Die Aula des Schulhauses IV mutierte beim Auftritt von Patty Basler und Philippe Kuhn in eine überdimensionierte Schulstube. In ihrem ersten gemeinsamen abendfüllenden Programm «Frontalunterricht» haben sie sich die Evolution der Schule seit den Achtzigern bis zum Lehrplan 21 genauer angeschaut und präsentieren, was da so abgeht. Vor allem aber legen sie den Finger auf die wunden Punkte des Schulsystems. Patty Basler, selbst einst Lehrerin und Lehrmittelautorin, kennt die Materie bestens. Wie sie dabei die Schwachstellen seziert, ist schlichtweg grandios. Mal mit innovativer Prosa, dann wieder in formvollendeten Stab -und Endreimen scheut sie kein Thema, würzt ihre Beiträge lustvoll mit bitterböser Ironie und Satire. Wenn sie dann zu ihren stakkatoartigen Assoziationsreihen ansetzt, staunt der Zuschauende einfach nur ob ihrer Wortketten, ihrer schier unbegrenzten Wortakrobatik.

Ob quereinsteigende Lehrpersonen aus dem grossen Kanton, die Überbevölkerung an mehr oder weniger nützlichen Fachpersonen im Schulzimmer, der überbordende Papierkrieg, die Auseinandersetzung mit gar krud bis überkandidelt formulierten Kompetenzen, nichts entgeht der Wortgewalt der Künstlerin. Pianist Philippe Kuhn ist dabei kongenialer Partner. Ob Blues, Klassik, Jazz Rock oder andere Rhythmen, stets trifft er die passende Tonlage, versucht sich in Schwäbisch angehauchten Limericks und verschreibt auch mal eine Musiktherapie. «Schnuufe nid vergässe», mahnt er immer wieder an. Dieses Verschnaufen wünscht sich insbesondere das Publikum: Was an Wortgewalt, schnellen Gedankenverknüpfungen, irrwitzigen Wortkreationen herniederprasselt, ist nicht einfach so zu verdauen. Man muss schon höllisch aufpassen, dass man dabei, wie es Schülerinnen und Schülern ja auch etwa droht, den Anschluss nicht verpasst.

Deftig, aber menschlich

Die Protagonisten erlauben sich auch Seitensprünge zu anderen gesellschaftlich relevanten Themen wie Willkommenskultur für Schutzsuchende, der unsägliche, gar zynische Umgang mit Tausenden von ihnen, die auf hoher See um das nackte Leben kämpfen. Basler und Kuhns Auftritt kann auch, bei allem deftig-humoristischen Zerzausen gewisser Auswüchse, als ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit verstanden werden. Patty Basler ist übrigens aktuelle Trägerin des Salzburger Stiers. Wer den Auftritt im vollbesetzten Kleintheater gesehen hat, zweifelt keinen Augenblick daran, dass diese renommierte Auszeichnung an die richtige Person verliehen wurde.