Corona-Virus

Nach Lockdown-Bestimmungen: Grenchens Herzschlag verlangsamt sich

Stadtzentrum Grenchen, Dienstag, 17. März

Stadtzentrum Grenchen, Dienstag, 17. März

Wie der Metabolismus der Stadt aufgrund der Coronavirus-Massnahmen heruntergefahren wird.

Dienstag halb neun Uhr morgens auf dem Zytplatz im Stadtzentrum von Grenchen. Auf der Grossbaustelle des ehemaligen Tropical-Gebäudes an der Solothurnstrasse bohrt und hämmert es wie eh und je in den vergangenen Wochen. Aus dem Coop-Center gegenüber hört man das Klappern von Einkaufswagen. Bis hier also «Business as usual» in der Kleinstadt.

Doch im Untergeschoss des Coop-Centers, wo das Restaurant und weitere Läden sind, ist es dunkel. Erwartungsgemäss. Denn dort sind Schuh- und Kleiderläden, die aufgrund der Corona-Massnahmen geschlossen werden mussten. Auch am Zytplatz vis à vis ist jetzt bis auf weiteres Sonntag: Interdiscount zu, Bücher Lüthi und Créasphère zu, Fust geschlossen, ebenso Mägli Schmuck und das Reisebüro Kuoni. Die Centro-Lounge und das Baracoa sowieso. Offen haben die Apotheke und der Optiker von Optissimo.

Das «Granicum» hatte letztes Wochenende nach dem allzu frühen Tod von Bierbrauer Toni Lötscher erstmals wieder offen. Zumindest für den Bierkeller ist aber jetzt schon wieder Schluss.

Hotel wäre offen, hat aber keine Gäste

Unter dem Stadtdach sind wie oft einige Autos verbotenerweise parkiert. Weiter oben am Marktplatz haben Denner, der Kiosk und die Drogerie Arnold geöffnet. Die Sonnenschirme des Restaurant Passage sind zu. «Das Hotel ist aber offen», bestätigt Besitzer und Betreiber Antonio Gonzalez. Allerdings habe er kaum Gäste. Die Reservationen wurden storniert. Wie es mit seiner Einzelfirma und den Angestellten weitergeht, kann er noch nicht sagen. Kurzarbeit sei beantragt worden.

Zuoberst auf dem Marktplatz unter dem noch kahlen Baumdach verzehren einige Angestellte in der Mittagspause ihr Sandwich. Auch bei der «Station 1» ist es nicht dunkel. Als einer der ersten hat Wirt Rolf Caviezel am vergangenen Wochenende einen Hauslieferdienst für Mahlzeiten im Internet aufgezogen. Die Karte vor dem Lokal gibt das Take-away Menu bekannt. Trotz der eigenen raschen Reaktion, ist Caviezel alles andere als optimistisch. «Das wird manchem KMU das Genick brechen.» Auch er selber habe als GmbH kein Anrecht auf Kurzarbeitsentschädigung, meint er im Gespräch.
Auch der «Grenchner Hof» macht per Facebook darauf aufmerksam, dass ein Hauslieferdienst (schon seit längerem) besteht. Die Mahlzeiten müssen im voraus bestellt werden. Auch andernorts wird auf die Einkaufsmöglichkeit im Internet hingewiesen, so bei der Team-Papeterie.

Augenschein bei den Grossverteilern Coop und Migros: Osterhasen bis zum Abwinken, aber kein WC-Papier. Die Non Food-Abteilungen haben beider­orts geöffnet. M Electronic, da Teil des Supermarkts, hat ebenfalls offen. Bei vielen Geschäften erläutert eine Affiche, warum zu oder auch beschränkt offen ist: Im Egli Beck, dem einzigen offenen Laden der Bettlachstrasse Ost, dürfen sich nur maximal drei Kunden gleichzeitig im Geschäft aufhalten.

Der EPA-Parkplatz ist leer wie nie, der Lidl-Parkplatz voll wie selten. Gesamtbild in der Gewerbewelt im Stadtzentrum: Der Herzschlag Grenchens wird zwar verlangsamt, aber noch steht die Stadt nicht still. Der Autoverkehr frühmorgens fühlte sich gestern etwa so an, wie mitten in den Sommerferien.

Doch Ferienstimmung will nicht aufkommen. In vielen Schulzimmern wird gearbeitet - allerdings nur durch die Lehrer. «Wir müssen uns jetzt ab und zu faule Sprüche anhören, wir hätten Ferien», erklärt Sekundarlehrer Markus Altermatt. Dabei bereite man den Stoff vor, welcher den Schülerinnen und Schülern per Mail übermittelt wird. Was in der Oberstufe besser gehe als bei den jüngeren Kindern (vgl. gestrige Ausgabe). Die meisten Sekundarschüler hätten eine E-mail Adresse. «Wichtig ist, dass man die Aufgaben in sehr einfacher und verständlicher Sprache formuliert, damit auch jene nachkommen, die noch nicht so gut Deutsch können», meint Altermatt.

Papiersammlung: Container im Werkhof benutzen

Die Papiersammlung von morgen Donnerstag ist abgesagt. Im Städtischen Werkhof wird ein Container für die Sammlung des Altpapiers aufgestellt. Wie Markus Altermatt betont, sei es wichtig, das Papier an dieser Sammelstelle abzugeben, da sonst die Grenchner Schulen keinen Zustupf in die Klassenkassen erhalten. Durch die Papiersammlung könne ein jährlicher Betrag von 1500 Franken und mehr pro Schulklasse generiert werden, mit denen später Lager finanziert werden.

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