Übernachtungsangebot
Unternehmer plant ein Motel in Rüti

Neben dem «Bären» soll es wieder ein Übernachtungsangebot für Handelsreisende und Touristen geben.

Daniela Deck
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Die Bärenmatte in Rüti b. Büren. Hier möchte Investor Rudolf Schneider ein Motel bauen.

Die Bärenmatte in Rüti b. Büren. Hier möchte Investor Rudolf Schneider ein Motel bauen.

Andreas Toggweiler

Neben dem ehemaligen Gasthof Bären soll in Rüti ein Motel entstehen. Der Besitzer der Bärenmatte will mit diesem Angebot besonders Handelsreisende ansprechen. Das morgendliche Angebot von Kaffee und Gipfeli einer kleinen Cafeteria soll auch den Einheimischen offenstehen.

Lange war es still um die Bärenmatte. Lediglich Fernfahrer nutzten den früheren Hotelparkplatz zum Übernachten mit ihren Lastwagen. «Seit zehn Jahren suche ich nach einer Lösung für das Grundstück», sagt Rudolf Schneider. Er hat das Bauland vor zwölf Jahren zusammen mit einem westlich angrenzenden Grundstück der Landwirtschaftszone sowie dem «Bären» gekauft. Den alten Gasthof hat er nach dem Umbau zu Wohnungen vor zwei Jahren verkauft, die Landwirtschaftsfläche ist verpachtet. Bleibt noch das Bauland dazwischen, im Umfang von 3300 Quadratmetern. Es besteht aus Hotelparkplatz und Hoschtet, und bietet eine wahre Knacknuss für jegliche Planung.

Revision der Ortsplanung bringt keine Lösung

Erstens liegt das Grundstück in der Hotelzone und ist mit Planungspflicht belegt. Zweitens ist Rüti seit 1994 im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS) gelistet, was besonders strenge Ansprüche an das Aussehen jedes Neubaus stellt. Ausserdem verläuft eine geschützte Wildhecke mitten durch das Areal. Alles kein Problem, könnte man nun denken. Schliesslich befindet sich Rüti aktuell mitten in der Ortsplanungsrevision. Diese soll kommenden Dezember vors Volk kommen.

Doch die Revision der Ortsplanung hilft in diesem Fall nicht weiter. Theodor Bösiger, Präsident der Einwohnergemeinde, erklärt: «Wir wollten das Hotelgrundstück in die Wohnzone umzonen. Doch weil Rüti über zu grosse Baulandreserven verfügt – mehr als eine Hektare – wurde uns vom Amt für Gemeinden beschieden, dass eine Umzonung nicht möglich ist.» Ursprünglich wollte der Eigentümer auf dem Grundstück Mehrfamilienhäuser mit 27Wohnungen bauen.

Inzwischen hat Schneider sich mit der Situation arrangiert. Nun soll hier ein Motel mit 32Zimmern samt Kochnischen sowie einer kleinen Cafeteria entstehen. Das Haus soll über modernste Infrastruktur verfügen: self-check-in via Kreditkarte und Parkplätze mit Ladestationen für Elektroautos. Rund ein Viertel der 25 Parkfelder im Autounterstand soll Tesla und Co. zugutekommen. «Mein Traum ist ein Null-Energie-Haus mit einer grossen Solaranlage auf dem Dach», sagt Schneider. Mit dem hauseigenen Strom könnten vielleicht sogar ein oder zwei Whirlpools betrieben werden.

Abwart soll nach dem Rechten schauen

Die Pappeln für sein «Motel zur Pappelallee» hat er bereits gepflanzt. Für den Ersatz der bestehenden Hecke habe er sich mit dem Förster zusammengesetzt: «Die neue Wildhecke am Rand des Grundstücks besteht aus einheimischen Sträuchern, die den Vögeln Unterschlupf und Futterbeeren bieten und dekorative Laubfarben haben.»

Das Motel soll zweistöckig werden und über eine Abwartswohnung verfügen, in der auch die Reinigungskräfte bei Bedarf Zimmer beziehen können. «Jemand muss nach dem Rechten sehen und vor Ort sein. Anders geht es nicht», ist Schneider überzeugt. Zudem müsse jemand am Morgen die Croissants aufbacken. Mit dem einfachen Frühstücksangebot möchte der Investor auch die Einheimischen anziehen, zumal das Dorf keine Beiz mehr hat.

Jetzt steht die konkrete Planung des Bauprojekts an und da kommt die kantonale Denkmalpflege ins Spiel. Denn das Motel soll am westlichen Dorfrand gebaut werden. Folglich ist es als Visitenkarte für das Ortsbild besonders wichtig. Im Februar letztes Jahr habe eine Begehung der Bärenmatte stattgefunden, sagt Adrian Stähli. Er ist bei der Denkmalpflege zuständig für die Pflege der Ortsplanung. «Angesichts des prominenten Standorts am Ortsbildvordergrund muss das Gebäude im Stil der benachbarten Häuser gebaut werden», sagt er. Das heisse allerdings nicht, dass es in allen Einzelheiten aussehen muss wie ein Bauernhaus vor 200 Jahren. «Moderne Errungenschaften müssen Platz haben.» Was die geplante Solaranlage auf dem Giebeldach angeht, so verweist Stähli auf die kantonalen Richtlinien.

Fokus liegt hauptsächlich in Brasilien

Unternehmer Rudolf Schneider sagt: «Im Moment warte ich auf die Planungsvorgaben der Denkmalpflege. Sobald diese vorliegen, geht es an die Detailplanung.» Wenn diese von Kanton und Gemeinde einmal bewilligt ist, sei es zum Baugesuch nur noch einen kleinen Schritt. Er hofft, dass nächstes Jahr die Bagger auffahren können.

Rudolf Schneider lebt die meiste Zeit in Brasilien. Hier, genau gesagt in der Nähe der Stadt Recife, liege seit einigen Jahren der Fokus seiner Investitionstätigkeit, und zwar im Wohnungsbau. «Seit die Leerstände in der Schweiz überhandgenommen haben, bin ich nicht mehr so scharf darauf, hier zu bauen.

Doch für das ‹Motel zur Pappelallee› gibt es in der Region Grenchen-Biel Kundschaft: den kostenbewussten Firmenvertreter.» Schneiders Rezept: «Eine anständige Unterbringung auf dem modernsten Stand der Technik und ein Zimmerpreis um die 60 Franken pro Nacht. Dann läuft der Betrieb.»