Büren a.A.

Viel Liebe für Citroën und alte Amerikaner: Hier sind Autofans mit viel Wissen am Werk

In der Industriezone um die Kanalstrasse in Büren a. A. lassen sich Ansätze für einen Hotspot von Oldtimer- bzw.-Youngtimer-Autos erkennen. Hier sind Autofans mit viel Wissen am Werk.

Wenn auch etwas verspätet, so kommt doch jetzt die Cabrio- und Oldtimersaison in Gang. Vor dem ersten Ausflug brauchen die Autos eine Fitnesskur. Dazu haben wir Marc Zumbühl über die Schulter geschaut. Der «Hobby-Schrauber», wie er sich selbst nennt, widmet seine Freizeit Sammlerstücken der Marke Citroën. In der Halle, die er seit drei Jahren an der Riesenmattstrasse in Büren mietet, hat er seine zehn eigenen DS und «Enten» (2CV) untergebracht sowie eine Handvoll Fahrzeuge von Fans aus dem ganzen Land, die er gegen Unkostenbeitrag wieder auf Vordermann bringt.

Marc Zumbühl sagt, was er denkt: «Ich halte nicht viel von anderen Marken. Die bahnbrechenden Innovationen, etwa Vorderradantrieb und Luftfederung, haben die anderen Marken früher von Citroën abgeschaut – bis der Tesla kam.» Der sei von der Innovationskraft her mit Citroën vergleichbar.
Seine Erfahrung als Fahrlehrer habe ihn gelehrt, dass Citroën die komfortabelsten Autos seien. Seine eigene Firma mit Angestellten, Fahrschulautos, Lastwagen und einem Schiff auf dem Bielersee habe er vor anderthalb Jahren gegen die Tätigkeit als Verkehrsexperte beim VBS (Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport) eingetauscht. Die Begeisterung für 2CV, CX, DS, und wie die Markentypen alle heissen, ist ihm geblieben.

Regelmässige Workshops für Interessierte

«Ich konnte schon Leuten helfen, die von spezialisierten Oldtimergaragen gefrustet zu mir gekommen sind mit ihren ‹Zitrönlern›», sagt der junge Familienvater aus Rüti. In der Classic-Cars-Halle befindet sich das zweite Zuhause seiner Familie. Er hat in der Hobbyhalle eine Spielecke eingerichtet, damit sein dreieinhalbjähriger Sohn und später einmal seine Tochter (halbjährig) sich beschäftigen können. Seine Frau unterstütze die Autobastler-Leidenschaft mit ihrem künstlerischen Flair, sagt Zumbühl. «Sie hat mir das Werbematerial gestaltet.»

Auf der Empore hat Zumbühl eine Bar eingerichtet. Hier empfängt er Gleichgesinnte alle zwei Monate zum Schraubertreff. Willkommen seien neben den Kollegen aus dem DS-Club Schweiz, zu dessen Vorstand Zumbühl gehört, alle interessierten Citroën-Liebhaber. Um die Fachtreffen interessant zu gestalten, organisiere er sie als Workshop mit Schwerpunkt, zum Beispiel mit Tipps zur Einstellung der Zündung.

Ein Netzwerk von Fachleuten und Freunden

«Man braucht ein Gefühl für diese Oldtimer, sonst kommt es nicht gut», gibt der Hobbybastler zu bedenken. Das veranschaulicht er an einer «Ente». Unkenntnis oder mangelnde Sorgfalt haben sie kaputtgemacht, weil jemand versucht hat, im Rückwärtsgang Vollgas zu geben. Was ein modernes Auto problemlos verkraftet, macht beim alten 2CV den Einbau eines neuen Getriebes nötig. Zumbühl ist überzeugt: «Wenn diese Autos richtig behandelt werden, sind sie das Verlässlichste, was man auf der Strasse antreffen kann. Meine eigenen fahre ich regelmässig – manchmal auch für den Arbeitsweg.»

Gelernt hat Zumbühl ursprünglich Zimmermann. Das Autobasteln hat er sich selbst beigebracht, nachdem Freunde ihn mit der Leidenschaft angesteckt hatten. Dazu kam beim Kauf der «Lady in Black», seinem ersten Oldtimer, die Erkenntnis, dass moderne Mechaniker ratlos vor diesen Autos stünden. «Ich habe ein grosses Netzwerk von Fachleuten, die mich beraten. Der Götti meines Sohnes etwa schraubt schon so lange an DS herum, wie ich auf der Welt bin.»

Vom Service bis zur Lackierung

Ausserdem sei es ihm gelungen, originale Werkstattbücher zu bekommen, erzählt Zumbühl und wuchtet einen der Wälzer vom Gestell hinter der Bar. «Die Dinger sind Gold wert.» Als Ausgleich zum Beruf auf der Strasse und im Theoriesaal in Romont FR krempelt Zumbühl am Wochenende in Büren die Ärmel hoch, wechselt von der Glühbirne bis zum Motor jedes Teil, macht den Service, lackiert und versiegelt. Nur die Verkehrszulassung überlässt er dem Profi. Dazu arbeite er mit der Garage Aebi in Lyss zusammen.

