Das Jahr 2016 wird bahnhistorisch zweifellos durch die Eröffnung der Neat geprägt sein. Trotzdem drängt sich die Erinnerung an ein früheres Jahrhundertwerk auf, das für die damalige Zeit wohl ebenso folgenreich war, wie es heute der Weltrekord-Tunnel unter dem Gotthard ist.

Am 8. Januar jährte sich ein Meilenstein der schweizerischen Eisenbahngeschichte zum hundertsten Male: die Eröffnung der Hauensteinlinie mit ihrem Herzstück, dem Basistunnel.

Für das obere Ergolztal sowie das Eital mit seinen bis dahin beschaulichen Dörfern brachte nicht nur der Bau der Hauensteinlinie, sondern später auch der Betrieb der Bahn grosse Veränderungen mit sich. Um die zweitausend Arbeiter waren zeitweise am Werk zugange. Sie wohnten in Baracken in und um Tecknau und Olten/Trimbach. Der Grossteil von ihnen kam aus Italien; die Zuzüger brachten eine Fremdarbeiterwelle ins Land mit den auch heutzutage immer mal wieder bekannten Nebengeräuschen.

Das Bauwerk mit dem 8134 Meter langen Tunnel wurde am 31. Januar 1912 mit dem Spatenstich initiiert und am 8. Januar 1916 für den Verkehr freigegeben – ein Jahr eher als geplant. Auf ein Eröffnungsfest wurde wegen des Ersten Weltkrieges aus Pietätsgründen verzichtet.

Das Ende einer Pionierleistung: Die Sissach–Gelterkinden-Bahn

Am 7. Januar 1916, also am Vortag der Hauenstein-Eröffnung, wurde die Eisenbahn Sissach–Gelterkinden SG stillgelegt. Sie hatte nach 26 Betriebsjahren keine Funktion mehr. Die SG war am 16. Mai 1891 als eine der ersten elektrisch betriebenen Überlandbahnen der Schweiz zur Jungfernfahrt gestartet. Damit bekamen Böckten und Gelterkinden, neben der Sommerau, deren Bahnhof ebenfalls auf Gelterkinder Boden liegt, einen Anschluss an die alte Hauensteinlinie.

Um die SG ranken sich einige Legenden und Anekdoten. Sie erlebte Höhen und Tiefen und wurde für die Aktionäre nie zur Goldgrube. Die von einem eigens erstellten Kraftwerk an der Ergolz erzeugte elektrische Energie ermöglichte der SG, mehr als die Hälfte der Züge elektrisch zu fahren, sonst sprangen zwei kleine Dampfloks ein.

Ein Buch und eine Ausstellung zum Jubiläumsjahr

Die Stiftung Ortssammlung Gelterkinden OSG wird eine Ausstellung im Gedenken sowohl an den Bau der Hauenstein-Basislinie als auch an die SG realisieren.

Im Vorfeld gibt Heinz Spinnler ein Buch zur Sissach–Gelterkinden-Bahn heraus. Es wird eine frühere und unterdessen vergriffene Publikation zum Thema mit vielen neuen Erkenntnissen und insbesondere mit bisher unbekanntem Bildmaterial ergänzen. Die Ausstellung, welche vom 12. August (Vernissage) bis zum 4. September 2016 im Jundt-Huus Gelterkinden stattfinden wird, kann auf einen breiten und attraktiven Fundus an Bildern, Dokumenten und Objekten aus verschiedenen Quellen zurückgreifen. Die Organisatoren rufen zudem die Öffentlichkeit auf, für die Ausstellung weitere Gegenstände und Dokumente zum Thema beizutragen, sofern sich diese im Besitz von Privatpersonen befinden.

* Der Autor ist Präsident der Stiftung Ortssammlung Gelterkinden.

Weitere Informationen sowie Kontaktdaten unter www.osgelterkinden.ch