Grenchen

Zusatzarbeit und gleichzeitig weniger Aufträge: Das Paradox beim Putzen

Reinigungen von Büros nehmen ab.

Reinigungen von Büros nehmen ab.

Einigen Firmen beschert die Corona-Krise zusätzliche Aufträge, andere Aufgaben sind merklich zurückgegangen.

Es klingt nach einem Paradox: Bei den Grenchner Reinigungs- und Hauswartfirmen verläuft die Bruchlinie zwischen Zusatzarbeit und gleichzeitig wegbrechenden Aufträgen innerhalb der einzelnen Unternehmen. Das zeigt eine Umfrage. Personal, das aufgrund leerer Büroräume freie Kapazität hat, kann bei manchen Firmen die Mehrarbeit bei den Wohnliegenschaften übernehmen.

Desinfizieren von Handläufen und Liftknöpfen

«Solange es so bleibt wie jetzt, ist es okay», sagt Ganimete Dervishaj von Dervishaj & Partner. «Bei den Hauswartaufträgen gehen wir derzeit zwei- bis dreimal pro Woche zusätzlich zum Desinfizieren der Handläufe und Liftknöpfe», erklärt sie. Wo möglich werde das in den Randzeiten erledigt. Dies mit dem Ziel, im Treppenhaus Begegnungen mit Bewohnern zu vermeiden.

Viel Arbeit hat die Firma Grimbühler, wie Cindy Lack, Tochter des Gründers, ausführt. Denn zu den langjährigen Aufträgen in der Industrie seien in der Region jetzt mehrere Banken hinzugekommen. Diese hätten für die Gebäudereinigung offenbar ein neues Regime begonnen, so Lack. Für die Desinfektion der Handläufe, die ohnehin gemacht werde, verwende man nun ein schärferes Mittel.

Verwaltungen zurück­haltend mit Desinfektion

«Wir merken, es ist schon ruhiger», sagt Denise Hinni, Teamleiterin beim BSA Haus- und Gartenservice. Zusätzlich zu den Routineaufgaben werde jetzt jede Kontaktfläche gründlich mit Alkohol behandelt. Die Firma ist auf die Hauswartungen von Wohnliegenschaften spezialisiert, das Einzugsgebiet erstreckt sich von Aarberg bis Bätterkinden.

Bei der Firma Aboflex machen sich nach Aussage von Geschäftsführer René Amigo Absagen von Büroreinigungen empfindlich bemerkbar. Allgemein stellt er bei der Hauswartung fest, dass die Verwaltungen auf Normalbetrieb setzen: «Wir haben die Desinfektionsmittel gekauft und nachgefragt. Doch bisher gibt es keine grossen Wünsche, sie zu verwenden. Ungebeten tun wir das nicht, die Spezialmittel gehen ins Geld.»

Das Zügeln wird auf Eis gelegt

Veränderungen stellen mehrere Firmen bei den Wohnungsabgaben fest. Gezügelt wird weniger als sonst, und wenn, dann ohne professionelle Unterstützung. Wer kann, bleibt, wo er oder sie ist, was in Grenchen dank der hohen Leerstände oft machbar ist. Neben den Putzinstituten leiden darunter die Transportfirmen.

«Für diese Woche haben wir noch extrem viel zu tun, nachher ist gähnende Leere», sagt die Geschäftsführerin von Kaufmann Transporte, Ursula Alaya. «Jetzt muss der Staat in die Hosen und uns kleine Firmen und Selbstständige retten», fordert sie. «Die Leute haben mehr Angst um ihre Existenz als vor irgendwas sonst.»

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