Barbara Bernard

«Wöchentliches Training ist wichtig»: Kulturpreisträgerin spricht über ihre Arbeit als Ballettlehrerin

Barbara Bernard mit ihrer talentierten Elevin Cléa Guerry in ihrem Ballettstudio.

Barbara Bernard mit ihrer talentierten Elevin Cléa Guerry in ihrem Ballettstudio.

Die Ballettlehrerin Barbara Bernard erhält im Januar den Kulturpreis 2020 der Stadt Grenchen «für ihr langjähriges und konsequentes Schaffen».

Barbara Bernard-Schildknecht erhält am kommenden 16. Januar von der Stadt Grenchen den Kulturpreis 2020 verliehen. «Ich kann es kaum fassen, denn damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet», erklärt die Ballettlehrerin, welche in Grenchen und Solothurn Generationen von Elevinnen und auch einige Knaben in die Geheimnisse des klassischen Balletts eingeweiht hat. Zwar hat die in Brügg b. Biel wohnhafte Ballettlehrerin bereits im Jahr 2009 einen kantonalen (solothurnischen) Anerkennungspreis für Tanz für ihr Engagement erhalten. Jetzt erhält sie auch noch im Zentrum ihres Wirkungskreises, in Grenchen selber, eine Auszeichnung.

Barbara Bernard erhält den Kulturpreis 2020 «für ihr langjähriges und konsequentes Schaffen», wie die Stadt unlängst mitteilte. Sie habe in ihren zwei Ballettschulen in Grenchen und (ehemals) in Solothurn unzählige Mädchen und auch einige Knaben an das klassische Ballett herangeführt, «deren Liebe für die Pliés, die Pirouetten, den Ausdruck und die absolute Körperspannung geweckt», wie es heisst. Einige ihrer Schülerinnen tanzten und tanzen auf internationalen Bühnen (Berlin, Hagen, Halle Saale, Karlsruhe, Basel, Zürich und an der Staatsoper Wien). Andere wurden an bedeutende Ballettberufsschulen aufgenommen. Bernard führt auch alle zwei Jahr Ballettabende im Parktheater durch.

Jetzt steht sie selbst einmal im Mittelpunkt

In der Tat konnte in diesen Spalten immer wieder über Erfolge und Ambitionen von Jungtalenten berichtet werden, welche bei ihr den Unterricht besuchen. Jetzt steht sie selbst einmal im Mittelpunkt. Barbara Bernard-Schildknecht ist in Wuppertal (Deutschland) geboren und aufgewachsen und 1981 – nach Beendigung ihrer Bühnenkarriere – in die Schweiz gekommen.

Sie sei «wohlbehütet» aufgewachsen, erzählt sie schmunzelnd anlässlich eines Besuches in ihrem Studio im 1. Stock des ehemaligen Warenhauses Meyer an der Löwen-Kreuzung. In die Ballettstunde wurde sie als Sechsjährige zunächst von ihren Eltern geschickt, fand aber rasch Gefallen daran. Sie habe dann praktisch ihre ganze Freizeit mit Ballett verbracht – «Zweimal Training auswärts die Woche und sonntags kam der Ballettlehrer auch noch nach Hause. Da wurden dann die Teppiche zurückgerollt ...» Bereits mit 14 beendigte sie die Realschule (was damals möglich war): «Ich sah einmal eine Rechenaufgabe einer oberen Klasse und dachte mir, so was brauchst Du auf der Bühne bestimmt nicht» erzählt Bernard lachend.

Mit Maurice Béjart zusammengearbeitet

Mit 16 erhielt Barbara Bernard ihr erstes Engagement in Wuppertal, wo sie das Solo als Julias Traum in «Romeo und Julia» von Hector Berlioz tanzte. Sie blieb danach bis anfangs 30 aktiv und tanzte auf Bühnen in Deutschland und auf Europatourneen.

Unvergesslich blieb ihr die Zusammenarbeit mit dem berühmten Choreografen Maurice Béjart in Köln: «Eine faszinierende, ja fantastische Persönlichkeit und dennoch so menschlich», schwärmt sie. Auf der Bühne hat sie auch ihren Ehemann kennen gelernt, den Schweizer Opernsänger und späteren Filmproduzenten Gregor Schildknecht, der leider 2017 verstorben ist. Durch ihn wurde Bernard Schweizerin und kam in die Region Biel.

50 bis 60 Schülerinnen kommen regelmässig

Nach dem Abschied von der Bühne entschloss sie sich, ein eigenes Ballettstudio zu eröffnen. Da die Konkurrenz in Biel gross war, fiel die Wahl auf Grenchen, was sie nie bereute. Später kam auch noch eine Filiale in Solothurn dazu.

Inzwischen besteht das Studio in Grenchen seit 33 Jahren. Noch immer betreut sie zwischen 50 und 60 Eleven wöchentlich, die meisten im Gruppenunterricht in kleinen klassen, besondere Talente wie z. B. die 14-jährige Bielerin Cléa Guerry (Bild) auch im Einzelunterricht. «Sie ist jung, hat viel Talent und alle Eigenschaften, um es noch einmal weit zu bringen.»

Grundsätzlich brauche es für den Ballettunterricht ausser Freude an der Bewegung aber keine grossen Voraussetzungen, betont Bernard, welche den Anfängerinnen und Anfängern ab 5 Jahren zunächst einmal Grundschritte und Körperhaltung vermittelt. Körperliche und psychische Voraussetzungen seien hingegen für angehende Profis schon nötig, erklärt sie: Grösse, Gewicht, Talent, Disziplin. Denn Ballett auf der Bühne ist Spitzensport.

Wer Amateur bleibt, und das sind fast alle, müsse dennoch eine gewisse Konstanz anstreben, um fit und beweglich zu bleiben. «Es ist wichtig, dass man mindestens einmal wöchentlich trainiert», erklärt Bernard. Viele kommen auch zweimal pro Woche.

Es geht weiter, «solange ich mag und gesund bin»

Als Teenager setzen dann manche andere Prioritäten – oder sie müssen, weil die Noten in der Schule schlecht sind. Dann wird zu Bernards Bedauern zuerst mal der Ballettunterricht gestrichen. Doch es existiere vereinzelt auch das Gegenteil, wo Mädchen zu «Projekten» von ehrgeizigen Müttern werden. «Das kann mitunter tragische Wendungen nehmen, was ich leider schon erlebt habe.» Doch zum Glück komme so was selten vor.

Das Ballett bleibt neben ihrer Familie – die Schwester lebt in Mexiko, «aber wir telefonieren fast täglich» – das wichtigste im Leben von Barbara Bernard. Solange sie gesund bleibt und Freude daran hat, mit jungen Menschen zu arbeiten, werde sie auch mit ihrer Ballettschule weiterfahren, sagt sie.

Preisübergabe: 16. Januar, 19 Uhr, im Girardsaal Bachtelen.

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