Grenchen
Tief durchatmen im verschneiten Winterwald

Der Vita-Parcours ist unterdessen die letzte mögliche Bewegungsnische. Es geht auch im Winter, wie ein Selbstversuch in Grenchen zeigt.

Andreas Toggweiler
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Eingeschneiter Vita Parcours Grenchen

Eingeschneiter Vita Parcours Grenchen

Andreas Toggweiler

Fitnesscenter zwangsgeschlossen, Mannschaftssport verboten, Velofahren auf vereisten Strassen – eher nicht. Wer in diesen Tagen etwas Bewegung sucht, hat es nicht einfach. Wir haben inzwischen zwar unseren guten Vorsatz, weniger Lift zu fahren tatsächlich umgesetzt. Viermal täglich vier Stockwerke zu Fuss sind zwar nicht nichts; aber Sport kann man dem bei bestem Willen noch nicht sagen.

In Grenchen und verschiedenen weiteren Orten gibt es aber nach wie vor die Option des Vita- Parcours. Im Sommerhalbjahr ein Geheimtipp für Breitensportler und vom Werkhof der Bürgergemeinde bestens im Schuss gehalten, wurde die Trainingsstrecke beim Chappeli im vergangenen Coronajahr von vielen wiederentdeckt. Vom Autor zuerst zwangsläufig, später mit stetig steigendem Spassfaktor.

Eintauchen in die Winterwelt

Aber im Winter? Wo alles nass, kalt und schlüpfrig ist? Mangels Alternativen entschloss ich mich doch zum Selbstversuch. Und kam dabei buchstäblich auf die Welt. Die Winterwelt nämlich. Denn während in der Stadt unten der in den letzten Tagen gefallene Schnee jeweils nach einigen Stunden schon wieder weg war, ist am oberen Stadtrand doch einiges liegengeblieben.

Der Grenchner Wald präsentiert sich zurzeit noch als märchenhafte Winterlandschaft. Und weil es hier im Westen insgesamt viel weniger geschneit hat als im Osten des Kantons, ist ein Aufenthalt im Grenchner Wald gefahrlos möglich. Zumindest am Fuss des Berges, wo sich der Vita-­Parcours befindet. Also, los gehts! Nach einigen Durchgängen im Schnee, hier exklusiv einige Tipps für Nachahmer:

  • genug Zeit einplanen. Nur gehen, nicht rennen;
  • nur Bewegungsposten absolvieren, wo man einen guten Stand hat. Vereiste Geräte meiden;
  • Wander- oder Trekkingschuhe tragen, Spikes montieren und/oder Wanderstöcke mitnehmen;
  • atmungsaktives Outfit ist sehr von Vorteil;
  • bei Kälte Umhängetasche oder Rucksäckli für Handschuhe, Mütze und Trinkflasche mitnehmen; wer’s gediegen mag: Thermobehälter mit heissem Tee und was zum knabbern;
  • je nach Vereisungssituation einen unterschiedlichen Einstiegspunkt wählen oder die Strecke in umgekehrter Richtung absolvieren; Vorsicht bei der Treppe am Dählengraben;
  • weil der Grenchner Vita-Parcours verschiedene Einstiegsmöglichkeiten bietet, kann man je nach Ambition oder Zeitbudget problemlos Teilstrecken absolvieren, z. B. ab Parkplatz Romontstrasse, Chappeli, Dählengraben oder Waldeingang Bergstrasse.

Der Schnee ist auf der Seite des Sportmuffels

Wer diese Tipps beachtet, kann tief durchatmen im verschneiten Winterwald. Und dies nur wenige Minuten vom Stadtzentrum, das zurzeit einen doch eher tris­ten Anblick bietet mit seinen paar schmutzigen Schneeresten. Für ÖV-Benutzer empfehlen sich die Busstationen Holzerhütte, Alpenblick (Wochenende) oder Veilchenstrasse.

Übrigens ist der Schnee auch auf der Seite des Sportmuffels: der Tritt ist weich, die Stufen und Aufstiege zu manchem Geräten weniger hoch als im Sommer. Wenn das kein Argument ist ...