Stadtbummel Grenchen

Viele weitere Steine für eine «Ehrentreppe»

Die Absyte in Grenchen soll zur Ehrentreppe werden.

Die Absyte in Grenchen soll zur Ehrentreppe werden.

Es ist beileibe nichts auszusetzen am Vorhaben, 42 Namen von verdienten Grenchner Persönlichkeiten quasi in Stein zu meisseln. Und diese Namen kann man dann in nicht allzu ferner Zukunft am Rande einer «Ehrentreppe» lesen und sich Gedanken machen, sich erinnern oder neugierig werden, weil man wissen möchte, was diese grossen Persönlichkeiten alles für Grenchen geleistet haben.

Als ich auf einem Spaziergang wieder einmal einen kleinen, unauffälligen Stein aufhob und ihn von allen Seiten betrachtete und bewunderte, da wünschte ich mir, dass auch die Namen derer erwähnt werden müssten, die unser Leben in den vergangenen Monaten bis heute leichter und angenehmer gemacht haben.

Das Pflegepersonal in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen, das nicht nur gepflegt, sondern auch getröstet und zugehört hat, als Besuche von aussen noch nicht möglich waren. Ärzte, bis heute mit unzähligen Fragen verunsicherter, ängstlicher Patienten konfrontiert. Die Pöstler, die einen Augenblick von ihrem Motorrad abgestiegen sind und dem einen oder anderen Kunden seine Post persönlich in die Hand drückten, ein paar Worte mit ihm wechselten und ein «bis morgen dann» zuriefen.

Die Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Kinder nicht mehr in der Schule unterrichten konnten und alles in ihren Kräften Stehende taten, um ein Lernen über den PC möglichst allen Schülern zu ermöglichen. Die Spitex-Betreuer, die unermüdlich ihren Dienst geleistet haben. Das Verkaufspersonal, zum Teil am Ende seiner Kräfte, das ganz einfach da war für seine Kunden, Überstunden hin oder her. Die Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuten, sie beschäftigen und aufmuntern mussten, weil diese Längizyti nach ihren «Gschpänli» hatten.

Kulturschaffende, Vereine, verharrend in der Warteschleife. Der Arbeitslose über fünfzig, der täglich Bewerbungen schreibt, obwohl ihm klar ist, dass seine Chancen auf dem schrumpfenden Arbeitsmarkt noch geringer sind als ohnehin schon vor Corona. Die Grosseltern, die ihre Enkel lange nicht sehen konnten und dennoch mit ihnen in Kontakt geblieben sind.

Der Schulabgänger, der keine Schnupperlehre machen konnte, oder der Lehrling, der nach dem Lehrabschluss keine Stelle findet und nicht weiss, wie alles weitergehen soll. Die jungen Leute, die sich nicht mehr auf Partys treffen konnten und denen es schwer fiel, darauf zu verzichten. Das Grosi, das für ein ganzes Regiment Wollsocken strickte und auf meine Nachfrage hin meinte, dass es immer jemand gäbe, dem sie damit eine Freude machen könne.

Die Beizer, die Hoteliers und Ladenbesitzer, die auch nach dem Lockdown unsicheren Zeiten entgegengehen. Die Vermieter, von denen doch einige ihren Mietern finanziell entgegengekommen sind. Die Mieter, die ihre Mieten nicht mehr zahlen können, ja, auch die gibt es mehr, als man denkt. Die Nachbarn, die bis heute dafür einstehen, dass man sich auch in Zukunft beisteht und sich gegenseitig unterstützt.

Viele kleine Kieselsteine habe ich gesammelt und lange noch nicht allen Heldinnen und Helden des Alltags gedankt, die für mich ebenso verdiente Persönlichkeiten sind, auch wenn sie keinen grossen Namen tragen. Aber diese vielen kleinen Steine haben einen grossen Stein der Solidarität ins Rollen gebracht.

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