Grenchen

Neue und bisherige Leitung haben die Wiedereröffnung gemeinsam geplant

Angela Kummer übergibt die Leitung des Kultur-Historischen Museums Grenchen an Marco Kropf.

Angela Kummer übergibt die Leitung des Kultur-Historischen Museums Grenchen an Marco Kropf.

Marco Kropf, der neue Museumsleiter im Kultur-Historischen Museum Grenchen, und Angela Kummer, die bisherige Leiterin, berichten über die zukünftige Ausrichtung des Museums und die Arbeiten zur heutigen Wiedereröffnung.

Es sei eigentlich ein Glücksfall, darin sind sich beide einig: Marco Kropf, der neue Museumsleiter, der vom Stiftungsrat Anfang April zum Nachfolger von Angela Kummer gewählt wurde, und Kummer selber, die zum Kulturgüterschutz des Kantons wechselt, können einen ganzen Monat lang die Übergabe des Amtes vornehmen. Kropf hat seinen Posten per 1. Mai angetreten, Angela Kummer wird erst im Juni an der neuen Stelle beginnen.

Eine günstige Konstellation, besonders gerade jetzt, wo es darum geht, das Museum für die bevorstehende Öffnung fürs Publikum vorzubereiten. Denn laut bundesrätlicher Verordnung durften Museen ab Montag fürs Publikum wieder geöffnet werden. Und das bedeutet für das Team viel Vorarbeit.

Museumsbesuch im Einbahnverkehr

Das Kultur-Historische Museum öffnet heute Mittwoch die Türen mit einem strengen Schutzkonzept: So dürfen sich nicht mehr als 15 Personen gleichzeitig im Museum aufhalten. «Einzelpersonen, Familien und kleine Gruppen können das Museum wieder geniessen», sagt Kummer. Für die Besucherinnen und Besucher stehen Desinfektionsmittel für die Hände und auf Wunsch auch Hygienemasken zur Verfügung.

Gleichzeitig haben Kropf und Kummer jeden Stock im Museum «überarbeitet», will heissen: Stationen, an denen das Publikum mit Geräten in Berührung kommt – beispielsweise eine Hörstation in Form einer alten Trockenhaube an einem Coiffeurstuhl – oder Ausstellungsgegenstände, die vom Publikum angefasst und nicht oder nur ungenügend gereinigt werden können, wurden geschlossen oder abgesperrt. «Im ganzen Haus herrscht Einbahnverkehr», erklärt Kummer. Denn in den schmalen Gängen seien die Abstandsregeln nicht einzuhalten, wenn sich da Leute kreuzen.

Konkret beginnt der Museumsbesucher seine Tour im Erdgeschoss und wird dann auf einer Einbahnstrasse über alle Stockwerke bis zuoberst geführt. Zurück ins Museumscafé und den Eingangsbereich geht’s mit dem Lift. «Das hat zur Folge, dass der Zugang für Gehbehinderte, die auf den Lift angewiesen sind, für eine gewisse Zeit etwas erschwert wird. Sie müssten sich vorgängig bei uns anmelden. Und da unser Personal den Lift nicht gemeinsam mit diesen Leuten benützen darf, müsste eine Begleitperson mitkommen», erklärt Kummer.

Auf Sommerpause wird verzichtet

Die Coronakrise hat auch noch weitere Auswirkungen für das Museum: Veranstaltungen können vorerst weder gebucht noch durchgeführt werden. «Im Gegenzug verzichten wir auf die übliche Sommerpause von Mitte Juli bis und mit erster Augustwoche, in der wir normalerweise das Museum für drei Wochen schliessen», so Kropf.

Die Gastausstellung zur Feuerwehr und die Sonderausstellung zum Rainschulhaus werden verlängert, die geplante Sonderausstellung zum 100-Jahr-Jubiläum des Stadtorchesters ist noch in Arbeit.
Heisst neue Leitung auch neue Ausrichtung?

