Grenchen
Seine «Alters-Guillotine» war massgebend: VR-Präsident der Velodrome Suisse AG tritt zurück

Beat Zbinden, seit Mai 2011 in verschiedenen Funktionen in der Velodrome Suisse AG tätig, tritt per Ende Jahr als Verwaltungsratspräsident zurück.

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Beat Zbinden tritt zurück. (Archiv)

Beat Zbinden tritt zurück. (Archiv)

Oliver Menge

Geholt hatte ihn ursprünglich Andy Rihs, der Zbinden über Mike Hürlimann, den früheren CEO von BMC kannte. Zbinden hatte diverse Firmen geleitet und schon mehrere Bauprojekte abgewickelt. Und er fuhr Velo, auch auf der Bahn. Rihs machte ihn zum Projektleiter fürs Velodrome, der neuen Radrennbahn, die in Grenchen gebaut werden sollte. Der Zürcher rekrutierte das Personal – in erster Linie Peter Wirz und Michelle Tanner, die noch immer die Geschäftsleitung bilden – und fuhr parallel zum Bau der Radrennbahn den operativen Betrieb hoch.

Zbinden übernahm anfangs die Geschäftsleitung, zog sich im Juni 2012 aus dem operativen Bereich zurück und wurde Verwaltungsratspräsident der Velodrome Suisse AG. «Ein Projekt von der Idee über die Entwicklung/Realisation bis zur Etablierung zu führen und zu begleiten, ist und war eine sehr tolle Aufgabe und entspricht meiner Arbeitsauffassung, sich einzubringen und sich für eine Sache zu engagieren», schreibt Zbinden in seinem Rücktrittsschreiben.

Er habe in den sechs Jahren viele Menschen kennen und schätzen gelernt. «Die Arbeit für dieses Start-up-Unternehmen und die Projektaufgaben waren fordernd, sehr interessant und bereichernd. Ebenso durfte ich grosses Vertrauen und den nötigen Spielraum bei den wichtigen Entscheidungen erfahren.»

Als Meilensteine bezeichnet Zbinden beispielsweise das Kick-off-Meeting im Parktheater 2011, mit viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. «Damals hiess es, jaja, wir wollen mal schauen, ob da draus etwas entsteht. Ein schöner Anlass war dann später der Spatenstich, als wir den ersten der 150 Betonpfosten in den Boden rammten.» Nicht vergessen könne er auch den Jahrhundertwinter, der kurz darauf sogar zu einem Baustopp geführt habe, weil es auf der Baustelle so viel Glatteis gab. Und nicht zuletzt die Eröffnung des Velodromes im Juni 2013.

Neue Verwaltungsräte

Der Verwaltungsrat, der anfangs «nur» aus Beat Zbinden und David Baumgartner, Finanzverwalter der Stadt, bestand, wurde vor eineinhalb Jahren erweitert: Mit Soren Mose trat ein veloverrückter Banker dazu, der auch Mitbegründer der Saxobank Renngruppe war, in der Fabian Cancellara eine Zeit lang mitfuhr. Yoko Vogel, Inhaber einer Event-, Marketing- und Kommunikationsagentur in Zürich und Organisator der «Swiss Epic», einem Sechs-Tage-Mountainbike-Rennen durch die Alpen, ist ebenfalls neu im Verwaltungsrat der Velodrome Suisse AG. Ob Zbinden allenfalls ersetzt werde oder wer seine Nachfolge antrete, sei Sache der Stiftung Velodrome Suisse unter Andy Rihs.

Zbinden ist davon überzeugt, dass das Tissot Velodrome in der Bahnsportszene den grossen Stellenwert beibehält, den es auch verdient. Die Balance zwischen Sport und Kommerz sei für das erfolgreiche Weiterbestehen der Anlage auch künftig wichtig. So wie auch der kürzlich abgeschlossene Vertrag mit der Swatch Group, der Geld in die Kasse bringe. Neue Tissot Zeitmesstechnik werde künftig in Grenchen getestet und vor der weltweiten Markteinführung den potenziellen Kunden im Velodrome unter echten Bedingungen demonstriert. «Das Tissot Velodrome ist erfolgreich und gut aufgestellt, es ist in vielen Teilbereichen bereits etabliert mit Potenzial zur Feinjustierung.»

Künftig wolle er wieder, wo möglich und mit einem kleinen Pensum, kreieren, gestalten und umsetzen, so Zbinden. «Deshalb mein Entschluss, vom Amt als Verwaltungsrat und Verwaltungsratspräsident der Velodrome Suisse AG per Ende Jahr 2017 zurückzutreten.»

Aktuell ist er in Nürnberg beim Bau einer Radrennbahn in beratender Funktion tätig.
Die Alters-Guillotine für Verwaltungsräte, die er selber eingeführt habe und von der er der Meinung ist, sie sollte in den meisten Unternehmen vermehrt umgesetzt werden, sei in der Entscheidung auch massgebend gewesen. «Ich bin mit bald 67 Jahren ein Rentner im Unruhezustand». (om)

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