Zumbühl sagt: «Ich sehe mich als Wegbegleiter dieser Autos. Mein Ziel ist es, den Leuten zu helfen, die einen Citroën-Oldtimer haben, und sie für den zeitlosen Wert dieser Fahrzeuge zu begeistern.»

www.classic-drive.org

Die US-«Muscle-Cars» haben es ihm angetan

Nur ein paar Meter weiter befindet sich die Garage von Peter Clenin. Seine Spezialität sind alte Amerikaner. Seit 30 Jahren restauriert der gelernte Autoelektriker vom Chevrolet bis zum Plymouth in Büren besonders Liebhaberwagen aus Übersee. Seit 14 Jahren hat er seine Werkstatt am Wislerenweg, umgeben von Firmen der Autobranche, mit denen er teilweise zusammenarbeitet. «Miteinander, nicht gegeneinander», lautet sein Motto. Denn: «Rund um Oldtimer müssen wir das Fachwissen erhalten und einander unterstützen.» Das gelte ganz besonders für seinen Beruf, für den seit 2003 in der Schweiz kein Nachwuchs mehr ausgebildet wird.

Peter Clénin stammt aus einer Autofamilie in Ligerz: Sein Vater war Automechaniker, ein Bruder ist Ersatzteilverkäufer, ein Bruder führt in Scheuren eine Garage. Clénins Faszination für amerikanische «Monster», wie er sie freundschaftlich nennt, sei entstanden, als er sich als junger Mann aus Neugierde einen solch hochmotorisierten «Muscle-Car» kaufte und ihn «zwäg» machte. «Kaum war ich zwei- oder dreimal mit ihm draussen, war er auch schon weg», erzählt der 64-Jährige. Eine Verkaufserfahrung, die er heute noch mache, wenn er mit seinen Modellen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren an Liebhabertreffen geht.

Am liebsten alle Markenveteranen auf einmal

Dabei fühlt er sich am wohlsten, wenn sich vom kleinen Fiat 500 bis zum riesigen Pontiac alle alten Autos ein Stelldichein geben. «Ich würde nie an ein reines Modell- oder Markentreffen gehen, zum Beispiel für Mustangs», sagt er.

Clénins Horizont ist auch beruflich breit. Auf der Hebebühne ist ein schwarzer 69 GTO Judge platziert, dessen Motor ein volles Jahr in einem Zylinderschleifwerk in der Innerschweiz aufbereitet wurde. Davor stehen zwei blaue Mustangs. In seiner Halle gegenüber stehen auch alte Mercedes, ein VW-Bus, ein Käfer und Motorräder. Besonders stolz ist er auf einen australischen Ford Falcon UT, Jahrgang 1967, aus Privatimport, ursprünglich im Besitz eines Mannes aus Arch. Das einzige Modell in Europa, wie er erklärt. Kurz gesagt, Clénin arbeitet an allem, was Räder hat und elektrisch verkabelt ist.

Nicht zuständig ist er für moderne Fahrzeuge, die Software gesteuert funktionieren. «Da ist alles elektronisch und nicht mehr elektrisch. Da gibt es für mich nichts zu tun», sagt er. Dann deutet er auf mehrere Kisten entlang der Wand: «Auspuffrohre aus Amerika. Diese werde ich in den nächsten Wochen in die Modelle einbauen, die hier stehen.»

Nostalgie-Ecke für Oldtimerfans

Dann lädt der Autoelektriker in die «Männerhöhle» ein, seine Bar im oberen Stock der Werkstatt, in der durchaus auch Frauen willkommen sind. Mit Freunden und Kunden zieht Clénin sich gern hierher zurück, zum Fachsimpeln und auf ein Bier. Passend zur Oldtimer-Leidenschaft stehen hier ein gelber Kühlschrank aus den Fünfzigerjahren, Jukeboxes und eine Carrera-Holz-Bahn von 1968 für Modellautos. Letzteres ist eine Rarität, die er aus einer Karstadt-Filiale aus Deutschland habe übernehmen können: Eine Nostalgie-Ecke für Oldtimerfreaks, die er auch schon für Firmenanlässe vermietet habe.

«In meinem Leben habe ich Hobby und Beruf in einem», sagt Clénin. Deshalb will er über das Pensionsalter hinaus weitermachen, solange Kraft und Begeisterung das zulassen; zwischendurch ein freier Tag zur «Oldie-Ausfahrt» inbegriffen. Nur eines macht ihm Sorgen: «Viele Berufskollegen sind ähnlich alt wie ich. Was wird aus den Oldtimern, wenn wir einmal nicht mehr da sind?»

Meistgesehen

Artboard 1