Grenchen
Mit Schaum wird nicht nur der Sonnenbrand gekühlt

Wer zur Feuerwehr will, muss in die Ausbildung. Am Wochenende stand in Grenchen genau dies für 42 angehende Feuerwehrleute auf dem Programm. Sie wurden im Lösch- und Rettungsdienst ausgebildet.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Feuerwehrausbildung in Grenchen
6 Bilder
Die Feuerwehrrekruten erhalten Instruktionen
Zweitätige Feuerwehrausbildung in Grenchen
Zur Feuerwehrausbildung gehört auch der Rettungsdienst
Die Rettung will gelernt sein
Gute Laune bei den Feuerwehrrekruten

Feuerwehrausbildung in Grenchen

Hans Peter Schläfli

Da war der grösste Schaumschläger der Region am Werk, der das Brachland zwischen der Eisenbahn und den Gaskugeln der SWG am Freitag und Samstag in ein kleines «Amnesia» verwandelte. Der Spass war gross, aber nicht vergleichbar mit der weltberühmten Disco auf Ibiza: Hier kühlten die jungen Leute mit dem Schaum nicht wie auf der Ferieninsel in Badehosen einen Sonnenbrand.

In Grenchen wurde in schweren Schutzkleidern geübt, wie man einen Flüssigkeitsbrand löschen kann - und gemeint war damit auch nicht der Nachbrand des nächsten Morgens. Beim Einführungskurs der Feuerwehr Grenchen gings um ein ernsthaftes Thema. Hier wurden 42 angehende Feuerwehrleute im Lösch- und Rettungsdienst ausgebildet.

Verschiedene Arten von Schaum

Bevor es mit dem spassigen Teil losgehen konnte, erklärte zunächst Oberleutnant Patricia Stalder der Gruppe die verschiedenen Arten von Schaum. Der schwere Schaum mit mehr Wasser hat eine weitere Flugbahn und kühlt besser, der mittlere Schaum deckt einen Flüssigkeitsbrand besser ab, lernen da die Kursteilnehmer. Dann legten die Anfänger selber Hand an die Spritze und übten, wie die Chemikalie richtig zum Wasser gemischt wird: Zunächst wird das Ventil auf die Position 6 gestellt, und sobald der Schaum die richtige Konsistenz hat, wird auf die Position 3 um geschaltet. Sie lernten, mit welchen Handbewegungen man die Düse vom schweren auf den mittleren Schaum umstellt, und als das weisse Zeug endlich in einem fetten Strahl durch die Gegend flog, legte sich auch ein breites Grinsen auf die Gesichter der angehenden Feuerwehrleute.

Als beim Schaummischer ein Ventil verklemmte, da legte Oberstleutnant Bruno Bider selber Hand an und wechselte das Teil mit geübten Handgriffen aus. «Das Schaummittel ist nicht giftig», erklärte der Kommandant der Grenchner Feuerwehr, «in ein paar Tagen hat die Natur alles abgebaut, und es dürften wieder Schafe grasen.» Der Einsatz des Schaums sei ein gutes Mittel, um die Wasserschäden im Rahmen zu halten. «Wenn wir zum Beispiel in einem Haus im obersten Stock ein begrenztes Feuer haben, dann kann der Wasserschaden in den unteren Stockwerken teurer sein als der eigentliche Feuerschaden oben. Das wollen wir vermeiden. Der Schaum ist ein sehr effizientes Löschmittel und spart Wasser. Der Schaum fliesst auch viel langsamer, weshalb es weniger Folgeschäden in den unteren Stockwerken gibt.»

Stattliche Zahl junger Frauen

Wer sich in schwindelerregender Höhe auf ein Brett binden lässt und dann hilflos erleben muss, wie er zum Fenstern hinausgereicht und nur am Seil gesichert über eine Leiter hinuntergereicht wird, der braucht etwas Mut und vor allem viel Vertrauen in die Feuerwehrkameraden. Als ganz unten die beiden Feuerwehrleute die Handgriffe nicht korrekt ausführen, kippt das Brett und beinahe wäre der Simulant vor dem Feuerwehrgebäude an der Kirchstrasse auf den harten Boden der Realität gefallen. Da greift Hauptmann Christian Thalmann ein und erklärt, wie man sich zum Brett mit dem Verletzten stellen muss, damit das «Päckli» nicht kippt.

Im Einführungskurs lernten die 42 angehenden Feuerwehrleute, darunter eine stattliche Zahl junger Frauen, die Bedienung der grundlegenden Feuerwehrgeräte und die Rettung von Verletzten. «Wer den Kurs erfolgreich abgeschlossen hat, kann vom Rekruten zum Feuerwehrsoldaten befördert werden und darf dann bei Ernstfällen eingesetzt werden», erklärt Bider das Ziel der Ausbildung. Auffallend war die gute Laune und die Kameradschaft unter den Teilnehmern, die von Zuchwil bis Grenchen und auch aus dem Limpachtal nach Grenchen gekommen waren «Alle sind hoch motiviert», sagt Bruno Bider, «denn sie sind alle freiwillig hier.