugster. Das sagt auch Betschart in Langendorf: «Wichtig erscheint mir, vor lauter Vorsichtsmassnahmen nicht zu vergessen, dass wir viele betagte und kranke Patienten behandeln die unabhängig von der aktuellen Situation krank sind und deren Betreuung nicht zu kurz kommen darf.»

Die ganze Situation ist eine Herausforderung, führe zu Anspannung, schreibt Betschart. Und gleichzeitig: sei man «sehr motiviert unseren Beitrag zu leisten!». Man spüre viel Solidarität, werde moralisch von der Bevölkerung unterstützt. «Dabei gehen wir einfach nur unserer Arbeit nach», so der Hausarzt. «Meine Bewunderung gilt vielmehr all den Eltern, die aktuell versuchen müssen mit kleinen Kindern zu Hause einen halbwegs normalen Alltag zu gestalten.»

In Langendorf habe die Gemeinde Raum und Mobiliar für die Umstellung in der Praxis zur Verfügung gestellt, Handwerker hätten die Umbauten innert kürzester Zeit vorgenommen.

Auch Eugster stellt grosse Solidarität fest: Viele Leute hielten sich an die Vorgabe, zuerst anzurufen, bevor sie in die Praxis gehen. Ein lokaler Lebensmittelbetrieb habe zudem Handdesinfektionsmittel gespendet. Und der Umbau in der Praxis sei dank des lokalen Schreiners ganz unkompliziert verlaufen – was innert zwei Tagen zur eingangs erwähnten Trennwand im Empfangsbereich geführt hat.

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