Grenchen

Kino-Openair in Zeiten von Corona: Auf dem Zytplatz gibt es Filme à la carte

Das kleine, aber feine Kino-Openair im Rahmen der Aktion «Bühne frei für den Märetplatz» kommt beim Publikum bis jetzt gut an. Trotz Corona ist der Event in Grenchen ein Erfolg. Gezeigt werden jeweils Filme diverser Genres.

Auf dem 4 x 2,5 Meter grossen LED-Bildschirm unter dem Stadtdach laufen in einer Endlosschlaufe «Kinodias», die auf das Programm und die kommenden Filme hinweisen, und solche, die erklären, wie man sich in Coronazeiten zu verhalten hat – einen der rund 40 Liegestühle schnappen, sich am Kiosk eintragen zwecks Contact-Tracing, sich gleich mit Popcorn und Getränk eindecken, den Film geniessen und am Schluss den eigenen Müll zusammenräumen. Auf der Bettlachstrasse stehen vor den Tischen der Centro Lounge Liegestühle, immer schön zwei nebeneinander mit genügend Abstand zu den nächsten zwei.

Adaption eines «alten» Dramas um Liebe und Tod

Es ist 20.15 Uhr, langsam füllt sich die Szene. Die Tische und Sofaecken in der Centro Lounge sind bereits besetzt, nach und nach werden auch die Liegestühle in Beschlag genommen. Heute steht «Moulin Rouge» auf dem Programm. Ein Musicaldrama des australischen Regisseurs Baz Luhrmann aus dem Jahr 2001 mit Nicole Kidmann und Ewan McGregor in den Hauptrollen.

Ein Filmklassiker schlechthin. Seinen Bekanntheitsgrad verdankt der Film allerdings nicht nur der hervorragenden Schauspieler und opulenten Bilder wegen, sondern vor allem, weil Luhrmann in seiner ganz eigenen Bearbeitung der Oper «La Bohème» von Giacomo Puccini, Musik von Pop- und Rockgrössen wie Elton John, Madonna, den Beatles, David Bowie, Fatboy Slim, Nirvana, The Police und vielen mehr verwob und der Geschichte, die im Paris um die Jahrhundertwende spielt, in die Gegenwart transferiert – zumindest musikalisch.

Gratis-Open-Air-Kino zeigt Filme diverser Genres

Noch allerdings ist es nicht so weit: Angel Rodriguez, der die beiden Grenchner Kinos Rex und Palace führt und für das Open-Air-Kino auf dem Zytplatz verantwortlich zeichnet, ist eingetroffen und bereit für ein Gespräch. Auf die Frage, wie es bis jetzt gelaufen sei, meint er: «Unterschiedlich. Es kam ganz darauf an, was wir zeigten.» Er habe ganz bewusst Filme gewählt, die im Kino bei ihrer Premiere nicht ganz so gut gelaufen seien.

Der Mix zwischen Familienfilmen, wie «Jumanji», «Chef» und sogar «Zombieland Double Tap», der humorvollen Zombiekomödie von letztem Jahr, Musikfilmklassikern wie «Dirty Dancing» und «Moulin Rouge»und reinen Actionfilmen wie «Hobbs vs. Shaw» mit Jason Statham und Dwayne «the Rock» Johnson habe gepasst. Insbesondere bei Letzterem seien die Leute in Scharen gekommen, sagt Rodriguez. «Dieser Film lockt halt die Jungen hervor.» Etwas schwieriger sei das mit dem 1. Weltkriegsepos «1917» gewesen.

Das Thema sei nicht jedermanns Sache, obwohl der Film ausserordentlich gute Kritiken erhalten habe. «1917» zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass der Film ohne Schnitte auskommt. Der Zuschauer wird durch die langen Kameraeinstellungen und -fahrten ohne Pause und Blickwechsel förmlich ins Geschehen hineingezogen und erlebt den Gräuel hautnah.

Nicht mehr als 100 Personen auf dem Platz

Vielleicht hätte man auch Kinderfilme zeigen können, meint Rodriguez, im Wissen, nicht zu wissen, ob die beim Publikum angekommen wären oder nicht. Den auch das Open-Air-Kino am Zytplatz kämpfe mit der aktuellen Situation, die praktisch alle Veranstaltungen «gekillt» habe. «Auch wir mussten ein Schutzkonzept erstellen, dürfen nicht mehr als 100 Personen auf dem Platz haben und müssen die Daten der Zuschauer fürs Contact-Tracing aufnehmen.»

«Was ich feststellen konnte, es sind öfters Leute auch später gekommen, haben sich hingesetzt und sind geblieben.» Und ein Zuschauer habe gemeint: «Endlich kann man wieder rauchen beim Film schauen.»

Kommende Filme könnten noch viele Leute anlocken

«Sully» aus dem Jahr 2009, die Geschichte des Piloten Chesley «Sully» Sullenberger, der sein Passagierflugzeug nach einem Vogelschlag auf dem Hudson River notwassert, mit Tom Hanks in der Hauptrolle, läuft am 6. August und werde sicher viel Publikum anziehen, meint Rodriguez. Und auch die neue Version von «Baywatch», nach «Jumanji» und «Hobbs vs. Shaw» der dritte Film mit «The Rock» in der Hauptrolle, werde wohl einige Leute anziehen. «Dwayne Johnson spricht viele Leute an», sagt der Kinobetreiber.

Ganz speziell freue er sich auf ein Experiment: Am Samstag, den 8. August, läuft auf dem Zytplatz «Pari et dispari», eine italienische Komödie mit Terence Hill und Bud Spencer in den Hauptrollen. Bei uns wurde der Film aus dem Jahr 1978 unter dem Titel «Zwei sind nicht zu bremsen» bekannt. «Ich hoffe sehr, dass ich die italienischsprachigen Grenchnerinnen und Grenchner für den Film gewinnen kann und sie zahlreich erscheinen», sagt Rodriguez und beginnt, mit den Formularen fürs Contact-Tracing von Stuhl zu Stuhl zu gehen.

Das Drama beginnt mit einem Feuerwerk

Mittlerweile haben es sich 14 Zuschauerinnen und Zuschauer gemütlich gemacht. Schon beim Vorfilm, einem rasanten Zusammenschnitt der Blockbuster, die da noch kommen sollen – der neuste «James Bond», «Top Gun», der neue mit Will Smith und so weiter –, ist klar, das Bild ist ausgezeichnet und das Umgebungslicht stört nicht – ein Saallicht gibt’s hier ja nicht.

Und schon geht’s los und man taucht ein ins Pariser Quartier Montmartre im Jahr 1899, Heimat der «Bohèmiens», Maler, Schriftsteller, Schauspieler und Künstler, aber auch der Bordelle, Cabarets und des legendären Moulin Rouge des Harold Zidler, wo die tragische Liebesgeschichte zwischen Christian und Satine ihren Lauf nimmt. Aber erst gibt es ein Feuerwerk an Farben und Tanz.

Übrigens: Im Film erhält Nicole Kidman als Satine eine Diamantenhalskette von ihrem reichen Verehrer, mit dem sie sich aber nicht einlassen will. Dieses Halsband wurde offenbar extra für den Film angefertigt, aus 1308 Diamanten mit insgesamt 134 Karat und hat einen geschätzten Wert von rund 1 Million US-Dollar.

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