Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) ist das einzige Bundesamt im Kanton. Seit 20 Jahren ist es in Grenchen an der Storchengasse beheimatet. Zusammen mit dem neuen BWO-Gebäude sind damals auch die Grenchner Wohntage geschaffen worden, die somit diesen November ebenfalls zum 20. Mal stattfinden.

«Dahinter steckte das Bestreben, mehr Berührungspunkte zwischen dem BWO und seinen Themen und der Stadt Grenchen und seinen Einwohnerinnen und Einwohnern herzustellen», erläutert BWO-Mitarbeiter Lukas Walter, der die Wohntage seit über zehn Jahren jeweils mit einem fünf- bis sechsköpfigen Team organisiert.

Dazu komme das Ziel, dass das im Bundesamt erarbeitete Wissen Fachleuten und einer interessierten Bevölkerung zugänglich gemacht wird. «Ob wir nun Mieter sind oder Hausbesitzer, jeder wohnt irgendwo und macht sich Gedanken über seine Wohnsituation», meint Lukas Walter.

Schüler planen Quartiere

«Die 20. Grenchner Wohntage haben aus Anlass des runden Geburtstages ein reichhaltigeres Programm als üblich», erklärt Walter weiter. Hauptanlass ist auch dieses Jahr eine Tagung im Parktheater, an der am 12. November Fachleute Fragen des Wohnungsmarktes und des zeitgemässen Wohnungsbaus erörtern. Im Zentrum steht diesmal das vom BWO bereits 1975 lancierte und seither stets weiterentwickelte Wohnungs-Bewertungs-System WBS. 

Die neuste Ausgabe ist soeben erschienen. Die Publikation geniesse in Fachkreisen inzwischen eine hohe Reputation, meint Walter. An der Tagung werde nicht nur theoretisiert, sondern es würden immer wieder konkrete Beispiele von Wohnanlagen oder Stadtentwicklungen vorgestellt. Der eintägige Kongress sei zu einem Treffpunkt von Planern, Architekten und Wohnfachleuten geworden und versammelt jeweils 200 bis 250 Personen im Theatersaal. «Diesmal eröffnet Volkswirtschaftsminister Schneider-Ammann die Tagung», verkündet der BWO-Mitarbeiter nicht ohne Stolz.

Eigentlich beginnen die Wohntage aber schon am 7. November. Dann eröffnet nämlich auf dem Marktplatz eine Plakatausstellung zum Thema «Wohnen in Grenchen – gestern heute morgen». Drei Schulklassen der 3. Sek B untersuchten dabei je drei Grenchner Quartiere bezüglich vergangener (vor 50 Jahren) und heutiger Wohnbedingungen und machen sich Gedanken über eine mögliche Zukunft der Quartiere.

Die Resultate der Recherchen und Überlegungen der Jugendlichen liessen die Wohntage grafisch aufbereiten und zu über zwei Dutzend Plakaten verarbeiten. «Ich bin begeistert, was die Schüler alles herausgefunden und wie gut sie mitgemacht haben. Die Resultate können sich wirklich sehen lassen», meint Walter. Die Ausstellung ist bis zum 30. November zu sehen.

Projektion mit Live-Musik

Nach dem Erfolg der Lichtprojektion auf die Fassade des BWO vor zwei Jahren kommt dieses Jahr eine neue Produktion in diesem Stil – nur aufwendiger und mit Live-Musik. Die auf die rückseitige Fassade des Kunsthauses projizierten Bilder des Fotografen Jean-Pierre Fonjallaz werden vom Grenchner Chor CantaGaudio mit Versen des Musikers und Poeten Stéphane Blok musikalisch untermalt.

Die etwa 20-minütige Performance ist vom Donnerstag 12. bis Samstag 14. November jeweils um 19 Uhr zu sehen.

Fotos und Filme

Die Solothurner Sektion des Architektenverbands SIA hat erstmals einen Wettbewerb für Architekturfotografie («Priisnagel Fotografie») lanciert. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Wohntage am 13. November um 17.30 Uhr im Kunsthaus statt. Die Ausstellung der Fotos ist dort bis 22. November zu sehen.

Schliesslich findet auch an diesen Wohntagen ein Kinoabend statt, beziehungsweise werden diesmal am 18. November gleich zwei Filme im Kino Rex gezeigt: um 17.30 Uhr die Familienkomödie «Ein Fall für die Borger» (1997) über einen Baulöwen, dem das Haus der Familie Lender für sein Bürohochaus-Projekt im Weg steht, und danach «Kitchen Stories» (2003) des Norwegers Bent Hammer.

Für die Verbraucherforschung wurde in den 50er-Jahren mit Hochsitz und Notizblock ausgestattete Beobachter in den Küchen alleinstehender Männer postiert. Kontakt strikt untersagt. Ob das wohl funktionierte? «Ein köstlicher Film, den ich wärmstens empfehle», sagt Walter und schmunzelt.

Wie wohnt eigentlich der Organisator der Wohntage, der in Grenchen vor allem auch als Präsident des Kultur-historischen Museums bekannt ist, selber? In einem Minergie-Haus. Dem ersten der Stadt. Walter hat es mit seiner Familie im Jahr 2003 gebaut. Obwohl es nicht speziell heraussticht, ist das Architekturbüro inzwischen berühmt. Es hat ein Jahr später einen wichtigen Raum der UNO in New York neu gestaltet. «Es war das Geschenk der Schweiz zu ihrem UNO-Beitritt», meint Walter mit einem Anflug von Understatement.