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Wohntage stehen im Zeichen der «Sharing Economy»

Virtueller Wohnungsrundgang für Mieter im Internet: Neue Wohnüberbauungan der Grenchner Haldenstrasse.

Virtueller Wohnungsrundgang für Mieter im Internet: Neue Wohnüberbauungan der Grenchner Haldenstrasse.

Wird die Wohnungsnot in den Städten durch Plattformen wie Airbnb vergrössert? Hinweise darauf gibt es. Die diesjährigen Grenchner Wohntage gehen den Fragen der Sharing Economy und der Rolle des Internets auf den Grund.

Das Internet verändert das Wohnungswesen nicht nur durch technologische Gadgets, beispielsweise wenn man sich auf Vermietungsportalen in 3D-Animation durch ein Haus oder eine Mietwohnung bewegen kann. Die neuen technischen Möglichkeiten können den ganzen Markt verändern.

Die Fachtagung der 21. Grenchner Wohntage vom 3. November 2016 beschäftigt sich unter dem Titel «Börsen, Plattformen und soziale Netzwerke: Welche Auswirkungen auf das Wohnen?» mit den Folgen der Digitalisierung und Sharing Economy auf das Wohnen und die Gestaltung des Alltags.

Plattformen schaffen Kontakte und virtuelle Nähe, können Personen und Interessen zusammenführen, sind schnell, verursachen geringe Kosten und laden zum Teilen ein. Ihre Reichweiten können sehr unterschiedlich sein und vielfältig sind auch die Anwendungen. Crowdfunding bietet sich beispielsweise als Finanzierungsspritze für gemeinschaftlich orientierte Wohnprojekte an, über die digitale Erfassung von Bewerber- und Bewohnerprofilen kann die gewünschte Zusammensetzung der Bewohnerschaft innerhalb einer Wohnsiedlung mit relativ wenig Aufwand gesteuert werden.

Mehr als nur Haustechnik

«Die allgemeine Digitalisierung macht vor dem Thema Wohnen nicht halt, ja hat hier schon verbreitet Fuss gefasst», begründet Lukas Walter, Programmleiter der Wohntage beim Bundesamt für Wohnungswesen in Grenchen (BWO) die Themenwahl der diesjährigen Wohntage. Auch wenn viele hier unter der Digitalisierung nur die Haustechnik verständen, sei der Einfluss des Internets und der damit verbundenen Sharing Economy auf den eigentlichen Wohnungsmarkt nicht zu unterschätzen. «Das Handy und die sozialen Netzwerke verändern vieles, das mit Wohnen und zusammenhängt. Dem wollen wir an der diesjährigen Tagung auf dem Grund gehen», erklärt Walter.

Die Sharing Economy hat auch Schattenseiten. Allein in Berlin soll es laut einem Bericht des Organs des Schweizer Mieterverbands 14'000 Wohnungen geben, die im Internet zur temporären Vermietung ausgeschrieben sind, beispielsweise an Touristen. Die deutsche Hauptstadt hat deshalb ein «Zweckentfremdungsverbot» erlassen, da der Stadt so dringend benötigter Wohnraum entzogen werde. «Wie stark diese Praxis in der Schweiz verbreitet ist, wird zurzeit aufgrund eines parlamentarischen Vorstosses abgeklärt», erklärt Lukas Walter.

Schliessen sich gewinnorientierte Vermarktung und geteiltes Wirtschaften gezwungenermassen aus? Solchen und weiteren Fragen geht die Tagung anhand von konkreten Beispielen mit Gesprächspartnern aus unterschiedlichen Bereichen nach. Dazu gehören auch zwei Podiumsgespräche mit verschiedenen Akteuren aus dem Immobiliensektor, der Politik und der Wissenschaft, darunter dem Zürcher «Politgeografen» Michael Hermann.

Vom Telefon zur Quartier-App

Sharing Economy ist auch mehr als geteilter Wohnraum. So wird auch ein bewusster Umgang mit Konsumgütern thematisiert, studentisches Wohnen und Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften. «Smart territories, Smart Cities» lautet eine weitere Affiche, an der eine Quartier-App vorgestellt wird. Quartier-Apps bieten Hilfestellungen im Zusammenleben in der Nachbarschaft und für das Ausleben gemeinsamer Anliegen. 

Für die ganztägige Fachtagung am 3. November im Parktheater kann man sich noch bis zum 26. Oktober anmelden. Die Teilnahmegebühr (inkl. Mittagessen) beträgt 200 Franken.

Preisverleihung, Diskussion, Film

Wer mit weniger Geld und gleichwohl genug Interesse an die Themen Architektur und Wohnen herangehen möchte, dem bieten sich weitere Möglichkeiten im Rahmen der Wohntage Als Verbundprojekt zwischen dem Bundesamt für Wohnungswesen BWO, der Stadt Grenchen, des Kantons Solothurn sowie dem Architekturforum im Touringhaus Solothurn, vermitteln sie in drei öffentlichen (und kostenlosen) Veranstaltungen Themen mit Bezug zum Wohnen: Der Kanton Solothurn vergibt am 3. November 2016 im Kunsthaus Grenchen seine Architekturpreise für «Werke aus dem gestalteten Lebensraum 2013 – 2016».

Ein Kinoabend am 7. November 2016 zeigt die bitterböse Komödie «Allein unter Nachbarn – La Comunidad» (vgl. Kasten). Eine Diskussionsrunde mit dem Titel «Kunstberichterstattung an der Wohnfront» beendet die Reihe am 10. November 2016 und setzt gleichzeitig den Schlusspunkt unter die virtuelle Ausstellung www.virtuos-virtuell.ch von Visarte Solothurn, dem Berufsverband für visuelle Kunst.

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