Als wollten sie zeigen, dass sie wie Pech und Schwefel zusammenhalten, betreten die beiden Protagonisten die Bühne: In trauter Zweisamkeit bespielen sie das gleiche Akkordeon. Dabei zeigt sich schon bald, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier der stets etwas unterkühlt wirkende Schertenlaib (Michel Gsell), ordnungsliebend und kaum je eine Gemütsregung zeigend; da der schwelgerische Jegerlehner (Gerhard Tschan), der «Bob Marley der Handorgel», der seine virtuosen Einlagen gerne auch mit ausladender Mimik garniert, den begnadeten Entertainer markiert.

Die Gegensätzlichkeit der Charaktere hat seinen komischen Reiz, vor allem dann, wenn sie sich wie ein alterndes Ehepaar in die Haare geraten. So hadert Schertenlaib damit, dass sein Kollege in der Nebensaison Ferien am Meer gebucht hat und er so nicht zu seinem geliebten Pedalofahren kommt. Die ausgewählte Destination ist menschenleer, nichts funktioniert, was die beiden zur bedeutungsschwangeren Bemerkung veranlasst, dass Homer in der Hochsaison am Meer gewesen sein müsse. Dann wieder enerviert sich Jegerlehner, der endlich ein paar müssige Stunden geniessen will, darüber, dass Schertenlaib zu früh von der Chorprobe zurückkehrt (der Chor ist dank seines Mitmachens zu einem gemischten geworden).

Überhaupt erinnert das Ganze hie und da an ein köstliches, absurdes Theater, in welchem sogar die Langeweile ihren Reiz hat. Daneben aber singen, spielen und fabulieren sie, dass es eine wahre Freude ist. Musikalische Virtuosität und clowneske Situationskomik wechseln sich in bunter Reihenfolge ab. Ihr philosophisch-schräger Wortwitz (in Berndeutsch) hat nichts mit Schenkelklopfer-Mentalität zu tun, sondern nährt sich oft aus der wortgetreuen Anwendung des Dialektes.

Die Künstler erzählen musikalische Kurzgeschichten, die vielfach von einer wunderbaren Schwermut geprägt sind. Sie praktizieren ihren Heimat-Groove, der aber immer wieder unterwandert wird von schwärmerischen Ausflügen in die ferne, weite Welt. Exemplarisch dafür steht eine Heimat-Ode, die von arabisch klingenden Tönen untermalt ist. Ob mit Schlagzeug, Ukulele, Akkordeon, Melodica, Gesang, Mundharmonika, Trompete, Tuba oder der Stimme, immer treffen die beiden den richtigen Ton. Und können es auch sentimental-poetisch. In «Morgentau» zum Beispiel, in welchem sie von «alten Geschichten in neuen Schläuchen» schwadronieren.

Die Gewinner des «Salzburger Stiers» von 2013, des prestigeträchtigsten Preises in der Kleinkunstszene, präsentieren nach «Päch» und «Schwäfu» ihr drittes gemeinsames Programm. «Zunder» mag auch alte Geschichten aufwärmen, dies geschieht aber höchst unterhaltend, angereichert mit einer gehörigen Portion erfrischendem Humor und innovativer Musikalität.