Das Kultur-Historische Museum habe in den letzten Jahren ein breites Ausstellungsprogramm mit Sonderausstellungen, Gastausstellungen und Dauerausstellungen angeboten. Wichtiger Teil sei auch die Vermittlung, die mit dem sehr motivierten Team hervorragend funktioniere – die Grenchner Schulen seien gut eingebunden. «In diesen Bereichen ist das Museum gut aufgestellt und das soll auch in Zukunft so bleiben», sagt Marco Kropf. Bei der Vermittlung wolle er vermehrt auch die Schulen der Nachbargemeinden Lengnau und Bettlach mit ins Boot holen. Der Museumsbeirat sei entsprechend erweitert worden. «Mir geht es darum, es den jungen Leuten etwas einfacher zu machen, die Hürde zu überwinden, in ein Museum zu gehen.»

Das Museum habe von der Stadt den ständigen Auftrag, die Grenchner Geschichte abzubilden, erklärt Kummer. «Zu dieser Geschichte gehört auch die Region dazu.» Man sei schon in der Vergangenheit beispielsweise mit Dorfmuseen Kooperationen eingegangen und habe Sonderausstellungen realisiert. Diese Arbeit will Kropf weiterführen. Auch die Ur- und Frühgeschichte sowie die Römerzeit sind Themen, zu denen das Kultur-Historische Museum einiges zu bieten hat. «Lehrpersonen haben jederzeit die Möglichkeit, zu uns zu kommen, um mit ihren Klassen unsere Ausstellungsgegenstände und Fundstücke, passend zu den jeweiligen Unterrichtsstoffen, zu betrachten.»

Schwerpunkt des Museums bleibt nach wie vor die Industrialisierung Grenchens. In diesem Zusammenhang habe man einige Veranstaltungsreihen kreiert. Wie beispielsweise das Geschichtencafé oder andere generationsübergreifende Veranstaltungen mit Zeitzeugen. «Wir haben mit diesen Themenkreisen, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre persönlichen Geschichten einbringen konnten, grossen Erfolg gehabt bisher», sagt Kummer. Es tue den Leuten auch gut, sich mit den Wurzeln ihrer Heimatstadt zu beschäftigen. Das Museum werde so zu einem Begegnungsort. «Es sind genau diese Geschichten, die es ausmachen», ergänzt Kropf. Und das wolle er auch weiter pflegen. So auch den Freitagstalk, eine offene Gesprächsrunde mit Experten zu einem bestimmten Thema.

Verstärkter Fokus auf Sammlung und Inventar

Aufgrund fehlender Ressourcen kam aber die Sammlung und das Inventarisieren zu kurz. «Darauf werde ich vermehrt den Fokus legen», sagt der Museumsleiter, der das Museum schon sehr gut kennt, war er doch schon seit eineinhalb Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team. «Für die Inventarisierung setze ich auch weiterhin auf ein Team von Freiwilligen. Und sicherlich werden wir die Digitalisierung vorantreiben, denn da ist noch vieles möglich», sagt Kropf.

Neben seinem normalen Pensum als Leiter des Kultur-Historischen Museums werde er seine wissenschaftliche Arbeit weiterführen. Kropf ist daran, die Heimatsammlung von Hans Kohler aufzuarbeiten. Ziel ist es, 2021 dazu eine Ausstellung zu realisieren. «Das Museum hat auch den Auftrag, Hintergrundarbeiten, wie die Inventarisierung, sichtbar zu machen. Nicht zuletzt erhalten wir dadurch auch Gelder aus dem Lotteriefonds.»

Auch die Digitalisierung ist wie in allen Museen ein wichtiges Thema. Fällt es doch mit modernen Mitteln viel einfacher, bestimmte Gegenstände zu bestimmten Epochen aufzufinden. «So können umfassende Ausstellungen konzipiert werden und auch von der wissenschaftlichen Seite her ist viel mehr möglich», sagt der neue Museumsleiter.

Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag, Sonntag, 14 Uhr bis 17 Uhr

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