Solothurn

2020 – oder die Kreativität in der Krise

Reto Emch trotzt im Haus der Kunst Solothurn dem Coronavirus mit eigenen spannungsvollen Fotoarbeiten.

Das Jahr 2020 wird ein weltumspannend fester Begriff sein, hat und hatte doch das Coronavirus alles fest im Griff. Aber nun ist die Kunst wieder da, Museen und Galerien dürfen öffnen. Und wenn auch die ursprünglich geplante und vorbereitete Ausstellung im Haus der Kunst abgesagt werden musste, Reto Emch hat sich etwas einfallen lassen und beweist, wie man aus der Krise heraus mit Mut und Kreativität eine Ausstellung jetzt mit eigenen Werken – zu einem spannungsvollen Ort der Kontemplation erweitert.

Seine fotografischen Grossformate, die auch als handliche Arbeiten gezeigt werden, stellen das Medium Fotografie in ein neues Licht. Denn das Licht spielt in diesen Fotografien eine wesentliche Rolle neben den atmosphärischen Farben. Es führt vor, wie man mit der Kamera malen kann, wobei man unweigerlich an grosse Maler wie Rembrandt erinnert wird.

Architekturen im Umbau als Sujets

Die Sujets sind Architekturen im Umbau, meist Kirchen, auch stillgelegte Geschäfte, die Reto Emch auf einer Reise 2019 entlang den Küsten Italiens, Spaniens, Frankreichs und Portugals entdeckte und fotografierte. Allein mit einer einfachen Digitalkamera, denn nicht die Technik ist für Reto Emch relevant, sondern das narrative Visualisieren von Ausdruck, wirkungsvoller Stimmung und sinnbildreicher Atmosphäre. In der fotografischen Vergrösserung verwandeln sich die in Plastik verhüllten Architekturen des Umbaus in malerisch weiche und intime Prozesse der Veränderung.

Eine zeitlose und subjektive Nichtverortung, die in diesen Baustellen, geschlossenen Geschäften, fremd wirkenden Räumlichkeiten ungeahnte räumliche Tiefen und Weiten eröffnen. Diese fotografischen Ausschnitte weisen in ihren Hochformaten auf einen sakralen oder geheimnisvollen Ort, inszenieren Bilder des Innehaltens, des zu Ruhekommens. In subtil gezeichnete Unschärfen getaucht, suggerieren die Plastikverkleidungen die Plastizität steinerner Skulpturen mit den charakteristischen Faltenwürfen. Der konzentrierte, nicht definierbare Lichteinfall – lichtvoll oder sublimes Blau – taucht die kirchenarchitektonischen Ausschnitte in spannungsvolle Kontraste.

Die Momentaufnahmen öffnen sich zu einer imaginären wie erhabenen Tiefe. Der Einblick in die sakralen Baustellen erscheint greifbar, ergreifbar und unendlich.

Eine besondere Wirkung erzielt Reto Emch, indem er die grossformatigen Fotografien auf Dibond aufgezogen installativ an den Wänden aufbaut, teils mit Plastikfolien eine situative dramaturgische Situation bewirkt und derart das Haus der Kunst um eine neue räumliche Bedeutung innerhalb dieser fotografischen Geschichten bereichert.

Ein Ort der Kontemplation zum Nachklang der Krise

Die im Hauptraum aufgestellten, gelb gestrichenen Bänke imaginieren einen Ort der Kontemplation, um im Nachklang der Pandemie einen Augenblick innezuhalten, in die Ruhe dieser Ausstellung einzutauchen. Im Chorraum dann zeigen ausgerollte mattgraue Bleibänder, wie Licht, Reflexion und Zeit eine Symbiose der Veränderung eingehen. Denn – obwohl unbearbeitet – spielen die variierend changierenden Farbläufe illusionistisch mit der Wahrnehmung.


Erweitert bis 5.7.2020. Do–Fr 17–20 Uhr, Sa–So 13–17 Uhr, an Feiertagen 13–17 Uhr oder n. Vereinbarung 032 62109 80/079 208 58 27. Es dürfen maximal 25 Personen gleichzeitig in die Ausstellung. Eingang und Ausgang separat über einen Rundgang geführt.

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