Anerkennungspreis

Musik für eine ganze Generation

Monica Aeschbacher freut sich über den Anerkennungspreis der Stadt.

Monica Aeschbacher freut sich über den Anerkennungspreis der Stadt.

Die Grenchner Musigbar erhält nächste Woche den Anerkennungspreis der Stadt Grenchen. Treibende Kraft ist seit Anbeginn Monica Aeschbacher.

«Mit der Grenchner Musigbar wird ein Verein mit dem Anerkennungspreis bedacht, der mit geringem Budget, aber mit viel Herzblut, bereits hunderte von Konzerten namentlich im Bereich Blues und Rock organisiert hat», heisst es in der Mitteilung der Stadt zur Verleihung der städtischen Kulturpreise.

In der Musigbar im ersten Stock der Mix it Bar an der Bielstrasse 7 finden regelmässig Konzerte mit Bands aus der Region, der ganzen Schweiz und sogar aus dem Ausland statt. Der Eintritt ist dabei jeweils gratis, man bezahlt einen moderaten Zuschlag auf den Getränkepreis.

«Beim Konzert kostet das Bier einfach sechs Franken statt vier», erklärt Monica Aeschbacher. «Wir sind bisher noch immer finanziell über die Runden gekommen und haben noch nie einen Rappen von der Stadt bezogen. Doch es wird schon zunehmend schwieriger.» Im Sommer habe man begonnen, eine freiwillige Kollekte einzuziehen», erklärt die aufgestellte 55-Jährige.

Für reifere Rockfans

Aeschbacher ist die treibende Kraft hinter dem Projekt Musigbar. Der Verein organisiert Konzerte für - sagen wir mal - reifere Rockfans, die gerne mit ihresgleichen am Freitagabend das Wochenende im gemütlichen Rahmen und mit guter Musik beginnen. Man kann auf ein treues Stammpublikum zählen. «Die Bands spielen gerne bei uns und fragen immer wieder nach Auftrittsterminen. Denn das Grenchner Publikum wird geschätzt, weil es mitgeht und nicht einfach rumsteht», erklärt Aeschbacher.

Die Atmosphäre in der Musigbar verströmt den Altbau-Groove eines typischen Rockschuppens der 70er-Jahre. Türöffnung ist stets um neun, eine halbe Stunde später gehts los. Unplugged Konzerte sind im kleinen Säli kein Problem. Selbst das Rauchen ist erlaubt, da die Musigbar eigentlich das Fumoir des Lokals im Parterre ist.

Monica Aeschbacher ist in Brunnen (SZ) aufgewachsen, arbeitete einige Jahre im Gastgewerbe und kam 1990 in die Region. Von 1996 bis 2000 arbeitete sie als Coach im Löwen-Projekt, das Personal aus dem Gastgewerbe beschäftigte und weiterbildete. Schon zu dieser Zeit half sie mit, dass im Löwen auch musikalisch und kulturell etwas geboten wurde. Als das Projekt zu Ende ging, verblieb die «Löwen-Bar», bis das Gebäude verkauft wurde. «Schon damals waren wir ein – überschaubares – Team von Leuten, die geschaut haben, dass etwas läuft. Manche sind heute noch dabei.»

Vom Tresen in die Fabrik

Seit 1996 wohnt Aeschbacher in Arch im eigenen Haus. Im Jahr 2001 wechselte sie vom Bartresen an einen Industriearbeitsplatz, wo sie bis 2011 in Grenchen und heute in Arch arbeitet. Der Wechsel in die Industrie komme dem Engagement in der Musigbar entgegen, meint sie « Diese geregelte Arbeit tagsüber ist eigentlich ideal, wenn man am Freitagabend Konzerte organisieren will.»

Das tat sie dann auch schon bald wieder. Im Jahr 2003 bot sich die Gelegenheit, im damaligen Löwenkeller regelmässig Konzerte durchzuführen. Dazu wurde ein Verein ins Leben gerufen. 2005 war dann die Geburtsstunde der Musigbar im ehemaligen «Art Café» an der Solothurnstrasse 8. Der Verein mietete das Lokal und Aeschbacher fungierte als Freitagabend-Wirtin.

Sieben Jahre lang bespielte man die Liegenschaft im Zentrum des Zentrums der Stadt.
Den Zugang zur Rock- und Blues Szene musste sich Aeschbacher in den letzten Jahren selbst erarbeiten. «Am Anfang kannte ich mich noch nicht so aus. Und so schaute ich jeweils im Internet nach Bands, die für unsere Publikum passen. Das hat recht gut funktioniert.»

Schöne Erinnerungen

Unvergesslich ist ihr der erste Auftritt in der Musigbar geblieben. Nämlich von Phippu Gerber + the Hardcore Bluesband am 25. Februar 2005. «Das Lokal war rappelvoll, obwohl wir damals noch Eintritt verlangten.» Legendär auch der Auftritt der Grenchner Band R.I.P., welche sie einfach mal engagierte, weil sie sie im Keller beim Üben hörte. «Ich war am Auftritt gar nicht da, aber viele haben mir gesagt, es sei das geilste Konzert überhaupt gewesen. Natürlich spielten die dann wieder bei uns.»

Wie etliche andere auch, die von der Atmosphäre in der Musigbar begeistert waren. Immer wieder treten auch Formationen aus dem Ausland auf, aus Deutschland oder Italien. Die Musiker übernachteten jeweils bei jemand zuhause. Nach dem Verkauf auch dieser Liegenschaft zog die Musigbar an die Bielstrasse 7 um, in die damalige Foxy Bar (heute Mix it Bar). Dort mietet man allerdings nur noch das Säli für die Konzertabende. 20 pro Jahr sind es, seit es die Musigbar gibt, denn das ist die Obergrenze der Freinachtbewilligungen.

Manu Hartmann spielt

Gerne zu Gast war auch immer wieder die Blueserin Manu Hartmann, mit der Aeschbacher inzwischen auch gut befreundet ist. Hartmann wird denn auch an der Preisverleihung vom Donnerstag im Bachtelen-Saal zusammen mit einer ad hoc Band für das Preisträger-Team Spielen.

Sie freue sich immens über die Ehrung der Stadt, denn es ist das erste Mal, das sie von offizieller mit Anerkennung bedacht wird. Die gibt sie sogleich weiter an Leute, die ihr in der Musigbar helfen: Antonio Cipriano, Therese Frei, André Weyermann, Holger Greis, Andreas Mader sowie die DJs und Barmaids.

Und wie geht es weiter in der Musigbar? - «So wie bisher», kommt die Antwort sofort. Dies, solange es Spass macht und finanziell einigermassen aufgeht.

Nächstes Konzert in der Musigbar: Freitag, 13. Januar um 21.30 Uhr mit der Gruppe Blue Ballz.

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