Grenchner Wohntage

Wie Architekten und Laien (nicht) aneinander vorbeireden

Die Berlinerin Gabriele Schlipf amtierte als «zeichnende Simultanübersetzerin»

Die Berlinerin Gabriele Schlipf amtierte als «zeichnende Simultanübersetzerin»

Einen spannenden und kurzweiligen Abend bescherte den Anwesenden die letzte Veranstaltung im Rahmen der Grenchner Wohntage im Kunsthaus. Sie war der Architekturvermittlung unter dem Titel «Architektur erklärt sich nicht von selbst» gewidmet.

Aussergewöhnlich war dabei, dass neben der ausgewiesenen Fachperson auf dem Gebiet, dem Solothurner Boris Szélpal, mit der Live-Zeichnerin Gabriele Schlipf und dem Rapper Manillio Künstler aus anderen Kulturbereichen den Abend mitgestalteten.

Weil sie nicht die gleiche Sprache sprechen, entstehen zwischen Architekten und Bauherren oft Missverständnisse, die nicht sein müssten. Um ebendies zu verhindern, braucht es die Architekturvermittlung. Es gilt Brücken zu bauen zwischen Experten und Laien. Auf spannende und lockere Art, garniert mit Beispielen wohlbekannter Bauten und Personen, machte Boris Szélpal auf die Stolpersteine aufmerksam, die einer Kommunikation auf Augenhöhe im Wege stehen können; und natürlich darauf, wie diesen auszuweichen ist.

Experten versus Laien

Architekten sind Experten und haben ein grosses Wissen. Gerade dies kann sich aber auch als Barriere erweisen. Dann nämlich, wenn dieses Wissen überschätzt wird. Dazu kommt, dass im Studium kaum Wert auf die Kommunikationsfähigkeit gelegt wird. Gerade dies aber wäre wichtig. Es gelte nämlich den Laien (Bauherren) in seinem Kontext abzuholen. Der Experte müsse in der Lage sein, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. Andererseits erschwert eine «falsche Scham» seitens des Laien ebenfalls die Kommunikation.

Nachfragen, auch mehrmaliges, rät Boris Szélpal, denn es gebe keine dummen Fragen. «Die Kommunikationspartner müssen sich gegenseitig versichern, dass sie sich verstanden haben», ist er überzeugt. Dazu müsse man sich an einen Tisch setzen. Denn auch die modernsten Kommunikationsmittel könnten keine Emotionen übertragen.

Visuelles Protokoll

Der gelernte Architekt bezeichnete es überdies als absolut nötig, dass die Bauherren bereits in der Planung mit ins Boot geholt würden, ein Vertrauensverhältnis zum Experten aufgebaut werde und sie so auch in den weiteren Phasen bis zur Realisierung voll hinter dem Projekt stehen könnten.

Mit an Bord war im Kunsthaus auch die Berlinerin Gabriele Schlipf als «zeichnende Simultanübersetzerin». Sie bedient sich in ihrem weltweiten Wirken des «Graphic Recording». Sie erstellt also ein visuelles Protokoll, setzt noch während des Vortrages Gehörtes in Bilder um. So entstehen Wandbilder, die nicht nur Spass machen, sondern auch eine Zusammenfassung und Strukturierung der vorgetragenen und erarbeiteten Inhalte darstellen.

Emotionen wurden schliesslich auch mit dem Auftritt des Rappers Manillio geweckt. Der Träger des Solothurner Förderungspreises spielte in Begleitung des Gitarristen Benjamin Noti zur Freude des Publikums einige Stücke aus seinem Album «Irgendwo» aus dem letzten Jahr, welches bis auf Platz sechs der Schweizer Albumcharts stieg und sich wackere sieben Wochen in den Top100 hielt. «Meine Lieder entstehen und spielen zwischen den Bauten, über die hier geredet werden», baute er eine Brücke zur Architektur.

20. Ausgabe steht bevor

Mit einem äusserst gelungenen Abschluss verabschiedeten sich somit die Wohntage für dieses Jahr aus Grenchen. Lukas Walter, Vertreter des Bundesamtes für Wohnungswesen im Organisationsteam, konnte denn auch ein positives Fazit für den gesamten Anlass ziehen: «Wir sind sehr zufrieden. Die Anlässe waren gut besucht und wir erhielten auch viele positive Reaktionen auf das Gebotene.»

Mit der Fachtagung, die 200 Leute in die Stadt gelockt hat, habe man auch die Position im nationalen Rahmen festigen können. «Man nimmt in der Branche Rücksicht auf uns, ja wir geben den Takt vor», konnte er befriedigt konstatieren. Nächstes Jahr steht das 20-Jahr-Jubiläum an. Lukas Walter wagt einen Ausblick: «Wir möchten gerne etwas grösser werden und insbesondere im öffentlichen Raum präsenter sein. Auch stehen die Chancen gut, dass wir wieder ein Lichtspiel in der Stadt haben werden.»

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